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Hauptbeiträge
Anette Kluge
Die Einstellungen zur Leistungs-, Lern- und Anpassungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer/-innen und die subjektiv erlebte Diskriminierung - eine Untersuchung in Schweizer Unternehmen
An einer Stichprobe in zwei Schweizer Betrieben wurden die Einstellungen gegenüber älteren Arbeitnehmern/-innen erhoben. Es wurde dabei speziell der Frage nachgegangen, inwiefern die beobachtbare Gleichbehandlung von älteren und jüngeren Arbeitnehmern/-innen bei der Teilnahme an Weiterbildung mit einer positiven Einstellung gegenüber diesen einhergeht. 154 Befragte aus zwei Betrieben beantworteten die deutsche Version des Fragebogen(s) zur Einstellung gegenüber älteren Arbeitnehmern/-innen. Dabei zeigte sich eine positivere Einstellung als bei vergleichbaren internationalen Untersuchungen. Denn Führungskräfte und auch die Mitarbeiter/-innen jeden Alters sehen ältere Arbeitnehmer/-innen generell nicht als weniger leistungs- oder lernfähig an. Es ergibt sich vielmehr eine differenzierte Wahrnehmung: Bei der Einschätzung der Leistungsfähigkeit tendieren Ältere dazu, sich positiver einzuschätzen, als jüngere Arbeitnehmer/-innen Ältere einschätzen. Bei der Einschätzung der Lern- und Anpassungsfähigkeit zeigte sich eine umgekehrt u-förmige Beziehung. Die über 60-Jährigen sehen sich selbst als weniger lern- und anpassungsfähig als Altersgruppen zwischen 30 und 59 Jahren. Schließlich fühlen sich Mitarbeiter/-innen mit zunehmendem Alter eher diskriminiert als Führungskräfte. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass nicht eine generell negative Einstellung gegenüber älteren Arbeitnehmern/-innen vorliegt, sondern eine zunehmend differenziertere Betrachtung unterschiedlicher Arbeitsleistungs-Dimensionen.
Bärbel Bergmann, Claudia Prescher, Doreen Eisfeld
Alterstrends der Innovationstätigkeit bei Erwerbstätigen
Zwei Entwicklungstrends in der Erwerbsarbeit, nämlich die Verlagerung des klassischen Kostenwettbewerbs zum Wettbewerb um innovative Produkte und die Veränderung der Altersstruktur der Erwerbsbevölkerung aufgrund der demographischen Entwicklung werden kurz erläutert und genutzt, um die Entwicklung der Leistungs- und Innovationsfähigkeit Erwerbstätiger über die Spanne des erwerbsfähigen Alters als Zukunftsaufgabe zu kennzeichnen. In diesem Beitrag werden Alterstrends des Erlebens von Innovationsanforderungen durch Erwerbstätige analysiert sowie Befunde empirischer Studien über die Innovationstätigkeit Erwerbstätiger vorgestellt. Mit zwei Indikatoren Hauptakteur bei realisierten Produkt- und Prozessinnovationen im letzten Kalenderjahr und Beteiligung an realisierten Produkt- und Prozessinnovationen im letzten Kalenderjahr werden für eine Gelegenheitsstichprobe Erwerbstätiger und für eine Stichprobe von Innovatoren Alterstrends der Innovationstätigkeit beschrieben. In beiden Studien wird keine Altersabhängigkeit der Innovationstätigkeit festgestellt. Aber es besteht ein Zusammenhang der Innovationstätigkeit mit der Lernhaltigkeit der Arbeitsaufgabe. Erwerbstätige, die Arbeitsaufgaben mit höheren Lernanforderungen bearbeiten, sind häufiger Innovator.
Svenja Hennlein, Ingela Jöns
Kompetenzentwicklung von Arbeitsgruppen durch Teamfeedback
Auf Basis der Ergebnisse einer längsschnittlich angelegten Studie in einem Unternehmen der Stahlverarbeitung mit 71 Arbeitsgruppen werden Bedingungen der Entwicklung von Gruppenkompetenz durch Teamfeedback analysiert. Es wurde untersucht, ob Gruppen das Teamfeedback zum Ableiten von Maßnahmen nutzen und in welchen Fällen eine Kompetenzentwicklung daraus resultiert. Die Ergebnisse belegen, dass die von den Gruppen subjektiv wahrgenommene Übereinstimmung von aufgrund des Feedbacks getroffenen Maßnahmen und Problemfeldern der Gruppe von großer Bedeutung ist. Außerdem spielt gerade für Gruppen, die in ihrer Gruppenkompetenz nach eigener Einschätzung noch nicht weit entwickelt sind, die Überprüfung der Maßnahmenumsetzung eine bedeutende Rolle. Gleichfalls haben Gruppenmerkmale wie Rotation in der Ausführung der Tätigkeiten innerhalb der Gruppe und Bestandszeit der Gruppe Einfluss auf die Entwicklung der Gruppen.
Heiner Minssen, Christian Riese
Qualifikation und Kommunikationsstrukturen des Co-Managers - Zur Typologie von Betriebsräten
Der Betriebsratstypus des Co-Managers zieht zunehmend Aufmerksamkeit auf sich. Wir untersuchen in diesem Artikel am Beispiel von Betriebsräten im Öffentlichen Personennahverkehr, ob dieser Betriebsratstypus sich von anderen (konventionellen, engagierten oder ambitionierten) Betriebsratstypen hinsichtlich seiner Qualifizierungsprozesse und seiner Kommunikationsstrukturen unterscheidet. Basierend auf einer schriftlichen Befragung aller Betriebsräte zeigt sich, dass der Co-Manager mehr Weiterbildungsangebote in Anspruch nimmt und die dadurch erworbenen Kompetenzen häufiger durch interne Wissensvermittlungsprozesse an andere Betriebsratsmitglieder weitergibt. Die Kontaktflächen zur Geschäftsleitung sind deutlich ausgeprägter, ohne dass dies mit einer Reduzierung der Kontakte zu Gewerkschaften einhergeht. Darüber hinaus wird ein Schwerpunkt im Kontakt zu Betriebsräten anderer Unternehmen gelegt; hier sind Co-Manager deutlich variantenreicher und differenzierter als ihre Kollegen aus den anderen Betriebsratstypen.
Rezensionen
Dieter Sauer
Arbeit im Übergang. Zeitdiagnosen.
(besprochen von Gerd Peter, Dortmund)
Wolfgang Schroeder, Bernhard Weßels (Hg.)
Die Gewerkschaften in Politik und Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Ein Handbuch.
(besprochen von Helmut Martens, Dortmund)
Michael Treier
Führung mit Kennwerten Das Multi-Source-Feedback und sein Beitrag zu einer innovativen und strategisch ausgerichteten Führungskultur.
(besprochen von Martin Kröll, Bochum)
Frank Kleemann
Die Wirklichkeit der Teleheimarbeit. Eine arbeitssoziologische Untersuchung.
(besprochen von Annette Henninger, Bremen)
Mitteilung
Best Paper Award 2006 der
German Industrial Relations Association (GIRA)
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Hauptbeiträge
Thomas Haipeter
Arbeits(zeit)politik zwischen Innovation und Eigensinn
Der vorliegende Beitrag versteht sich als Beitrag zur aktuellen Debatte um Chancen und Widerstände der Arbeitspolitik. Dabei wird die Perspektive auf die Arbeitszeitpolitik als wichtigem Element der Arbeitspolitik ausgeweitet. Ein genauerer empirischer Blick auf die arbeitszeitpolitische Praxis in den Betrieben zeigt, dass neue Arbeitszeitregulierungen mit innovativem arbeitspolitischem Gehalt vielfältigen Umsetzungsproblemen in den Betrieben ausgesetzt sind. Die vielleicht wichtigste Voraussetzung für eine gute arbeitszeitpolitische Praxis im Sinne der Erhöhung der Autonomie der Beschäftigten bei der Arbeitszeitgestaltung ist eine Interessenvertretungspolitik der Betriebsräte, die auf die Förderung der Partizipationsmöglichkeiten der Beschäftigten abzielt. Diese Politik einer Ausweitung der industriellen Bürgerrechte kann zugleich die in der Debatte als Gegensatz eingeführten Konzepte der innovativen und der eigenständigen Arbeitspolitik versöhnen.
Charles Woolfson, Jeff Sommers
Die Gestaltung des neuen Europas nach der EUErweiterung:
Rechtliche und politische Implikationen des „Laval un
Partneri- Streits“ um Sozialstandards zwischen Lettland und Schweden
Der Beitritt der neuen Mitgliedstaaten aus Zentral- und Osteuropa zur Europäischen Union (EU) könnte durch die schwach ausgeprägten Gewerkschaftsstrukturen und den wenig entwickelten sozialen Dialog dieser Staaten die vorgeschriebenen Arbeitsstandards der Länder mit starken Gewerkschaftsbewegungen, wie Schweden, bedrohen. Dieser Artikel betrachtet die politischen, wirtschaftlichen und legalen Implikationen eines Arbeitsstreiks in der Bauindustrie, verursacht durch die Beschäftigung lettischer Arbeiter in Schweden durch die lettische Baufirma Laval un Partneri. Der Streit zeigt im Kleinen beispielhaft die wahrgenommenen Gefahren für die Arbeitsstandards, die sich durch die Osterweiterung der EU ergeben.
Andreas Jansen
Niedriglohnbeschäftigung in Ost- und Westdeutschland
In der Bundesrepublik Deutschland muss ein Niedriglohnsektor nicht erst noch geschaffen werden – er existiert bereits. Unterstellt man einen nach West- (8,49 €) und Ostdeutschland (6,30 €) differenzierten gesetzlichen Mindestlohn, so hätten etwa 13% der abhängig Erwerbstätigen einen Anspruch darauf. Eine detaillierte Analyse des Niedriglohnsektors zeigt deutlich, dass sowohl persönliche als auch strukturelle Merkmale den Niedriglohnbezug beeinflussen. Neben der individuellen Merkmalsstruktur der Niedriglohnempfänger sind die rückläufige Tarifbindung sowie die abnehmende Tarifverbindlichkeit mögliche Gründe für die Entstehung bzw. Ausweitung des Niedriglohnsektors. Da auch die vorhandenen rechtlichen Instrumente zur Flankierung des Tarifsystems Niedriglöhne nur unzureichend regulieren können, stellt ein gesetzlicher Mindestlohn eine durchaus realistische Option für die BRD dar.
Alexander Thomas
Interkulturelle Handlungskompetenz
– Schlüsselkompetenz für die moderne Arbeitswelt
Interkulturelle Handlungskompetenz ist eine überfachliche Schüsselqualifikation von weitreichender Bedeutung zur Bewältigung der mit zunehmender Internationalisierung und Globalisierung sich stellenden Anforderungen. Zunächst wird an einigen Beispielen die Bedeutung der Thematik für das Wirtschaftsleben und den erfolgreichen beruflichen Einsatz im Ausland erläutert. Auf diesen Grundlagen aufbauend werden die verschiedenen aufeinander Bezug nehmenden Phasen der Entwicklung interkulturellen Handelns präsentiert. So lässt sich nachvollziehen, dass interkulturelles Handeln nicht einfach so nebenbei aus praktischen Erfahrungen in der Interaktion mit ausländischen Partnern entstehen kann, sondern das Resultat eines komplexen Lern- und Entwicklungsprozesses darstellt. Im letzten Abschnitt werden zentrale Aspekte der zukünftigen Entwicklung interkultureller Handlungskompetenz als Thema von Ausbildung und Qualifizierung angesprochen, wie interkulturelle Trainings, interkulturelles Erfahrungswissen, Kulturspezifität trainingsdidaktischer Konzepte und die lebensbiographische Entwicklung interkultureller Handlungskompetenz.
Rezensionen
Richard Detje; Klaus Pickshaus; Hans-Jürgen
Urban (Hg.)
Arbeitspolitik kontrovers. Zwischen
Abwehrkämpfen und Offensivstrategien
(besprochen von Helmut Martens, Dortmund)
Wilson, Shaun
The Struggle Over Work.
Employment Alternatives in Postindustrial
Societies
(besprochen von Norbert Ebert, Sydney)
Matthias Möring-Hesse (Hg.)
Streit um
die Gerechtigkeit. Themen und Kontroversen
im gegenwärtigen Gerechtigkeitsdiskurs
(besprochen von Helmut Martens, Dortmund)
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Hauptbeiträge
Hans-Peter Blossfeld
Globalisierung, wachsende Unsicherheit und die
Veränderung der Chancen der jungen Generation in
modernen Gesellschaften
Dieser Beitrag konzeptualisiert die Effekte des Globalisierungsprozesses zunächst mit Hilfe eines Mehrebenenmodells und stellt dann ausgewählte Ergebnisse des GLOBALIFE-Projekts dar. Er beschreibt, (1) wie sich die Globalisierung als makrostruktureller Prozess in ausgewählten modernen Ländern seit dem Beginn der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts entwickelt hat, (2) wie die durch Globalisierung erzeugte steigende Unsicherheit auf der Mesoebene durch Institutionen des Bildungs-, Beschäftigungs- und Wohlfahrtsstaatssystems auf bestimmte soziale Gruppen kanalisiert wird und (3) wie die Akteure auf der individuellen Ebene im Alltag in verschiedenen Ländern darauf reagieren. Die Darstellung ausgewählter Ergebnisse konzentriert sich auf die Phase der beruflichen Etablierung und auf die Veränderungen sozialer Ungleichheit bei jungen Erwachsenen in modernen Gesellschaften.
Olaf Struck, Christoph Köhler, Ina Goetzelt, Michael Grotheer,
Tim Schröder
Die Ausweitung von Instabilität? Beschäftigungsdauern und
betriebliche Beschäftigungssysteme (BBSS)
Der Aufsatz stellt die Frage nach der Erosion Interner Arbeitmärkte und der Generalisierung von Beschäftigungsrisiken und Prekarität in West- und Ostdeutschland. Quantitative Analysen von betrieblicher Beschäftigungspolitik und der Beschäftigungsepisoden von Individuen belegen eine Koexistenz von langfristiger mit kurz- und mittelfristiger Beschäftigung, wobei letztere seit Beginn der neunziger Jahre begrenzt, aber deutlich zugenommen hat. Die Konzepte der Arbeitsmarktsegmentation und der Betrieblichen Beschäftigungs-Sub-Systeme (BBSS) erlauben es, die makrostatistischen Analysen zu spezifizieren: Ein großer Teil der Veränderungen in der Arbeitsmarktstruktur erfolgt über endogene Modifikationen von Geschlossenen und Offenen BBSS als Bausteinen von Internen und Externen Arbeitsmärkten. Als Schlussfolgerung sprechen wir daher eher von dynamischer Segmentation als von einer Erosion Interner Arbeitsmärkte und einer Generalisierung von Beschäftigungsrisiken.
Klaus Dörre
Prekäre Arbeit. Unsichere Beschäftigungsverhältnisse und
ihre sozialen Folgen
Prekarität hat als Kategorie in den vergangenen Jahren Einzug in die gesellschaftlichen Diskurse gehalten, wird aber in der industrie- und arbeitssoziologischen Debatte noch unterschätzt. Der Beitrag geht von der Überlegung aus, dass die Dynamik flexibel-marktgetriebener Produktionsregime auch aus einer Prekarisierung von Erwerbsarbeit resultiert. Unsichere Arbeits- und Lebensverhältnisse werden nicht als ein Randphänomen gedeutet, das sich ausschließlich den „Outsidern“ am Arbeitsmarkt zurechnen läßt. Vielmehr schwächen Prekarisierungsprozesse die soziale Integrationskraft nachfordistischer Arbeitsgesellschaften, indem sie bis weit in ihre als gesichert geltenden Bereiche eindringen. Zu den wichtigen arbeitspolitischen Schlussfolgerungen gehören unter anderem die Schaffung eines Umfeldes, in dem die „Prekarier“ trotz schwieriger Arbeits- und Lebensbedingungen handlungsfähig werden/bleiben, wozu die Durchsetzung eines gesetzlichen Mindestlohnes ebenso zu zählen sind wie die Unterstützung von kollektiven Selbstorganisationsansätzen.
Birgit Geissler
Haushalts-Dienstleistungen als informelle Erwerbsarbeit:
neue Ungleichheit oder Ausdifferenzierung des Arbeitsmarkts?
Der Aufsatz thematisiert die wachsende Nachfrage nach Haushaltsdienstleistungen und fragt nach den Ursachen für die Dominanz informeller Erwerbsformen in diesem Bereich. Die verbreitete Antwort reflektiert auf die Lohndifferenz des informellen zum formellen Arbeitsangebot. Zur Klärung darüber hinausgehender nicht-ökonomischer Ursachen werden zunächst die Merkmale personenbezogener Dienstleistungen generell analysiert; daran anschließend erscheint die Überschreitung der Schwelle des Privaten das besondere Merkmal haushaltsbezogener Dienstleistungsarbeit zu sein, die Informalität begünstigt. Die Informalität stellt sich als ein komplexes Arrangement dar, in dem Anbieter wie Nachfrager ihre Interessen verfolgen. Zudem muss das Dienstleistungsangebot auf individualisierte Bedürfnisse zugeschnitten sein. Wegen der damit geforderten Flexibilität scheint gerade informelle Erwerbsarbeit im Haushalt der Privatheit der Lebensführung angemessen.
Werner Sengenberger
Arbeitsmarkt, Beschäftigung und Einkommen in Entwicklungsländern im Kontext wirtschaftlicher
Globalisierung
Entgegen den Verheißungen der Globalisierungstheorie ist es in den vergangenen Jahrzehnten im Weltmaßstab nicht zu einer Angleichung der Beschäftigungs- und Lebensverhältnisse gekommen. Soziale Ungleichheit ist zwischen und innerhalb der Nationalstaaten gewachsen. Lediglich die Regionen in Ost- und Südostasien konnten durch Handel und Kapitalzuflüsse hohes Wirtschaftswachstum erzielen, die Armut reduzieren und gegenüber den Industriestaaten aufholen, allerdings um den Preis verstärkter Einkommensungleichheit innerhalb der Länder. Die große Mehrzahl der Entwicklungsländer konnte sich ökonomisch wenig oder nicht verbessern. Arbeitslosigkeit, informelle und prekäre Beschäftigung, sowie Armut verblieben auf hohem Niveau oder wuchsen teilweise noch an.
Rezensionen
Martin Kuhlmann, Hans Joachim Sperling, Sonja
Balzert
Konzepte innovativer Arbeitspolitik.
Good-Practice-Beispiele aus dem Maschinenbau,
der Automobil-, Elektro- und chemischen
Industrie.
(besprochen von Dr. Thomas Haipeter, Gelsenkirchen)
Langemeyer, Ines
Kompetenzentwicklung
zwischen Selbst- und Fremdbestimmung.
Arbeitsprozessintegriertes Lernen in der
Fachinformatik.
(besprochen von Dr. Gerd Peter, Dortmund)
Steffen Lehndorff (Hg.)
Das Politische in der Arbeitspolitik.
Ansatzpunkte für eine nachhaltige
Arbeits- und Arbeitszeitgestaltung.
(besprochen von Dr. Karen Jaehrling, Gelsenkirchen)
Ingrid Kurz-Scherf, Lena Correll, Stefanie Janczyk
(Hg.)
Die Zukunft
der Arbeit und der Arbeitsforschung liegt in
ihrem Wandel.
(besprochen von Dr. Karen Jaehrling, Gelsenkirchen)
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Hauptbeiträge
Helmut Martens
Arbeitspolitische Initiativen in der IT-Branche
Ambivalenzen des dezentralen „Selbertuns“ und Herausforderungen und
Chancen einer neuen Netzwerkpolitik für die Gewerkschaften
In der aktuellen Debatte über die Restrukturierung der modernen westlichen Gesellschaften unter den Vorzeichen von Globalisierung und Standortwettbewerb überwiegt eine Betrachtung aus institutioneller Perspektive. Der vorliegende Aufsatz nimmt in dieser Lage einen überraschenden sozialen Großkonflikt, der sich vom August 2002 bis zum Februar 2004 im Werk Hoffmannstraße der Siemens AG, dem größten Werk des Konzerns in der Bundesrepublik, ereignet hat, zum Ausgangspunkt von Überlegungen, die sozialinnovative Seite solcher Konflikte näher ins Auge zu fassen. Während die sozialwissenschaftliche Debatte zur „Subjektivierung der Arbeit“ vornehmlich auf neue Formen der Selbstkontrolle und Selbststeuerung der modernen Wissensarbeiter abhebt, lässt sich hier an einem herausgehobenen Konflikt, der von solchen modernen Wissensarbeitern getragen wurde, zeigen, dass das dezentrale Selbertun, das von ihnen in ihrer alltäglichen Arbeit gefordert wird, im Spannungsfeld von fortschreitender Selbstunterwerfung unter ökonomische Zwänge oder Entfaltung von Freiheitspotenzialen ambivalent ist. Zugleich zeigt sich am Beispiel dieses Konflikts, in welcher Weise neue Formen einer Netzwerkpolitik gerade auch in arbeitspolitischen Konflikten entstehen. Sie werden zu einer Herausforderung und Chance für die Gewerkschaften als überkommene und von fortschreitender Erosion bedrohte Institutionen der Arbeit.
Thomas Höge
Mitarbeiterkapitalbeteiligungen. Zum Stand der Forschung
zu den psychologischen Effekten
Der Beitrag umreißt den aktuellen empirischen Forschungsstand zu den psychologischen Effekten von Mitarbeiterkapitalbeteiligungen. Die vorliegenden empirischen Befunde stützen die These, dass eine Beteiligung am Firmenkapital nur dann zu den häufig intendierten produktivitätsförderlichen Einstellungs- und Verhaltensänderungen führt, wenn sie mit einer spürbaren Erhöhung der Partizipationsmöglichkeiten und der Entwicklung eines Gefühls der (Mit-)Eigentümerschaft („Psychological Ownership“) verbunden ist. Bezüge zum Thema „organisationale/industrielle Demokratie“ werden hergestellt und Überlegungen zur Rolle von Mitarbeiterkapitalbeteiligungen in einer post-tayloristischen Arbeitswelt präsentiert.
Heiner Minssen
Crisis? What Crisis?1 – Zur Situation der Arbeits- und
Industriesoziologie
In der deutschen Arbeits- und Industriesoziologie ist eine Debatte über die (angeblich) krisenhafte Situation des Faches entbrannt. Dies hat seinen Grund in der impliziten oder expliziten Forderung nach einer gesellschaftstheoretischen Fundierung des Fachs. In dem Artikel wird gezeigt, dass dieser Anspruch nicht mehr angemessen ist; zudem führt er dazu, die Verdienste der Forschung nicht ausreichend zu würdigen. Stattdessen wird für eine Beschränkung auf Theorien mittlerer Reichweite plädiert. Zugleich werden Überlegungen nach dem Gegenstandsbereich der Arbeits- und Industriesoziologie angestellt. Er besteht in der Analyse der Transformation von Arbeitskraft in Arbeit. Damit behandelt die Arbeits- und Industriesoziologie ein für die Entwicklung moderner Gesellschaften nach wie vor zentrales Untersuchungsfeld.
Arne Heise
Arbeitslosigkeit und Ungleichheit in verschiedenen
Kapitalismusmodellen
Der ‘Big Trade Off’, den Arthur Okun schon vor über dreißig Jahren formulierte, ist zurück. Ökonomische Effizienz und soziale Gleichheit erscheinen unvereinbar. Oder anders: Moderne Gesellschaften müssen sich zwischen der Scylla hoher Einkommensungleichheit oder der Charybdis von Arbeitslosigkeit entscheiden. Und es sieht so aus, als ob sich die kontinentaleuropäischen Länder wie Frankreich und Deutschland für höhere Einkommensgleichheit und Arbeitslosigkeit entschieden hätten, während die liberalen Ökonomien Großbritanniens und der USA sich für größere Einkommensungleichheit und einen höheren Beschäftigungsstand entschieden hätten. In dieser Arbeit wird argumentiert, dass der Trade Off keineswegs eine angebotspolitische Notwendigkeit zur Aufrechterhaltung der Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer ist, sondern politökonomisch gedeutet werden kann als das Ergebnis von ‚Rent seeking’-Verhalten. Doch im Gegensatz zu dem bahnbrechenden Werk von Mancur Olson sind es nicht die Gewerkschaften, die eine Verteilungskoalition bilden, sondern vielmehr die Leistungselite, die mittels fehlgesteuertem Demand management eine meritokratisch-optimale Arbeitslosigkeit ansteuern, um ihre Verteilungsinteressen durchzusetzen.
Kurzbeiträge
Gerhard Bosch, Georg Worthmann
Arbeitsmobilität in der EU – Bisherige Erfahrungen
und künftige Herausforderungen
Cäcilia Innreiter-Moser, Harald Stummer
Personale Effekte der Rekrutierung von Mädchen
in technische Lehrberufe
Tagungsbericht
Melanie Roski
Arbeit und Geschlecht im Umbruch der modernen
Gesellschaft – Forschung im Dialog
Rezensionen
Sennett, Richard
Die Kultur des neuen Kapitalismus
(besprochen von Achim Trube, Siegen)
Roger Blaupain, Thomas Blanke, Edgar Rose (eds.)
Collective Bargaining and Wages in Comparative Perspektive
(besprochen von Jörg Abel, Dortmund)
Jens Aderhold, René John
Innovation. Sozialwissenschaftliche Perspektiven
(besprochen von Roland Abel, Bochum)
Christoph Butterwegge
Krise und Zukunft des Sozialstaates
(besprochen von Heinz J. Bontrup, Gelsenkirchen)
Klaus Dörre, Bernd Röttger (Hg.)
Die erschöpfte Region. Politik und
Gewerkschaften in Regionalisierungsprozessen
(besprochen von Paul Oehlke, Bonn/Köln)