Zeitschrift Arbeit, Jahrgang 2005

Heft 1 - Heft 2 - Heft 3 - Heft 4 (Themenheft "Demografischer Wandel")

Jahresinhaltsverzeichnis [1060 KB; PDF-Dokument]

Heft 1/2005

Download des gesamten Heftes mit kompletten Artikeln [249 KB; PDF-Dokument]

Marc Baumgartner, Ivars Udris
Call Center ist nicht gleich Call Center - Personalselektion und –entwicklung in einer dynamischen Branche (auch in der Schweiz)

Untersuchungen in 14 Schweizer Call Centers erbrachten vier Call Center-Typen, die sich hinsichtlich Arbeitstätigkeiten und Kommunikationsrichtung voneinander unterscheiden: (a) Beratungs- und Beschwerdemanagement, (b) Informationsmanagement, (c) Auftragsmanagement und (d) Kunden- und Kampagnenmanagement. Dies hat auch Auswirkungen auf die Personalstruktur, -selektion und -entwicklung der Call Center. Es wird der Frage nachgegangen, welche Kompetenzanforderungen in den unterschiedlichen Call Center-Typen an die Call Center AgentInnen gestellt werden, und wie sich die Rekrutierungspraktiken sowie die Personalentwicklungsmaßnahmen wie Ausbildung, Weiterbildung und Coaching unterscheiden. Ebenfalls aufgezeigt werden Perspektiven für die Zukunft der Call Center- Arbeit.

 

Swantje Himmel, Klaus Henning
Diversity-Management als Werkzeug der Kompetenzentwicklung in Betrieb und Studium

In den USA schon seit den neunziger Jahren eine erfolgreiche Personalmanagement-Strategie, findet Diversity-Management heute auch in Europa und Deutschland Einzug in international agierende Unternehmen wie beispielsweise Ford, die Deutsche Bank, Telekom usw. Neu ist die in dem vorliegenden Artikel vorgenommene Verknüpfung von Diversity-Management mit dem Themenfeld der innerbetrieblichen Kompetenzentwicklung – und daraus resultierend die Übertragung von Diversity- Management auf den Bereich der wissenschaftlichen Ausbildung.
Diversity-Management wird somit als Werkzeug zur Kompetenzentwicklung im Unternehmen wie auch im Hochschulstudium eingeführt, seine Anwendbarkeit für die Lehre wird in einer an der RWTH Aachen durchgeführten Fallstudie nachgewiesen.

 

Günther Vedder
Denkanstöße zum Diversity Management

Das Konzept Diversity Management wurde in den achtziger Jahren in den USA als Reaktion auf demographische Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt entwickelt. Inzwischen hat sich Diversity auch zu einem wichtigen Thema für Organisationen in Deutschland und anderen westlichen Ländern entwickelt. Obwohl das Konzept seit vielen Jahren angewendet wird, sind einige grundlegende Fragen offen geblieben. Dieser Beitrag analysiert und diskutiert mehrere Kernaussagen von Diversity Management.
Er wagt einen Blick hinter die verwendete Metapher und die Machtverhältnisse rund um die Anwendung des Konzepts in Organisationen. Einige Prognosen und mögliche Wirkungen von Diversity Management bleiben fragwürdig. Wissenschaftler könnten durch verstärkte Forschungsaktivitäten zur Beantwortung einiger offener Fragen des sehr interessanten Konzepts beitragen.

 

Marianne Resch, Cordula Pleiss
„Leider haben wir hierzu keine Angebote oder Forschungen und planen sie auch nicht.“ - Zum Stand der Geschlechterforschung in der Arbeits- und Organisationspsychologie

Seit über 15 Jahren wird die androzentrische Perspektive der deutschsprachigen Arbeits- und Organisationspsychologie kritisiert und gefordert, die geschlechtshierarchische Arbeitsteilung zu berücksichtigen sowie bislang vernachlässigte Themen – wie etwa die unbezahlte Arbeit –in den Blick zu nehmen.
Die Erstellung einer Expertise zum Stand der genderorientierten Arbeitsforschung in der Psychologie bot die Möglichkeit einer aktuellen Bestandsaufnahme. Umfrageergebnisse sowie Literatur- und Datenbankrecherchen zeigen, dass bislang weder hinsichtlich der Relevanz geschlechterbezogener Themen für Forschung und Lehre noch im Hinblick auf Qualitätskriterien geschlechterorientierter Forschung Konsens innerhalb der Disziplin besteht. Trotz positiver Ansätze aus jüngerer Zeit bedarf es weiterer Anstrengung, um eine geschlechtersensible Forschungsperspektive in der Arbeits- und Organisationspsychologie zu etablieren.

 

Kurzbeiträge

Helmut Martens
Haben die Gewerkschaften noch eine Zukunft? - Modellprojekte in der New Economy. Organisationsentwicklung und die Herausforderungen zu einer neuen Politik der Arbeit

 

Rezensionen

Christiane Färber, Klaus Kock, Frank Mussmann, Irmtraud Schlosser (Hg.)
Kooperation Wissenschaft Arbeitswelt – Geschichte, Theorie und Praxis von Kooperationsstellen.
(besprochen von Michael Jonas, Wien)

Christoph Hubig, Johannes Reidel (Hg.)
Ethische Ingenieurverantwortung. - Handlungsspielräume und Perspektiven der Kodifizierung
(besprochen von Alexander Wittkowsky, Frankfurt)

Olaf Katenkamp, Ralf Kopp, Antonius Schröder (Hg.)
Praxishandbuch: Empirische Sozialforschung
(besprochen von Uwe Wilkesmann, Bochum)

 

Seitenanfang


Heft 2/2005

Download des gesamten Heftes mit kompletten Artikeln [381 KB; PDF-Dokument]

Beatrice Hungerland, Manfred Liebel, Anja Liesecke, Anne Wihstutz
Bedeutungen der Arbeit von Kindern in Deutschland - Wege zu partizipativer Autonomie?

Der Beitrag widmet sich den Erfahrungen und Selbstdeutungen arbeitender Kinder im Alter von 9-15 Jahren in einer deutschen Großstadt. Der qualitativen Untersuchung liegt ein offener Arbeitsbegriff zugrunde, der bezahlte und unbezahlte Arbeit umfasst. Den Kindern ist vor allem wichtig, bei der Arbeit selbstständig handeln zu können und Anerkennung zu finden. Eine bevorzugte, wenn auch nicht ausschließliche Form der Anerkennung sehen sie in der angemessenen Bezahlung. Die eigene Arbeit wird von den Kindern umso ernster genommen, je eher sie erlaubt, die eigenen Kompetenzen einzubringen, je deutlicher ihr konkreter Nutzen für andere ist, und je mehr sie von den Erwachsenen im sozialen Umfeld gewürdigt wird. Sie wird nicht in Konkurrenz zur Schule gesehen, sondern als zusätzliche Möglichkeit, neue Erfahrungen zu machen und den eigenen Handlungsraum zu erweitern.
Die eigene Arbeitserfahrung kann zu einem wichtigen Baustein der partizipativen Autonomie der Kinder werden und dazu beitragen, ihren sozialen Status zu stärken und ihre aktive Mitwirkung in der Gesellschaft zu fördern.

 

Richard Croucher
Die Einführung des britischen Mindestlohns: Ursprünge, Umsetzung und Wirkungen

Dieser Artikel diskutiert, auch Bezug nehmend auf die aktuelle Diskussion in der Bundesrepublik, die Ursprünge, die Umsetzung und die Wirkungen der Einführung eines nationalen Mindestlohns in Großbritannien. Der britische Mindestlohn entfaltet seine Wirkung besonders im Bereich gewerkschaftlich nicht organisierter Arbeit von Frauen und Migranten. Das Gesetzgebungsverfahren war von einer lebhaften, öffentlichen Diskussion um die zu erwartende Beschäftigungswirkung des Mindestlohns begleitet. Diese Diskussionen sind zwischenzeitlich abgeebbt; die von der neo-klassischen Wirtschaftswissenschaft prognostizierten negativen Auswirkungen auf die Beschäftigung sind ausgeblieben.
Andere Ökonomen haben behauptet, dass die Wirkungen des Mindestlohns auf die Situation des Beschäftigten im Niedriglohnsektor minimal seien. Im Lichte neuerer empirischer Daten erscheint eine solche Einschätzung als verkürzt. Zwar werden die gesetzlichen Regelungen zum Mindestlohn nicht ausreichend publiziert und sind folglich nur unzureichend im öffentlichen Bewusstein präsent. Die vom Gesetz vorgesehen Erzwingungsmechanismen sind ebenfalls nicht völlig ausreichend. Trotzdem hat der Mindestlohn mehr als jene minimale Wirkungen entfaltet, die Kritiker ihm zugeschrieben haben.

 

Andreas Bergknapp, Heinz Jiranek
Beobachtungen der Beobachtungen - Ein systemtheoretisches Beratungsdesign

Aus einer systemischen Perspektive sind Konflikte das Ergebnis unterschiedlicher Beobachtungen (Wirklichkeitskonstruktionen). Bekommt ein Berater den Auftrag zur Konfliktlösung, dann beobachtet er diese Beobachtungen mit dem Ziel, die festgefahrenen Wirklichkeitskonstruktionen aufzuweichen und blinde Flecke aufzuspüren. Möglich wird dies, weil Berater als Beobachter mit anderen Unterscheidungen operieren. Aber auch Berater haben blinde Flecke, die nur ein anderer Beobachter beobachten kann. Die systemtheoretische Beobachtungslogik wird im Aufsatz auf einen Beratungsfall angewendet, indem die Kombination zweier Beobachtungsebenen (durch zwei Berater) genutzt wird. Der beobachtete Konfliktprozess und die daraus resultierenden Interventionen werden systemtheoretisch begründet und interpretiert durch das Wechselspiel von systemischer Praxis und Theorie.

 

Bernd Kriegesmann, Friedrich Kerka, Markus G. Schwering, Frank Striewe
Bedingungen betrieblicher Innovationsprozesse - Ein kritischer Blick auf das Konzept der Lernenden Organisation

Überlegungen zum Managementkonzept der Lernenden Organisation nehmen seit Jahren einen breiten Raum in Wissenschaft und Praxis ein. Dabei avancierte das Konzept zum Hoffnungsträger für die Steigerung der Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Mittlerweile weist eine Reihe von Befunden darauf hin, dass es bei der Umsetzung der theoretischen Überlegungen in die Praxis zu großen Schwierigkeiten kommt. Während von wissenschaftlicher Seite häufig die Praktiker für Umsetzungsprobleme verantwortlich gemacht werden, deutet einiges auf fundamentalere Mängel im Konzept der Lernenden Organisation hin. In dem angefügten Beitrag werden zwei zentrale Missverständnisse herausgearbeitet.

 

Kerstin Wüstner
Burnout bei Arbeitslosen

Die Forschung um Folgen der Arbeitslosigkeit hat lange Tradition, spätestens seit der klassischen Marienthal-Studie von Jahoda und Mitarbeitern (1933/1975). Bei dieser – wie bei nachfolgenden – Studien galt das Interesse dem Erleben bzw. den Folgen von Arbeitslosigkeit, wobei teilweise unterschiedliche Konstrukte in den Blick genommen wurden. Vergleichsweise kurz kommt hierbei die Diskussion der Möglichkeit, inwiefern Arbeitslosigkeit auch Burnout, das in erster Linie im Kontext von Erwerbstätigkeit erforscht wurde, hervorrufen kann. Diese Fragestellung ist Zentrum dieses Beitrags. Sie wird sowohl aus theoretischer Perspektive als auch unter Bezugnahme auf empirische Daten beleuchtet.

 

Kurzbeiträge

Holger Bargmann, Giselind Roßmann
Komplexe Reformen – naive Fehler. Zur Archäologie von Gruppenarbeit

 

Tagungsbericht

„In Arbeit: Zukunft. Die Zukunft der Arbeit und der Arbeitsforschung liegt in ihrem Wandel“
(Karen Jaehrling, Gelsenkirchen)

 

Rezensionen

Paul Oehlke
Arbeitspolitik zwischen Tradition und Innovation. Studien in humanisierungspolitischer Perspektive
(besprochen von Gerd Peter, Dortmund)

Astrid Segert, Irene Zierke
Ländliche Netzwerke. Institutionalisierungsprozesse und Milieuformationen
(besprochen von Martin Brussig, Gelsenkirchen)

Hilde Wagner, Armin Schild (Hg.)
Der Flächentarifvertrag unter Druck. - Die Folgen von Verbetrieblichung und Vermarktlichung
(besprochen von Helmut Martens, Dortmund)

Martin Birke, Michael Schwarz, Markus Göbel
Beratungsthema Unternehmensnachhaltigkeit. - Künftige Herausforderungen für Umweltmanagement und Öko-Consulting
(beprochen von André Martinuzzi, Wien)

 

Seitenanfang

Heft 3/2005

Download des gesamten Heftes mit kompletten Artikeln [631 KB; PDF-Dokument]

Kerstin Jürgens
Perspektiverweiterung statt Kriseninszenierung.
Ein Beitrag zum Diskurs über die Zukunft der Arbeits- und Industriesoziologie

Während sich die empirische Forschung durch den rasanten Wandel von Arbeit herausgefordert sieht, beschwören Beiträge in Fachzeitschriften „Krise“ und „Elend“ der Arbeits- und Industriesoziologie herauf. Der Beitrag zeigt auf, dass es sich hierbei überwiegend um dramaturgische Inszenierungen handelt, und bilanziert zentrale Argumente des Diskurses. In der Teildisziplin scheint man sich einig, den Gegenstandsbereich angesichts eines Strukturwandels von Arbeit ausweiten zu müssen. Daraus werden jedoch höchst unterschiedliche Schlussfolgerungen gezogen: Betonen die einen Kritikpotential und gesellschaftstheoretischen Anspruch der Arbeits- und Industriesoziologie, gilt anderen gerade der Abschied von diesen Traditionen als Voraussetzung für ihre „Rettung“. Dabei wird deutlich, dass beiden Positionen ein verkürzter Arbeitsbegriff zugrunde liegt. Eine Perspektiverweiterung auf Arbeit außerhalb der Erwerbssphäre erweist sich jedoch nicht nur aufgrund veränderter Arbeitsorganisation als geboten, sondern vermag auch Diagnosestärke und Kritikpotential der Arbeits- und Industriesoziologie nachhaltig zu stärken

 

Ingo Bode
Von Bürokraten zu Managern?
Identitätsmanagement im Organisationswandel von Krankenkassen

Gesetzliche Krankenkassen sind administrative Schaltstellen eines sich dynamisch entwickelnden Gesundheitswesens. Im Zuge veränderter sozialpolitischer Steuerungen wandelt sich das Verhältnis zwischen den Kassen und ihren Umwelten. Wesentlich erscheint dabei die Aufwertung betriebswirtschaftlichen Denkens. Dadurch sind die Akteure gefordert, sich auf das organisationale Handeln einen neuen ‚Reim zu machen’. Der Beitrag untersucht, welche neue Subjektivität organisationalen Handelns bei Führungskräften der Kassen entsteht. Die Analyse richtet sich auf Handlungskonzepte von mittleren Führungskräften und begreift diese als Ergebnis einer sinnhaften Auseinandersetzung mit dem multiplen Identitätshaushalt ihrer Organisation. Argumentiert wird, dass sich erst aus dem Identitätsmanagement der Funktionäre die Korridore für einen konstruktiven Umgang mit den umweltinduzierten Herausforderungen ergeben. Anders gewendet: Der effektive Umbau des Kassensystems hängt zumindest teilweise von der Art und Weise ab, wie dessen Funktionäre den Wandlungsprozess kreativ interpretieren.

 

Ingo Winkler
Intentionen und Problemlagen der Nutzung atypischer Beschäftigung im ostdeutschen Mittelstand

Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit der Nutzung atypischer Beschäftigung im ostdeutschen Mittelstand. Basierend auf den Ergebnissen einer explorativen Fragebogenuntersuchung werden zunächst die Nutzungsformen und die Nutzungsintensität von Leiharbeit, geringfügiger Beschäftigung, Teilzeitarbeit sowie Telearbeit untersucht. Hierbei lassen die Ergebnisse den Rückschluss zu, dass sich atypische Beschäftigungsformen in ostdeutschen KMU etabliert haben. Daran anschließend werden die Zielvorstellungen der Geschäftsleitungen dargestellt, die die Nutzung atypischer Beschäftigung leiten.
Diese sind vorwiegend ökonomischer Natur. Hierbei wird auch die Wahrnehmung der Zielerreichung analysiert. Weiterhin wird auf Probleme fokussiert, die mit der Nutzung atypischer Beschäftigung in den untersuchten KMU auftreten. Dabei werden Antworten von Geschäftsleitungen und Arbeitnehmervertretern verglichen und Unterschiede herausgestellt. Es zeigt sich, dass Arbeitnehmervertreter mehr und zum Teil auch andere Probleme hervorheben als die Geschäftsleitungen.

 

Cornelia Heintze
Das skandinavische Erfolgsmodell und sein kulturelles Fundament – eine Annäherung

Die skandinavischen Länder kombinieren die weltweit höchsten Staatsquoten und effektiven Steuerbelastungen mit Spitzenwerten bei allen wichtigen Themen von Beschäftigung, Bildung, soliden Staatsfinanzen und ökonomischer Wettbewerbsfähigkeit bis zu Geschlechterdemokratie, Volksgesundheit und Umweltverträglichkeit. Sie bewegen sich damit entlang der Kriterien von ökonomischer, sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit auf einem vergleichsweise gut ausbalancierten Entwicklungspfad. Der Beitrag argumentiert, dass die erstaunliche Vitalität des skandinavischen Wohlfahrtsstaates nur mit Blick auf sein kulturelles Fundament und die darin angelegten Regulationsmechanismen verstanden werden kann. Die Verbindung von Individualismus, dominant femininer Werteorientierung und geringer Machtdistanz bei gleichzeitig geringer Unsicherheitsvermeidung und einer eher langfristigen Orientierung liefert die Antriebsmomente und Denkraster für ein Gesellschafts“spiel“, bei dem andere Regeln herrschen als im angelsächsischen Raum oder in Deutschland. Die Regeln des Entweder-Oder, entweder mehr Jobs oder mehr Armut, entweder hohe soziale Absicherung oder hohe Innovationsdynamik finden sich aufgelöst in Komplementärbeziehungen. Sie prägen das Denken, die Werteorientierungen und die Rolle, die einem fest in der Gesellschaft verankerten Wohlfahrtsstaat zugeschrieben werden.

 

Kurzbeiträge

Uwe Hasenbein, Axel Schulze, Bernd Frank, Claus-Werner Wallesch
Bewertung von Beruf und Arbeit durch neurologisch tätige Ärzte in der Umstellungsphase der Krankenhausfinanzierung

 

Rezensionen

Sabine Pfeiffer
Arbeitsvermögen. Ein Schlüssel zur Analyse (reflexiver) Informatisierung
(besprochen von Peter Brödner, Karlsruhe)

Herbert Klemisch
Umweltmanagement und ökologische Produktpolitik. Partizipation betrieblicher und gesellschaftlicher Akteure an Ökologisierungsprozessen in Unternehmen und Branchen
(besprochen von Guido Lauen, Wuppertal)

Ulrich Schenck
Flexibilisierung betrieblicher Arbeitsmärkte. Fallstudien strategischer Nutzen der Zeitarbeit
(besprochen von Hartmut Neuendorff, Dortmund)

Manfred Moldaschl
Immaterielle Ressourcen. Nachhaltigkeit von Unternehmensführung und Arbeit I
(besprochen von Guido Becke, Bremen)

 

Seitenanfang


Heft 4/2005
Schwerpunktheft zum Thema "Demografischer Wandel und Arbeit"

Download des gesamten Heftes mit kompletten Artikeln [486 KB; PDF-Dokument]

Mit dem Flyer können Sie einen ersten Überblick über die aktuelle Ausgabe gewinnen und mit dem Bestellformular Exemplare ordern.

 

Johann Fuchs
Tickt sie, die demografische Zeitbombe? Aktuelle Daten und Fakten zu den Auswirkungen des demografischen Wandels auf Arbeitskräfteangebot und -nachfrage

Die bekannten demografischen Trends hinterlassen beim Arbeitskräfteangebot deutliche Spuren: Während in den kommenden 10 bis 15 Jahren noch mit einem nur leicht rückläufigen Arbeitskräftepotenzial zu rechnen ist, nimmt es danach derart ab, dass weder eine höhere Erwerbstätigkeit von Frauen oder Älteren noch Zuwanderung im „normalen“ Umfang diesen Trend kompensieren können. Vor allem werden künftig jüngere Arbeitskräfte fehlen. Auch die Arbeitskräftenachfrage wird von Bevölkerungsrückgang und Alterung berührt, die Effekte sind jedoch vergleichsweise unsicher und werden durch andere Faktoren, z.B.
Globalisierung, weitgehend überlagert. Relativ sicher dürfte sein, dass sich die Struktur der Arbeitskräftenachfrage im Kontext einer sich wandelnden Wirtschaftsstruktur ändern wird. Alles in allem werden beide Marktseiten künftig näher beisammen liegen, aber gleichzeitig nehmen die strukturellen Probleme zu, die sich aufgrund der widersprechenden Tendenzen von Anforderungen und angebotenen Qualifikationen ergeben.

 

Gerhard Bosch, Sebastian Schief
Die Beschäftigung Älterer in Europa zwischen Vorruhestand und „Work-Line“

Die Europäische Union hat sich hinsichtlich der Beschäftigung Älterer ehrgeizige Ziele gesetzt. Im März 2001 legte der Europäische Rat in Stockholm fest, dass bis 2010 mindestens die Hälfte der EUBevölkerung im Alter von 55 bis 64 Jahren in Beschäftigung sein soll. Der vorliegende Artikel untersucht mit Daten der Europäischen Arbeitskräftestichprobe 2004 die Partizipation am Arbeitsmarkt älterer Beschäftigter. Gegenwärtig erreichen nur 5 der 15 alten EU Länder bereits eine Beschäftigungsquote der 55 bis 64-Jährigen über 50%. Es wird gezeigt, dass Länder, die der Politik der „Work Line“, also der Aktivierung von Personen im Erwerbsalter, folgen (z.B. Dänemark, Schweden), deutlich höhere Beschäftigungsquoten aufweisen als jene, die eine Vorruhestandspolitik (z.B. Deutschland, Frankreich) betrieben haben. Der Vergleich zwischen Work-Line-Ländern und Vorruhestandsländern verweist auf sechs Problembündel, deren Bewältigung zentral für die Erhöhung der Beschäftigungsquote Älterer ist (Gleichstellungsproblem, Humanisierungsproblem, Qualifikationsproblem, Flexibilitätsproblem, Motivationsproblem, Wachstumsproblem). Eine rein altersspezifische Politik wird diese Konflikte nicht auflösen können.

 

Martina Morschhäuser
Berufsbegleitende Weiterbildung und Personalentwicklungsplanung: Zukunftsaufgabe für Betriebe, Beschäftigte und Gesellschaft

Mit der Qualifikation und Weiterbildungsbeteiligung älterer Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen ist es – durchschnittlich betrachtet – keineswegs schlecht bestellt. Alternskritisch sind allerdings bestimmte Erwerbsverlaufsmuster, die Risiken der Dequalifizierung und der beruflichen Stagnation bergen. Darauf bezogene gezielte alternsadäquate Interventionen sind geboten, um den demografischen Wandel in der Arbeitswelt produktiv zu gestalten. Entsprechende Beispiele guter Praxis, denen bislang Seltenheitswert zukommt, verdeutlichen, dass Maßnahmen beruflicher Weiterbildung erst dann wirksam werden, wenn sie mit einer lern- und entwicklungsförderlichen Gestaltung von Arbeit und einem entsprechenden Personaleinsatz einhergehen. Eine breitere Umsetzung entsprechender umfassender Qualifizierungsstrategien ist an eine langfristig ausgerichtete betriebliche Personalpolitik, aber auch an staatliche Unterstützungsangebote gebunden.

 

Eva Kocher
Das europäische Recht zur Altersdiskriminierung – Konsequenzen für das deutsche Arbeitsrecht

Mit einem erweiterten, menschenrechtlich begründeten Antidiskriminierungsrecht wird der Ausschluss älterer ArbeitnehmerInnen aus dem Erwerbsleben auch rechtlich problematisch. Das künftig für das deutsche Arbeitsrecht geltende Verbot der Altersdiskriminierung verlangt, dass jede Anknüpfung arbeitsrechtlicher Regelungen an das Alter sachlich begründet sein muss. Damit unterstützt das Diskriminierungsverbot den „Paradigmenwechsel“ vom Leitbild des lebenslang unbefristet bei einem einzigen Arbeitgeber beschäftigten Vollzeit-Arbeitnehmers zum Leitbild des/der zeitlich und örtlich flexiblen Beschäftigten. Eine ganze Reihe von Regelungsmustern, die bisher im deutschen Arbeitsrecht selbstverständlich waren, wird künftig nicht mehr zu halten sein. So kann einerseits Alter nicht mehr generell als Indiz für schwindende Leistungsfähigkeit und geringere Flexibilität verwendet werden; andererseits werden sich Senioritätsrechte nur noch in bestimmten Fällen mit Qualifikationssteigerungen begründen lassen. Aber auch jede Entschärfung der Konkurrenz um knappe Arbeitsplätze zu Gunsten jüngerer Generationen ist künftig diskriminierungsrechtlich problematisch, wenn sie mit formalen Altersgrenzen oder dem allgemein formulierten Ziel der Schaffung einer bestimmten Altersstruktur arbeitet.

 

Jürgen Strauß
Generationengerechtigkeit im Betrieb – Erweiterte Forschungsperspektiven und Betriebsratspolitik

Anwendungsorientierte Forschung im Themenfeld „Demografischer Wandel und Arbeit“ hat zurzeit Konjunktur. Gleichzeitig wird ein Auseinanderklaffen von reichhaltigen Forschungsergebnissen und noch recht spärlichen betrieblichen Aktivitäten zur Bewältigung alternder Belegschaften beklagt. Der vorliegende Beitrag vertritt die These, dass dieses Missverhältnis auch auf Defizite der Forschung zurückzuführen ist. Solche Defizite bestehen insbesondere in der Vernachlässigung mikropolitischer Dimensionen von Betrieben, in einer weitgehenden Ausblendung von sozialmoralischen Standards, die sich auf „Alte“ und „Junge“ in Betrieben beziehen und in einer Ausblendung des Wandels dieser Normen und Werte. Diese These wird am Beispiel von Betriebsräten als betriebspolitischen Akteuren und deren Gerechtigkeitsvorstellungen im Hinblick auf unterschiedliche Generationen im Betrieb entfaltet. Dabei erweist sich, dass ein entsprechendes Forschungsdesign bisher weitgehend separierte Forschungslinien wie Generationenforschung, empirische Gerechtigkeitsforschung und Forschung zu industriellen Beziehungen verzahnen muss.

 

Gerhard Naegele, Andreas Reichert
Demografischer Wandel und demografisches Altern im Ruhrgebiet: Probleme, Chancen und Perspektiven

Demografische Entwicklungen haben insbesondere kleinräumige Effekte. Hierauf haben sich die Kommunen, aber auch die wirtschaftlich Handelnden einzustellen. Diese Einsicht nimmt der Beitrag zum Anlass, um am Beispiel des Ruhrgebiets die zu erwartenden demografischen und sozialstrukturellen Veränderungen darzustellen und die Konsequenzen für den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft herauszuarbeiten. Besonders betont werden dabei die Chancen und Potenziale des demografischen Wandels. Dargestellt wird dies insbesondere anhand eines inzwischen abgeschlossenen Forschungsprojekts, welches sich zum Ziel gesetzt hat, gemeinsam mit den Wirtschaftsakteuren vor Ort neue demografiesensible Geschäftsfelder im Bereich Wellness/Gesundheit, Informationstechnologie, Finanzdienstleistungen und vor allem Wohnen zu erschließen.

 

Kurzbeiträge

Arno Georg
Alter(n)sgerechte Arbeitsgestaltung im Handwerk

Thomas Mühlbradt, Jürgen Grumbach
Arbeit und Innovation im demografischen Wandel

 

Rezensionen

Matthias Herfurth, Martin Kohli, Klaus F. Zimmermann (Hg.)
Arbeit in einer alternden Gesellschaft - Problembereiche und Entwicklungstendenzen der Erwerbsbeteiligung Älterer.
(besprochen von Ulrich Grüneberg, Dortmund)

Martina Morschhäuser, Peter Ochs, Achim Huber
Erfolgreich mit älteren Arbeitnehmern - Strategien und Beispiele für die betriebliche Praxis
(besprochen von Ulrich Grüneberg, Dortmund)

Sibylle Adenauer u. a.
Demografische Analyse und Strategieentwicklung in Unternehmen
(besprochen von Ulrich Grüneberg, Dortmund)

Julia Lepperhoff, Ayla Satilmis, Alexandra Scheele (Hg.)
Made in Europe. Geschlechterpolitische Beiträge zur Qualität von Arbeit
(besprochen von Ute Klammer, Mönchengladbach)

Seitenanfang