Zeitschrift Arbeit, Jahrgang 2004

Heft 1 - Heft 2 - Heft 3 (INQA-Sonderheft) - Heft 4

Jahresinhaltsverzeichnis [1470 KB; PDF-Dokument]

Heft 1/2004

Michael Ertel, Ulrich Pröll:
Arbeitssituation und Gesundheit von „neuen Selbstständigen“ im Dienstleistungssektor

Formen selbstständiger Erwerbstätigkeit ohne Arbeitnehmer breiten sich mit beachtlicher Dynamik aus, – insbesondere auf den expandierenden Märkten der Wissens- und Kulturdienstleistungen. “Neue Selbstständigkeit” verkörpert in idealtypischer Weise die Ambivalenz “arbeitskraftunternehmerischer” Existenz, weil nahezu alle Erwerbs- und Lebensbereiche durch die Spannung zwischen erweiterten Freiheitsgraden der Lebensführung und verschärften Zumutungen der Selbstorganisation und Selbstvorsorge gekennzeichnet sind.
Der Beitrag fokussiert auf der Grundlage (z.T. eigener) empirischer Befunde auf die gesundheitlichen Implikationen dieser Erwerbsform. Deutlich wird, dass Selbstbeschäftigung i.d.R. mit hohen Anforderungen und Belastungen verknüpft ist, deren Bewältigung ein entwickeltes System personaler, sozialer und institutioneller Ressourcen voraussetzt. Für Teilpopulationen sind gesundheitskritische Konstellationen mit entsprechenden Frühindikatoren schon jetzt nachweisbar, für Weitere muss ein problematischer, intensitätsgesteuerter Ressourcenzugriff vermutet werden, dessen gesundheitliche Folgen sich mittel- und langfristig zeigen dürften. Vor diesem Hintergrund werden spezifische Präventionsmöglichkeiten auf verschiedenen Ebenen gesellschaftlichen Ressourcenmanagements vorgeschlagen.

Albert Martin, Magdalena Hertkorn:
Das Selbstverständnis Freier Journalist/inn/en und seine Auswirkungen auf die Arbeitsbeziehung zum Auftraggeber

Was immer ein Arbeitsverhältnis sonst sein mag, es ist auf jeden Fall und nicht zuletzt eine soziale „Beziehung“. Dies gilt für alle Arbeitsverhältnisse, also für das so genannte Normalarbeitsverhältnis, aber auch für alternative Formen wie beispielsweise die Leiharbeit und das Verhältnis zwischen einem selbstständig tätigen Arbeitsanbieter und seinem Auftraggeber. Der vorliegende Beitrag untersucht am Beispiel der Freien Journalist/inn/en, in welcher Weise die Qualität der Arbeitsbeziehungen von den grundlegenden Merkmalen einer Sozialbeziehung bestimmt wird. Besonders abgehoben wird dabei auf das Selbstverständnis der Journalist/inn/en. Mit Hilfe einer empirischen Studie wird geprüft, inwieweit das spezifische journalistische Selbstverständnis in der Lage ist, dem Arbeitsverhältnis Freier Journalist/inn/en eine positive Grundnote zu geben. Dabei stellt sich heraus, dass die Bedeutung dieses „intrinsischen“ Faktors für die Qualität der Arbeitsbeziehung durchaus beschränkt ist. Als wesentlich bedeutsamer erweist sich die monetäre, also die „extrinsische“ Seite der Arbeitsbeziehung.

Borris Orlikowski, Guido Hertel, Udo Konradt:
Führung und Erfolg in virtuellen Teams. Eine empirische Studie

Angesichts steigender Globalisierungstendenzen finden sich immer häufiger „virtuelle“ Teams in Unternehmen, in denen Teammitglieder unter Rückgriff auf moderne Kommunikationsmedien von unterschiedlichen Standorten aus kooperieren um die Teamziele zu erreichen. Bisher gibt es noch kein theoretisch und empirisch fundiertes Konzept zur Führung von Mitarbeitern in virtuellen Teams. Aus diesem Grunde wurden 31 virtuelle Teams im Rahmen einer Querschnittstudie untersucht. Auf Basis eines sozialpsychologischen Modells wurden Schwerpunkte für das Management virtueller Teams abgeleitet und unterschiedlichen Erfolgsmaßen gegenübergestellt. Die Befunde verdeutlichen, dass Führung in virtuellen Teams erforderlich ist. Ferner ist erkennbar, dass in erfolgreichen virtuellen Teams keine grundsätzlich neuen Wege gegangen werden müssen, sondern dass zumindest teilweise auf bekannte Führungsstrategien, wie z.B. dem Management by Objectives, zurückgegriffen werden kann.

Gudela Grote, Sylvia Manchen Spörri, Lille Springall:
Telemanagement: Notwendigkeit für ein komplexes Verhaltensrepertoire

Anforderungen an die Führung virtueller Teams und die Effekte von Führungs- und Kommunikationsverhalten auf Teamleistung und soziale Prozesse im Team wurden in mündlichen und schriftlichen Befragungen von 29 Führungskräften sowie schriftlicher Befragung ihrer verteilt arbeitenden Teams (N=134) erfasst. Es zeigte sich, dass sowohl moderne Führungskonzepte wie Empowering Leadership als auch traditionelle Ansätze wie die direktive Führung in den mentalen Modellen der Führungskräfte nebeneinander existieren und selten als widersprüchlich erkannt werden. Anliegen vieler Führungskräfte ist es, situationsangemessen auf verschiedene Führungsstile zurückgreifen zu können. Vor allem in stark verteilten Teams scheint dies eine erfolgversprechende Strategie zu sein. Differenzen in der Wahrnehmung sozialer Prozesse zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden stehen in negativem Zusammenhang zur Leistung, was die Bedeutsamkeit gemeinsamer mentaler Modelle der Team- und Führungssituation aufzeigt. Von den Führungskräften wurde ein breites Spektrum an Medien situations- und aufgabenangemessen eingesetzt. Es fand sich auch ein positiver Zusammenhang zwischen dem Virtualitätsgrad der Teams und der Kommunikationsqualität.

Michael Frey:
Ist der „Arbeitskraftunternehmer“ weiblich?
„Subjektivierte“ Erwerbsorientierungen von Frauen in Prozessen betrieblicher Diskontinuität

Der Artikel nimmt Bezug auf neueste empirische Befunde zur “Arbeitskraftunternehmer”-These, die vor allen bei gut qualifizierten Frauen entsprechende Erwerbsorientierungen feststellen. Vor dem Hintergrund aktueller betrieblicher Reorganisationsprozesse wird dieses Ergebnis diskutiert und nach seinen möglichen Ursachen befragt. Dabei wird Bezug genommen auf eigene Befunde zu Erwerbsorientierungen von Frauen in betrieblichen Transformationsprozessen. Deutlich wird die in erster Linie strukturelle Rahmung dieser sehr ähnlichen Erwerborientierungen. Dies wird mit der aktuellen Diskussion um “Subjektivierung von Arbeit” in Verbindung gesetzt. Gefragt wird nach dem Zusammenhang mit dem Geschlechterverhältnis sowie nach Implikationen hinsichtlich sozialer Ungleichheit. Im Ergebnis wird zum einen deutlich, dass äußerlich ähnliche Erwerbsorientierungen sehr unterschiedliche gesellschaftliche Voraussetzungen haben können, die sich besonders auf die Gestaltung des Zusammenhangs von Arbeit und Leben beziehen. Zum anderen deutet sich eine zunehmende Polarisierung von Frauen entlang von Qualifikation und Lebensform an, die letztlich auch vor Männern nicht halt machen muss.

Abstracts (English)

Kurzbeiträge

Thomas Steger:
Auf dem Weg zur „schönen neuen Betriebswelt“? Personalabbauprozesse in Ostdeutschland aus Führungskräfte-Sicht

Tagungsbericht

Rasender Stillstand? Die deutsche Innovationsschwäche und die Aufgaben der Innovationsforschung im politischen Prozess
(Hans-Jürgen Weißbach, Frankfurt am Main)

Rezensionen

Susanne A. Dreas:
Private Arbeitsvermittlungsagenturen zur Reintegration von Langzeitarbeitslosen. Eine organisationssoziologische Analyse
(besprochen von Tanja Klenk, Hamburg)

Franz Egle, Walter Bens:
Talentmarketing: Strategien für Job-Search und Selbstvermarktung
(besprochen von Andreas Stützer, Bayreuth)

Helmut Martens, Gerd Peter, Frieder O. Wolf (Hg.):
Zwischen Selbstbestimmung und Selbstausbeutung. Gesellschaftlicher Umbruch und neue Arbeit
(besprochen von Thomas Heinrichs, Berlin)

Erhard Tietel:
Emotion und Anerkennung in Organisationen. Wege zu einer triangulären Organisationskultur
(besprochen von Wilhelm Eberwein, Bremen)

Helmut Brentel, Herbert Klemisch, Holger Rohn (Hg.):
Lernendes Unternehmen. Konzepte und Instrumente für eine zukunftsfähige Unternehmens- und Organisationsentwicklung
(besprochen von Stefan Meier, Dortmund)

Peter Brückner-Bozetti, Simone Schweizer (Hg.):
Krankenhausmanagement und Arbeitnehmerstrategie. Ein Projekt der Gewerkschaft ÖTV und des Gesamtpersonalrates des Landesbetriebs Krankenhäuser Hamburg zur Unternehmens- und Beschäftigungssicherung
(besprochen von Christa Hermann, München)

Wilfried Glißmann, Klaus Peters:
Mehr Druck durch mehr Freiheit. Die neue Autonomie der Arbeit in ihren paradoxen Formen
(besprochen von Eckart Pankoke, Essen)

Claus J. Tully:
Mensch – Maschine – Megabyte. Technik in der Alltagskultur. Eine sozialwissenschaftliche Hinführung
(besprochen von Erika Spieß, Eichstätt)

 

Seitenanfang


Heft 2/2004

Ulla Hendrix, Günther Wachtler:
Grenzen überschreitende Unternehmensrationalisierung und ihre Auswirkungen auf Beschäftigungsverhältnisse – dargestellt am Beispiel des Outsourcing

Outsourcing als Teilprozess umfassender betrieblicher Rationalisierungskonzepte ist von sozialwissenschaftlicher Seite bislang wenig erforscht. Die Ergebnisse einer repräsentativ angelegten Betriebsbefragung zeigen, dass Outsourcing als organisationales „Grenzmanagement“ weit reichende Entstandardisierungen und Flexibilisierungen in der Nutzung von Arbeitskraft bewirkt. Dies äußert sich in der vergleichsweise häufigeren Anwendung atypischer Beschäftigungsverhältnisse, einer größeren Dynamik im Personalbestand und einer tendenziellen Entgrenzung von Arbeitszeiten und Arbeitsorten in den Betrieben, die an Outsourcing-Prozessen beteiligt sind. Durch die systematische Neugestaltung von Organisationsgrenzen im Zuge von Outsourcing werden der Betrieb als dauerhafter Ort der Erbringung von Arbeitsleistung, der unbefristete Arbeitsvertrag und die Geltung von Flächentarifverträgen als institutionelle Grundlagen von Arbeit in Frage gestellt. So kommt es auf der einen Seite zur Herauslösung von einfachen, gering qualifizierten Tätigkeiten mit prekären Arbeitsbedingungen und unsicheren Zukunftsaussichten. Auf der anderen Seite werden anspruchsvolle Herstellungsprozesse und hoch qualifizierte Dienstleistungen ausgelagert, was auch für Beschäftigte neue Chancen eröffnet. Outsourcing wird dabei erkennbar als Bestandteil einer marktgetriebenen Modernisierungsstrategie, die eine segmentierende und polarisierende Wirkung entfaltet.

Martin Brussig:
Was geschieht nach einer Neueinstellung? Determinanten der Einarbeitung aus ressourcenorientierter und institutionalistischer Perspektive

Einarbeitung ist eine Form der Kompetenzentwicklung, bei der neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den fachlichen und kulturellen Besonderheiten des Betriebes vertraut gemacht werden. Der Beitrag untersucht auf der Grundlage einer Betriebsbefragung die Häufigkeit von Einarbeitung nach einer Neueinstellung sowie typische Lernformen und diskutiert Einflussfaktoren auf den Einarbeitsprozess aus ressourcenorientierter und institutionalistischer Sicht. Die Ergebnisse zeigen, dass Ausbildung und Einarbeitung nur sehr begrenzt gegeneinander austauschbar sind. Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass aus theoretischer Sicht eine Kombination der ressourcenorientierten und institutionalistischen Perspektive anzustreben ist.

 

Werner Schmidt:
Industrielle Beziehungen, Entgelt und Arbeitszeit. Drei Branchen im deutsch-britischen Vergleich

Die beiden Länder Deutschland und Großbritannien und die drei Branchen Druckindustrie, Metall- und Elektroindustrie sowie Einzelhandel vergleichend, fragt der Beitrag nach dem Einfluss der industriellen Beziehungen auf die Entgelt- und Arbeitszeitbestimmung. Nationale Differenzen der industriellen Beziehungen können die Unterschiede und Übereinstimmungen der Entgelt- und Arbeitszeitentwicklungen zwischen beiden Ländern nur zum Teil erklären. Insbesondere stärkere Entgeltzuwächse in Großbritannien sind dadurch kaum zu erklären. Es existieren sowohl nationale als auch branchenspezifische Handlungsmuster, die teilweise grenzüberschreitend institutionalisiert sind und die Entwicklungen von Entgelt und Arbeitszeit in beiden Ländern beeinflussen. Wir schlagen vor, Entgelt- und Arbeitszeitentwicklungen als durch „multiple Pfadabhängigkeiten“ geprägt zu denken.

André Städler, Klaus Feseker, Helmuth Lange:
Arbeits- und Interessenregulierung in Klein- und mittelständischen Unternehmen der digitalen Wirtschaft

Für kurze Zeit verkörperten insbesondere die Internetfirmen einen zukunftsfähigen Entwurf für die Organisation und Durchführung innovativer Wissensarbeit. Nach dem Börsencrash wandelte sich die Stimmungslage. Die aktuell prominenteste Prognose zur zukünftigen Entwicklung lautet: Über kurz oder lang werden sich die Firmen an die Old Economy angleichen, und zwar nicht nur im organisatorischen Sinne, sondern auch bezogen auf das Feld der Mitbestimmung.
Der folgende Beitrag belegt eine solche Interpretation der Entwicklung mit erheblichen Zweifeln. Auf der Basis aktueller Forschungsergebnisse aus dem empirischen Projekt „Intern@work - Interessenregulation in der New Economy“ wird geschildert, welche Auswirkungen der krisenbedingte wirtschaftliche und organisatorische Wandel auf die Sozialbeziehungen und die Praxis der Interessenregulierung in den Firmen hat.
Die Ergebnisse zeigen, dass eine Zukunftsprognose, die objektivistischen Ableitungsschemata und einfachen Ursache-Wirkungs-Ketten folgt, zu kurz greift, da sie sowohl die betriebliche Realität und ihre organisatorische Vielfalt, wie auch die individuelle Verarbeitung der krisenbedingten Veränderungen durch die Beschäftigten der Branche nur unzureichend wahrnimmt.

 

Abstracts (English)

Kurzbeiträge

Helmut Martens
Primäre Arbeitspolitik und gewerkschaftliche Interessenvertretung in der New Economy - empirische Befunde aus gewerkschaftlichen Modellprojekten

Alexandra Scheele
Feminisierung der Arbeit und die Arbeitsforschung

Tagungsbericht

2. Marburger Arbeitsgespräche: „Arbeit unter Druck.
Qualitätsstandards von Arbeit im Arbeitsraum Europa - Feministische Einsprüche und Anstöße“
Elke Ahlers (Düsseldorf)

Rezensionen

Hartmut Hirsch-Kreinsen, Manfred Wannöffel (Hg.):
Netzwerke kleiner Unternehmen. Praktiken und Besonderheiten internationaler Zusammenarbeit
(besprochen von Martin Brussig, Gelsenkirchen)

Nick Kratzer:
Arbeitskraft in Entgrenzung. Grenzenlose Anforderungen, erweiterte Spielräume, begrenzte Ressourcen
(besprochen von Klaudia Lehmann, Köln)

Jolanda Staman (Hg.):
Technologieminen. Die Entstehung einer neuen Wirtschaft in der Region Aachen
(besprochen von Helmut Martens, Dortmund)

Nicole Mayer-Ahuja:
Wieder dienen lernen? Vom westdeutschen „Normalarbeitsverhältnis“ zu prekärer Beschäftigung seit 1973
(besprochen von Martina Riezler, Dortmund)

Erich Staudt, Norbert Kailer, Marcus Kottmann, Bernd Kriegesmann, Andreas J. Meier, Claus Muschik, Heidi Stephan, Arne Ziegler:
Kompetenzentwicklung und Innovation. Die Rolle der Kompetenz bei Organisations-, Unternehmens- und Regionalentwicklung

Arbeitsgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung e. V./ Projekt Qualifikations-Entwicklungs-Management (Hg.):
Kompetenzentwicklung 2002. Auf dem Weg zu einer neuen Lernkultur. Rückblick – Stand – Ausblick
(besprochen von Peter M. Wald, Dresden)

Seitenanfang


Heft 3/2004 (2. Auflage)

Doppelter Umfang - ohne Mehrkosten für die LeserINNEN!

Flyer: INQA-Sonderheft

INQA – Das Programm

Hans-Jürgen Bieneck
Für eine sichere, gesunde und wettbewerbsfähige Arbeitswelt – Das Programm INQA

Rainer Thiehoff
Gemeinsam handeln, jeder in seiner Verantwortung. Die Initiative Neue Qualität der Arbeit

Karl-Heinz Schulz
Public-Relations für INQA: Gutes Thema in schwierigem Umfeld

Bruno Zwingmann
INQA Büro. Ein Zwischenbericht

Der Initiativkreis „Neue Qualität der Büroarbeit“ (INQA Büro) wurde 2002 in Kooperation zwischen Sozialpartnern und Verbänden der Bürowirtschaft als eigenständiger Beitrag zur nationalen Initiative INQA gegründet. Er versteht sich als aktivierende Plattform und Einladung für die langfristig angelegte Kooperation aller an der Gestaltung der Büroarbeit Interessierten und stützt sich auf die Infrastruktur und Aktivitäten seiner Kooperationspartner. Es geht konkret vor allem um die Vernetzung und Kooperation der Bürofachwelt mit dem Arbeits- und Gesundheitsschutz und der Arbeitswissenschaft. Hauptprojekt ist die Erarbeitung einer freiwilligen Konvention „Nutzungsqualität der Dienstleistungen“. Die begonnene Kooperation des Arbeits- und Gesundheitsschutzes mit den kommerziellen Trägern und den Disziplinen der Bürofachwelt hat Experimentalcharakter mit Bedeutung über INQA Büro hinaus. Sie trägt zur Weiterentwicklung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes und seiner „Feldorganisation“, der Basi, bei, deren Satzungsauftrag den Handlungsintentionen der nationalen Initiative entspricht.

Qualität der Arbeit in erweiterter Perspektive

Klaus Pickshaus, Hans-Jürgen Urban
„Gute Arbeit“ – eine arbeits- und gesundheitspolitische Initiative der IG Metall

Die IG Metall will mit einer politischen Initiative„ Gute Arbeit“ das Handlungsfeld menschengerechter Arbeitsgestaltung revitalisieren. Dabei können Anknüpfungspunkte in der europäischen Rechtsetzung zu Gesundheit und Sicherheit bei der Arbeit sowie in der Kommissionsstrategie zur Qualität der Arbeit genutzt werden. Die neuen Rechte im Arbeits- und Gesundheitsschutz als Folge der europäischen Impulse sind nach wie vor nur sehr unzureichend in den Betrieben umgesetzt. Für die Gewerkschaften besteht ein großer betrieblicher Handlungsdruck, sich erneut auf dem Feld humaner Arbeitsgestaltung zu engagieren. Zentrale neue Gefährdungsbereiche wie die zunehmende Entgrenzung von Arbeitszeit und Leistung, der Wandel der Leistungsbedingungen für Ältere und die Prekarisierung sollen deshalb in einem Projekt Gute Arbeit aufgegriffen werden. Damit will die IG Metall auch einen eigenen profilierten Beitrag zur „Initiative für eine neue Qualität der Arbeit“ der Bundesregierung erbringen, die konstruktiv und kritisch unterstützt wird.

Karl Kuhn
Förderung der Qualität bei der Arbeit in der Europäischen Union

Qualitätssteigerung ist ein Leitprinzip in der mit der sozialpolitischen Agenda auf den Weg gebrachten Modernisierung des europäischen Sozialmodells. Als Ergebnis der Tagungen des Europäischen Rates in Lissabon und Nizza wurde die Verbesserung der Arbeitsplatzqualität und der Arbeitsproduktivität zu einem der drei übergreifenden Ziele der beschäftigungspolitischen Leitlinien für den Zeitraum 2003-2005 gemacht – neben der Vollbeschäftigung und dem sozialen Zusammenhalt.

Eva Senghaas-Knobloch
Auftrag und Möglichkeiten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) unter den Bedingungen der Globalisierung

In der Debatte über aktuelle globale Wirtschaftstrends und Regeln für grenzüberschreitende Wirtschaftsaktivitäten wird häufig auf die relativ junge internationale Organisation, die Welthandelsorganisation (WTO), verwiesen. Sehr viel seltener kommt jene internationale Organisation ins Gesichtsfeld, deren Mandat und Primäraufgabe ausdrücklich in der Errichtung von international gültigen Mindeststandards im Arbeits- und Sozialbereich besteht, der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO). Bei der Herausbildung von globalen Regelungen (global governance) in diesem Politikbereich kommt der Internationalen Arbeitsorganisation jedoch eine zentrale Rolle zu, zumal sie zwar zwischenstaatlich, aber nicht rein intergouvernemental ist. Im Folgenden geht es jedoch um die Bedeutung globaler Strukturen im Politikbereich Arbeits- und Sozialpolitik. Dazu werden zunächst die Politikstrukturen der IAO skizziert, die Herausforderungen der Globalisierung für ihre Mandatserfüllung analysiert und im letzten Teil Schlussfolgerungen über die neuen politischen Ansätze der IAO gezogen.

INQA – Themen

Johann Behrens
Betriebliche Strategien und demographische Folgen. Die komprimierte Berufsphase

Zwei Phänomene sind es vor allem, in denen der veröffentlichten Meinung meist der „demographische Wandel“ bemerkbar und problematisch wird: Die Zunahme von Jahren nach der beruflichen Erwerbstätigkeit und die relative Abnahme von Kindern. Auf beide Phänomene haben betriebliche Strategien einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. Sie komprimieren und verdichten die Berufstätigkeit so stark in einem relativ kurzen Lebensalter, dass auch die Realisierung des Kinderwunsches für viele problematisch wird. Die Berufsphase erweitert sich nicht mit der Lebenserwartung. Der Einfluss betrieblicher Strategien wird auf der empirischen Basis von Betriebsfallstudien in Industrie, Handwerk und Dienstleistung branchenübergreifend erörtert. Dabei sind alternative Erklärungen gegeneinander abzuwägen: Biologisch determinierte Alterungsprozesse, Nutzungsdauern von Humankapital-Investitionen, Anreizwirkungen zur Kostenüberwälzung durch Staat und Sozialversicherung, interne betriebliche Sozialverfassungen, Lebenslauf-Muster erzeugende historische Kompromiss-Ereignisse und andere mögliche Einflüsse.

Eva Bamberg
Stress bei der Arbeit und Maßnahmen der Stressreduktion: Aktuelle Konzepte und Forschungsergebnisse

Eine Vielzahl von Untersuchungen zeigt die Wirkung von Stress auf Gesundheit und Wohlbefinden, auf Partnerschaft und Familie. Aktuelle Entwicklungen der Arbeitsgesellschaft, insbesondere die Zunahme der (personenbezogenen) Dienstleistungsarbeit und die Flexibilisierung der Arbeit werden in einigen Themenbereichen der Stressforschung (z.B. Emotionsarbeit oder work-life-balance) aufgegriffen. Fraglich ist aber, ob dabei nicht alte Problembereiche unter neuem Titel diskutiert werden. Auf der Grundlage der Konzepte und Studien zu Stress sind bei Maßnahmen zur Stressreduktion die verschiedenen Elemente des Stressprozesses zu berücksichtigen: Belastungen und Ressourcen, Bewertungs- und Bewältigungsprozesse. Ein Überblick zu stressbezogenen Interventionen zeigt aber, dass hier individuelle Stressbewältigung im Vordergrund steht. Die Interventionen richten sich weniger an den Personenkreis, der vorrangig von Stress betroffen ist, sondern vor allem an die Personen, die Nutznießer betrieblicher Gesundheitsförderung sind.

Melanie Holz, Dieter Zapf, Christian Dormann
Soziale Stressoren in der Arbeitswelt: Kollegen, Vorgesetzte und Kunden

In der organisationalen Stressforschung hat die Untersuchung von psychosozialen Belastungsvariablen stark zugenommen. Immer mehr ist es erforderlich, dass Beschäftigte mit Kollegen, Vorgesetzten aber auch in Dienstleistungsberufen mit Kunden interagieren und dabei hohe emotionale und soziale Anforderungen regulieren müssen. Dieser Beitrag berichtet über die aktuelle Forschung zu diesen neuen Stressoren und einigen Ressourcen und deren Effekte auf die Gesundheit und das Wohlbefinden, z.B. Burn-out. Zum einen werden verschiedene soziale Stressoren im arbeitsbezogenen Kontext diskutiert, wie Mobbing, Konflikte oder organisationale Ungerechtigkeit. Zum anderen wird das Konzept der kundenbezogenen sozialen Stressoren und das Konzept der Emotionsarbeit vorgestellt. Zum Abschluss wird ein Ausblick über zukünftige Stressforschung gegeben.

Abstracts (English)

Kurzbeiträge

Bärbel Kracke, Andreas B. Kalveram, Rüdiger Trimpop, Madeleine Schwandt
Stresskompetenzentwicklung zur Gesundheitsförderung in Arbeit, Freizeit und Familie– das Projekt StrAFF

Holger Pfaff, Christine Kuch
Der „Aktionsplan Prävention“ : Ein fragebogenunabhängiges Verfahren zur Ermittlung von präventivem Handlungsbedarf

Anna-Marie Metz, Kathrin Neuhaus, Daniela Kunze
Psychische Fehlbelastung in der Krankenpflege und Gesundheitsförderung

Reingard Seibt, Diana Dutschke, Marleen Thinschmidt, Attiya Khan
Netzwerk für gesunde Beschäftigte in Kindertagesstätten – Projektkonzept, Umsetzung und erste Befunde

Klaus Moser, Roman Soucek
Training zur E-Mail-Kommunikation gegen Informationsüberflutung: Erfahrungen und Empfehlungen

Thomas Hoffmann, Ingra Freigang-Bauer, Jörg Hentrich
Thesen zum Transfer von Ergebnissen der Arbeitsgestaltungsforschung (INQA)

 

Tagungsbericht

Qualität der Arbeit im Gesundheitssektor
Martina Riezler (Dortmund)

Rezensionen

Gerd Peter
Wissenspolitik und Wissensarbeit als Gesellschaftsreform. Ausgewählte Beiträge zur Arbeitsforschung 1972-2002
(besprochen von Frieder Otto Wolf, Berlin)

Peter Brödner, Matthias Knuth (Hg.)
Nachhaltige Arbeitsgestaltung. Trendreports zur Entwicklung und Nutzung von Humanressourcen.
(besprochen von Birgit Beese, Recklinghausen)

Norbert F. Schneider, Ruth Limmer, Kerstin Ruckdeschel
Mobil, flexibel, gebunden. Familie und Beruf in der mobilen Gesellschaft.
(besprochen von Kerstin Jürgens, Hannover)

Heiko Kastner
Mythos Marktwirtschaft
(besprochen von Martin Rüttgers, Köln)

Andrea Fried
Wissensmanagement aus konstruktivistischer Perspektive. Die doppelte Dualität von Wissen in Organisationen
(besprochen von Olaf Katenkamp, Dortmund)

Seitenanfang


Heft 4/2004

Download des gesamten Heftes mit kompletten Artikeln [486 KB; PDF-Dokument]

Eckart Hildebrandt:
Balance von Arbeit und Leben – Neue Zumutungen oder Chancen für mehr Lebensqualität?

Arbeitszeit ist wieder in der Diskussion. Akteure in Wirtschaft und Politik fordern im Interesse der Kostensenkung eine Verlängerung von Arbeitszeiten und eine weitergehende, am Markt orientierte Flexibilisierung. Die Stimmen, die eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit und eine Erhöhung der Zeitsouveränität der Beschäftigten einfordern, haben zur Zeit wenig Gewicht.
Gleichzeitig haben Fragen der Vereinbarkeit von Arbeit und Leben an Bedeutung gewonnen, nicht nur als Problem erwerbstätiger Mütter, sondern als Gegenstand betrieblicher Personalpolitik insgesamt. Daher kommt solchen Formen der Regulierung flexibler Arbeitszeiten besondere Bedeutung zu, die einen Ausgleich verschiedener Zeitinteressen versprechen. Eine wichtige Option ist die Einrichtung von Zeitkonten, die einerseits flexible Mehrarbeit zulassen, andererseits die Nutzung angesparter Zeit nach persönlichen Bedürfnissen ermöglichen, ohne die Arbeitszeit generell zu verlängern.
Die Studie gibt Einblicke in die Arbeitszeitgestaltung von Unternehmen in unterschiedlichen Branchen und in das Zeithandeln der Beschäftigten zwischen betrieblichen Anforderungen und privaten Interessen. Die Voraussetzungen für ein gelungenes Balancieren sind auf beiden Seiten noch wenig entwickelt.

Dorothea Voss-Dahm:
Geringfügige Beschäftigung und Segmentation auf innerbetrieblichen Arbeitsmärkten des Einzelhandels

Das starke Wachstum der geringfügigen Beschäftigung wirft die Frage auf, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf betriebliche Beschäftigungssysteme hat. Am Beispiel von zehn Einzelhandelsunternehmen wird gezeigt, dass der zunehmende Anteil geringfügig Beschäftigter in einigen Unternehmen zu einer vertieften Spaltung in eine Stamm- und eine Randbelegschaft führt. In anderen Unternehmen ist trotz hoher Anteile geringfügiger Beschäftigung eine Spaltung des betrieblichen Arbeitsmarktes nicht festzustellen, denn geringfügig Beschäftigte sind hier Teil der Stammbelegschaft. Die Zunahme der geringfügigen Beschäftigung im Einzelhandel ist durch eine Interessenkoalition zwischen Arbeitsnachfrage und Arbeitsangebot zu erklären: Unternehmen erhalten durch Beschäftigte in kurzen Teilzeitbeschäftigungsverhältnissen ein hohes Maß an numerischer Flexibilität und einige Erwerbsgruppen sind in bestimmten Lebensphasen und unter den institutionellen Rahmenbedingungen von Erwerbsarbeit an einer geringfügigen Beschäftigung interessiert. Ob die Regulierung des geringfügigen Beschäftigungsverhältnisses unter beschäftigungspolitischen Gesichtspunkten sowie unter dem Aspekt einer nur eingeschränkten Partizipation bestimmter Erwerbsgruppen am Erwerbssystem gesellschaftlich wünschenswert ist, bleibt zu diskutieren.

Max Haller, Franz Heschl:
"Der Staat sollte einen Arbeitsplatz für jeden bereitstellen, der arbeiten will ..."
Einstellungen zu arbeitsmarkt- und beschäftigungspolitischen Maßnahmen in 24 Ländern

In diesem Beitrag wird anhand des International Social Survey Programme (ISSP) 1995/96 ein Vergleich der Einstellungen der Bevölkerungen in 24 Ländern zu verschiedenen Aspekten der Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik durchgeführt. Ausgehend von einer Klassifizierung der verglichenen Staaten in 6 Typen von Arbeitsmarktsystemen wird zunächst dargestellt, welche Relevanz der Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik im Rahmen verschiedener Politikbereiche zukommt. Sodann werden die Unterschiede in den Einstellungen zwischen und innerhalb der sechs Typen von Arbeitsmarktsystemen beschrieben. Schließlich wird durch eine multivariate Analyse untersucht, welche individuellen und makrostrukturellen Merkmale zur Herausformung dieser Einstellungen beitragen. Es scheint weniger auf die Zustimmung oder Ablehnung von beschäftigungspolitischen Maßnahmen an sich anzukommen, wenn es um die Erfolge in arbeitsmarktpolitischer Hinsicht geht, als vielmehr um die Konsistenz eines Beschäftigungssystems insgesamt, der damit verbundenen politischen Ziele wie auch der Einstellungen der Bevölkerung.

Diskurs

Jan Kruse:
Disziplinierte Simulation. Zur Retotalisierung des Arbeitsprinzips in neoliberalen Gesellschaften - eine Auseinandersetzung mit Baudrillard und Foucault

 

Abstracts (English)

Kurzbeiträge

Uwe Dechmann, Arno Georg, Gerd Peter, Bianca Schlotmann:
PragMaGuS: Ein Internetportal für alltagstaugliche kleinbetriebliche Prävention im regionalen Netzwerk

Tagungsbericht

Der „Kunde“ in der Dienstleistungsbeziehung
(Melanie Roski, Dortmund)

Rezensionen

Hans J. Pongratz, G. Günter Voß
Arbeitskraftunternehmer – Erwerbsorientierungen in entgrenzten Arbeitsformen
(besprochen von Michael Jonas, Wien)

Roland Springer
Wettbewerbsfähigkeit durch Innovation. Erfolgreiches Management organisatorischer Veränderungen
(besprochen von Michael Lacher, Kassel)

Hartmut Berghoff
Moderne Unternehmensgeschichte. Eine themen- und theorieorientierte Einführung
(besprochen von Martina Riezler, Dortmund)

Seitenanfang