Zeitschrift Arbeit, Jahrgang 2003

Heft 1 - Heft 2 - Heft 3 - Heft 4

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Heft 1/2003

Editorial

Thomas Kurtz:
Professionen und Wissensberufe. Sind Professionen Wissensberufe, sind alle Wissensberufe Professionen?

Während in der neueren Arbeits- und Berufsforschung im Rahmen hochqualifizierter Erwerbsarbeit die Begriffe Professionen und Wissensberufe zumeist dasselbe bezeichnen, zielt dieser Beitrag auf eine trennscharfe Unterscheidung dieser beiden Konzepte. Der Begriff der Wissensberufe ist ein Steigerungsbegriff, in der modernen Wissensgesellschaft tendiert immer mehr Arbeit zur Wissensarbeit. Demgegenüber haben wir es beim Begriff der Professionen mit einem exklusiven Begriff zu tun, Professionen können immer nur sehr wenige Berufe sein. Obwohl nun die neuen Wissensberufe gegenüber den klassischen Professionen weder etwas mit lebenspraktischen Problemen von Klienten zu tun haben noch gesellschaftliche Zentralwerte abdecken müssen, kann man in Bezug auf die Form der Wissensbasierung beider beruflichen Gruppen auch eine Gemeinsamkeit markieren. Auch die Handlungslogik der zunehmenden Wissensberufe ist nicht die einer technisch-instrumentellen Anwendung von wissenschaftlichem Regelwissen; wie das Wissen der Professionen ist das Expertenwissen der Wissensberufe interpretationsbedürftig, kontingent und im Handeln immer wieder neu zu reproduzieren.

Olaf Katenkamp:
Quo vadis Wissensmanagement? Eine Literaturübersicht zur Einführung von Wissensmanagement in der Wirtschaft

Wissen als Quelle künftiger Prosperität gilt vielen Unternehmen als großer Hoffnungsschimmer. Repräsentative Studien zur Einführung von Wissensmanagement in Deutschland gibt es bisher nicht. Viele Fallstudien beschränken sich auf einzelne Bereiche (z.B. Branchen). In der vorliegenden Literaturstudie stehen aktuelle Entwicklungen bei der Einführung von Wissensmanagement in Unternehmen im Mittelpunkt. Nach einer kurzen Erläuterung der Begriffe des Wissens werden die Konzepte des Wissensmanagements und die theoretischen Hintergründe der Modelle des Wissensmanagements aufgezeigt. Schließlich werden einige Probleme in der Praxis und drei aktuelle Trends exemplarisch präsentiert und diskutiert.

Britta Herbig, André Büssing:
Implizites Wissen und erfahrungsgeleitetes Arbeitshandeln: Perspektiven für Arbeit und Organisation

Ausgehend von der Entwicklung der letzten Jahre, in denen dem impliziten Wissen eine immer größere Bedeutung als menschliche Ressource beigemessen wurde, werden einige Beispiele und Ansätze zu implizitem Wissen aus Sicht verschiedener Forschungsrichtungen dargestellt, wobei insbesondere auf den Zusammenhang zwischen implizitem Wissen und erfahrungsgeleitetem Handeln eingegangen wird. Dabei werden große Divergenzen hinsichtlich des Verständnisses und der Methoden zur Untersuchung impliziten Wissens erkennbar. Basierend auf einer integrierenden Definition von impliziten Wissen werden verschiedene Methoden zur Untersuchung impliziten Wissens im Kontext von Arbeit und Organisation vorgestellt. Die Ergebnisse eigener Untersuchungen, über die berichtet wird, geben deutliche Hinweise auf die Bedeutung impliziten Wissens im Arbeitskontext, zeigen aber auch Probleme auf, wie z.B. die Frage nach der Zuverlässigkeit impliziten Wissens. Abschließend wird die besondere Rolle impliziten Wissens in Arbeit und Organisation aus Sicht der Praxis resümiert.

Ute Woschnack, Harald A. Mieg:
Fachwissen - Expertise - Schlüsselqualifikation. Ein Qualifikations-Modell in der Empirie von Umwelttätigkeiten

Relevante Qualifikationsmerkmale bereits in der Vorauswahl erkennen zu können - ohne aufwändige psychologische Tests durchführen zu müssen - ermöglicht eine effektivere Preselektion von Bewerbern. In diesem Beitrag stellen wir ein integratives Modell der Qualifikation vor, das im Wesentlichen auf drei Grundkonzepten zur Qualifikation basiert und Alltagstheorien entspricht: dem psychologischen Konzept der Expertise, dem Konzept der Schlüsselqualifikation (Mertens 1974a&b) sowie dem Konzept von der Addition wissenschaftsgestützter Fachausbildungskomponenten, das der Ausbildungswirklichkeit an vielen Hochschulen entspricht. Die Stärke des Modells liegt in dem hohen Abstraktionsniveau der Dimensionen, die eine Zuordnung von Variablen aus unterschiedlichen Kontexten zum Modell ermöglichen. In einer Re-Analyse von drei Studien zum Umweltdienstleistungsmarkt in der Schweiz testen und zeigen wir: Mit diesem einfachen integrativen Modell von Qualifikation lassen sich (i) Branchenunterschiede aufzeigen (Qualifikationsprofile) und (ii) Berufserfolg vorhersagen.

Abstracts (English)

Kurzbeiträge

Uwe Wilkesmann, Ingolf Rascher:
Datenbanken und Wissensmanagement - ein Fallbeispiel

Klaus Zühlke-Robinet:
Virtuelle Unternehmen - ein bedeutender Förderbereich der BMBF-Initiative "Dienstleistungen für das 21. Jahrhundert"

Tagungsbericht

Arbeit in der neuen Zeit - Regulierung der Ökonomie, Gestaltung der Technik, Politik der Arbeit
(Pia Paust-Lassen, Berlin)

 

Rezensionen

Werner Lüthy, Eugen Voit, Theo Wehner (Hg.):
Wissensmanagement - Praxis, Einführung, Handlungsfelder und Fallbeispiele
(besprochen von Olaf Katenkamp, Dortmund)

Walter R. Heinz, Hermann Kotthoff, Gerd Peter (Hg.):
Soziale Räume, global players, lokale Ökonomie – Auf dem Weg in die innovative Tätigkeitsgesellschaft?

Walter R. Heinz, Hermann Kotthoff, Gerd Peter (Hg.):
Beratung ohne Forschung - Forschung ohne Beratung?

Walter R. Heinz, Hermann Kotthoff, Gerd Peter (Hg.):
Lernen in der Wissensgesellschaft
(besprochen von Michael Jonas, Wien)

Frieder O. Wolf:
Radikale Philosophie. Aufklärung und Befreiung in der neuen Zeit
(besprochen von Gerd Peter, Dortmund)

Christoph Deutschmann:
Postindustrielle Industriesoziologie. Theoretische Grundlagen, Arbeitsverhältnisse und soziale Identitäten
(besprochen von Frank Bauer, Köln)

Klaus Dörre:
Kampf um Beteiligung. Arbeit, Partizipation und industrielle Beziehungen im flexiblen Kapitalismus
(besprochen von Helmut Martens, Dortmund)

Markus Promberger u.a.:
Hochflexible Arbeitszeiten in der Industrie. Chancen, Risiken und Grenzen für Beschäftigte
(besprochen von Eva Munz, Köln)

Hans Merkens:
Der Transformationsprozess vom volkseigenen Betrieb zum marktwirtschaftlichen Unternehmen. Verlauf, Probleme und Schwierigkeiten aus systemtheoretischer Sicht

Ralph-Elmar Lungwitz, Evelyn Preusche:
Zwischen Nachahmung und Eigenentwicklung. Organisatorische Realitäten in ostdeutschen, polnischen und tschechischen Industriebetrieben ein Jahrzehnt nach dem Systemwechsel
(besprochen von Karin Lohr, Berlin)

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Heft 2/2003

Angela Poppitz:
Dienstleistungsarbeit im Zugbegleitdienst - ein doppelter Balanceakt

Die Privatisierung des Unternehmens Deutsche Bahn bringt nicht nur auf struktureller Ebene, sondern auch für die Beschäftigten im Zugbegleitdienst und die Bahnreisenden selbst eine Reihe von Veränderungen mit sich. Neben der traditionellen Rolle des Zugbegleiters als Kontrolleur ist die des Servicemitarbeiters stark in den Vordergrund gerückt. Bahnreisende gelten nicht mehr nur als Bahnbenutzer, sondern als zu bedienende Kunden. Welche Auswirkungen haben die Veränderungen auf die Dienstleistungsinteraktion zwischen beiden? Die Akteure müssen für sich abgleichen, welche Rolle sie in welcher Situation ausfüllen wollen und müssen. Somit ist von beiden Seiten nicht mehr eindeutig vorhersehbar, wie sich ihr Gegenüber während des Dienstleistungskontaktes verhalten wird. Sowohl Zugbegleiter als auch Reisende müssen ihre Rollen in doppelter Weise ausbalancieren.

Ulrike Pietrzyk:
Flexible Beschäftigungsform ‚Zeitarbeit' auf dem Prüfstand

Zeitarbeit hat sich in Deutschland zur am schnellsten expandierenden Beschäftigungsform entwickelt. Als spezifische Variante atypischer Beschäftigungsverhältnisse ist Zeitarbeit in empirischen Untersuchungen bisher jedoch nur selten analysiert worden. In Anbetracht der Zuwachsrate ist diese Nichtberücksichtigung unverständlich.
Die Flexibilisierung von Beschäftigungsformen hat zu einer Verlagerung des "unternehmerischen Risikos" auf den Arbeitnehmer geführt. Die Beschäftigten sind gezwungen, ihre Arbeitskraft immer wieder anzubieten, wodurch sie auf marktfähige Qualifikationen und Kompetenzen angewiesen sind. Die vorliegende Untersuchung fragt nach Voraussetzungen bzw. Bedingungen, welche Zeitarbeit für Qualifizierung und berufliche Kompetenzentwicklung, aber auch für den Erhalt von Gesundheit bereitstellt. Erste empirische Ergebnisse einer vergleichenden Querschnittuntersuchung von Zeitarbeitnehmern und dauerhaft beschäftigten Facharbeitern in der Fertigungsbranche werden zur Diskussion gestellt.

Reiner Franzpötter:
Die Disponiblen und die Überflüssigen. Über die abgedunkelte Kehrseite der Employabilitygesellschaft

Der Beitrag untersucht die Folgen neuartiger, durch die heutige Dynamik der Arbeitsgesellschaft ausgelöste soziale Exklusionseffekte und Spaltungstendenzen. Es geht um neue soziale Verwundungsrisiken und existentielle Gefährdungen unterschiedlicher Gruppen und Populationen. Gefährdet sind solche Personen und Personengruppen, die sich z.B. trotz guter Bildungs- und Berufsvoraussetzungen dauerhaft mit der Erfahrung von Ausgrenzung und Ausschluss konfrontiert sehen. Es entsteht eine neue soziale Grenzziehung zwischen "den Disponiblen" und "den Überflüssigen", die quer zu den alten sozialen Ungleichheiten zwischen oben und unten, Armen und Reichen usw. zu liegen scheint. Der Beitrag analysiert die Bedingungen und Mechanismen dieser sozialen Grenzziehung und interpretiert biographische Verlaufsmuster in die "Überflüssigkeit" als eine ihrer charakteristischen Erscheinungen.

Bernhard Metzger, Ursin Bernard, Bruno Staffelbach:
Der Einfluss der Telearbeit auf die Identifikation mit dem Unternehmen. Empirisch analysiert am Beispiel einer Versicherungsunternehmung

Mobile Arbeitsformen wie die Telearbeit gewinnen im Rahmen der betriebswirtschaftlichen Diskussionen zu Arbeitsflexibilisierung, dezentralen Organisationsstrukturen und virtuellen Teams zunehmend an Bedeutung. Der Beitrag untersucht die Beziehung zwischen Telearbeit und organisationaler Identifikation, welche für die Arbeitszufriedenheit, die Leistungsmotivation und/oder für die Kündigungsneigung von zentraler Bedeutung ist. Auf der Basis einer systematischen Analyse der relevanten Literatur wird ein zweistufiges Forschungsmodell entwickelt, welches im empirischen Teil des Beitrages die Grundlage für die schriftliche Befragung der Beschäftigten einer führenden Schweizer Versicherungsunternehmung bildet. Die Resultate zeigen, dass Telearbeit über die Determinanten Attraktivität der Arbeitstätigkeit sowie Autonomie die organisationale Identifikation signifikant positiv beeinflusst.

Abstracts (English)

Kurzbeiträge

Marcel Erlinghagen, Sabine Siemes:
Der "Job fürs Leben" - Mythos oder reales Kennzeichenvergangener Erwerbsverläufe? Ergebnisse einer nichtrepräsentativen Befragung von Gewerkschaftsmitgliedern im Ruhestand

Antonia Bieszcz-Kaiser, Erhard Schreiber:
Ein Pladoyer für öffentlich geförderte Beschäftigung nicht nur in konjunkturschwachen Zeiten - Gedanken zur Erhöhung ihrer Effektivität

Tagungsbericht

Wissen ist was wert
(Olaf Katenkamp, Dortmund)

1. Marburger Arbeitsgespräche: Hauptsache Arbeit
(Svenja Pfahl, Berlin)

 

Rezensionen

Wilhelm Eberwein, Jochen Tholen, Joachim Schuster
The Europeanisaton of Industrial Relations. National and European Processes in Germany, UK, Italy and France

Jörg Abel, Peter Ittermann (Hg.)
Mitbestimmung an den Grenzen? Arbeitsbeziehungen in Deutschland und Europa

(besprochen von Britta Rehder, Köln)

Joachim Fischer, Sabine Gensior (Hg.)
Sprungbrett Region? Strukturen und Voraussetzungen vernetzter Geschäftsbeziehungen

(besprochen von Gerd Peter, Dortmund)

Jürgen Wengel, Gunter Lay, Ulrich Pekruhl, Spomenca Maloca
Verbreitung innovativer Arbeitsgestaltung. Stand und Dynamik des Einsatzes im internationalen Vergleich, Bilanzierung innovativer Arbeitsgestaltung

(besprochen von Martina Riezler, Dortmund)

Gaby Späker
Die doppelte Wirklichkeit der Telearbeit. Modernisierung und Re-Regulierung.

(besprochen von Gudrun Richter-Witzgall, Dortmund)

Jan Kruse
Geschichte der Arbeit und Arbeit als Geschichte

(besprochen von Olaf Hagemeyer, Sankt Augustin)

Petra Frerichs, Heike Wiemert
"Ich gebe, damit Du gibst". Frauennetzwerke - strategisch, reziprok, exklusiv

(besprochen von Beate Kortendiek, Dortmund)

Stefan Kühl, Petra Strodtholz (Hg.)
Methoden der Organisationsforschung

(besprochen von Hans-Werner Franz, Dortmund)

Wissenschaftliche Arbeitsstelle des Oswald-von-Nell-Breuning-Hauses (Hg.)
Bis hierhin - und noch weiter? Grenzkonflikte in Alltag, Arbeit, Wissenschaft und Politik.

(besprochen von Petra Frerichs, Köln)

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Heft 3/2003

Sebastian Schief:
Lange "Gehirnlaufzeiten" überall? Eine Analyse der Wochenarbeitszeiten von Frauen und Männern unter Berücksichtigkung der Qualifikation in vier Ländern

Unter dem Stichwort "Lange Gehirnlaufzeiten" thematisiert Bosch (2001) die deutlich längeren durchschnittlichen Wochenarbeitszeiten von höher qualifizierten abhängig Beschäftigten im Vergleich zu Beschäftigten mit niedriger und mittlerer Qualifikation in Deutschland. Der vorliegende Beitrag untersucht anhand der Daten der Europäischen Arbeitskräftestichprobe, ob dieser Zusammenhang auch in anderen europäischen Ländern (Großbritannien, Schweden und Italien) nachzuweisen ist. Wie sich zeigt, sind längere durchschnittliche Arbeitszeiten von höher Qualifizierten in Deutschland, Großbritannien und weniger deutlich in Schweden nachweisbar, in Italien sind sie aber erheblich kürzer als die Wochenarbeitszeit von Beschäftigten mit niedriger bzw. mittlerer Qualifikation. Dies wird auf unterschiedliche Konstellationen der Determinanten der Wochenarbeitszeit in den untersuchten Ländern zurück geführt

Ludger Eversmann
Die Zukunft der Arbeit als Gestaltungsproblem der Wirtschaftsinformatik

Einer der Gründerväter der Wirtschaftsinformatik in Deutschland hat 1995 die "Vollautomation des Unternehmens" als langfristiges Wissenschaftsziel der Wirtschaftsinformatik vorgeschlagen. Dieser Vorschlag evoziert a) die - wissenschaftstheoretischen - Fragestellungen nach rationalen, begründbaren und verantwortlichen Formulierungen von Wissenschaftszielen, ferner b) die Frage nach den inhärenten Grenzen der Entwicklungsmöglichkeiten Universaler, berechenbarer Automaten, und schließlich c) die Frage nach Konzepten der Organisation der wirtschaftlichen Mittelbeschaffung unter der Voraussetzung, dass zu deren Herstellung auf (nahezu) unbegrenzte maschinelle Kapazitäten zugegriffen werden kann.
In diesem Aufsatz wird über eine Dissertation berichtet, die sich dieser Fragestellungen angenommen hat. Im Ergebnis wird als langfristige Gestaltungsaufgabe der Wirtschaftsinformatik vorgeschlagen, hochproduktive und hochflexible Fertigungssysteme zu entwickeln, die im Auftrage eines privaten, halböffentlichen oder öffentlichen Subjekts unmittelbare Gebrauchswerte produzieren.

Uwe Wilkesmann, A. Georges L. Romme
Organisationales Lernen, zirkuläres Organisieren und die Veränderung der interorganisatorischen Herrschaftsverhältnisse

Das Konzept des organisationalen Lernens stellt eine Reaktion auf die neue Bedeutung des Wissens und seine Generierung in Organisationen dar. Allerdings kann neues Wissen in der Regel nur in Gruppen erzeugt werden, die einen weiten Handlungsspielraum besitzen und sich selbst steuern. Die hierarchische Steuerung funktioniert in diesem Fall nicht. Eine Politisierung des Unternehmensalltags ist deshalb möglich. Nicht mehr die klassische Hierarchie, sondern der Mächtigste entscheidet. Das Konzept des zirkulären Organisierens wird als Antwort auf das Problem der Politisierung diskutiert. Mit diesem Prinzip werden Bedingungen der Möglichkeit von Selbstorganisation und von selbststabilisierenden Prozessen der Kooperation benannt, die eine Politisierung des Alltags verhindern.

Diskurs

Frieder Otto Wolf
Die Arbeit und ihre Beobachter. Anmerkungen zu Dirk Baecker (Hg.): Archäologie der Arbeit

Abstracts (English)

Kurzbeiträge

Olaf Katenkamp, Gerd Peter
Wissenstransfer und Wissenspolitik durch Betriebsräte? Befragungsergebnisse zur Wissenschaftsnutzung in KMU des Ruhrgebiets

Helmuth Rose, Hartmut Schulze, Siegmar Haasis
Emergente Arbeitsorganisation und Prozesskompetenz als neue Herausforderungen der Industrie. Organisationsentwicklung im Forschungslabors, IT for Engineering der DaimlerChrysler AG

Rezensionen

Ronald Gebauer, Hanna Petschauer, Georg Vobruba
Wer sitzt in der Armutsfalle? Selbstbehauptung zwischen Sozialhilfe und Arbeitsmarkt
(besprochen von Stefan Lessenich, Göttingen)

Heribert Kohl, Hans-Wolfgang Platzer
Arbeitsbeziehungen in Mittelosteuropa. Tranformation und Integration
(besprochen von Vera Trappmann, Dortmund)

Hans-Jörg Bullinger, Elmar Witzgall (Hg.)
Qualifikationsmanagement in der Produktion. Pläne und Werkzeug für die Baustelle Lernende Organisation
(besprochen von Hans-Werner Franz, Dortmund)

Fritz Böhle, Annegret Bolte
Die Entdeckung des Informellen. Der schwierige Umgang mit Kooperation im Arbeitsalltag
(besprochen von Erika Spieß, München)

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Heft 4/2003

Karl Georg Zinn
Die Zukunft eines qualitativen Keynesianismus in Europa

Die westeuropäischen Länder weisen erhebliche Unterschiede in der langfristigen Entwicklung von Arbeitslosigkeit und sozialer Armut auf. Die markanten Differenzen deuten auf historisch tiefer liegende sozialethische Divergenzen hin. Mit Rückgriff auf Alfred Webers kultursoziologische Entwicklungstheorie werden der Einfluss der politischen Kultur bei jenen Differenzen thematisiert und die beschäftigungspolitischen Alternativen, wohlfahrtsstaatlich-keynesianische versus neofeudalistisch-liberalistische Beschäftigungspolitik, als Ausfluss unterschiedlicher Sozialkulturen interpretiert.

Philip Anderson, Michael Heinlein
Man spricht Deutsch (West): Interkulturelle Aspekte der Kommunikation im Call-Center einer Direktbank*

Call-Center stellen mittlerweile eine gängige Form der Organisation des Kundenkontakts von Unternehmen dar. Von den in Call-Center tätigen Agents werden dabei besondere kommunikative und soziale Fertigkeiten erwartet. Zusammen mit der in Call-Centern oft beobachtbaren jungen Altersstruktur ergibt sich eine spezifische Kommunikationskultur. Am Beispiel eines Call-Centers einer Direktbank wird sichtbar, wie diese Kultur der Kommunikation zum Teil subtil, zum Teil jedoch auch ganz explizit ausländische Kunden exkludiert. Dabei wirken nicht nur Sprachprobleme, sondern auch Stereotypen und Vorurteile. Besonders prägnant scheinen diese Vorurteile in dem von uns untersuchten Call-Center auch gegenüber Personen aus den Neuen Bundesländern zu bestehen: Der "Ossi" sei nicht direktbankfähig, lautet die lapidare Einschätzung, die auch vom Unternehmen zumindest tendenziell mitgetragen zu werden scheint. Die Entwicklung interkultureller Kompetenz für die Gesprächssituation und eine Aufarbeitung bestehender Vorurteile können aus der Sicht von Unternehmen Versuche darstellen, ausländische bzw. als nicht direktbankfähig eingeschätzte Kundengruppen auch in die Call-Center Arbeit mit einzubeziehen und so Vorteile für beide Seiten zu schaffen.

Bernd Haasler, Kristine Baldauf-Bergmann
Der Einfluss von Arbeitskontext und Praxisgemeinschaft auf das berufliche Lernen
Forschungsergebnisse aus der Praxis beruflicher Erstausbildung und ihre Interpretation aus lerntheoretischer Sicht

In grundlegenden Lerntheorien wird ein maßgeblicher Einfluss von Lernumgebungen auf Lernprozesse seit langem plausibel dargelegt. Empirische Belege, besonders im Bereich der beruflichen Bildung, sind immer noch rar. Die hier dargestellte Studie vergleicht Lernwege von 150 gewerblich-technischen Berufsanfängern im Kontext der Großindustrie mit einer Vergleichsgruppe aus kleinen und mittleren Unternehmen. Nach Ablauf eines Ausbildungsjahres unter sehr unterschiedlichen Bedingungen zeigen sich deutliche Differenzen der Probandengruppen bei der Bewältigung einer domänenspezifischen beruflichen Entwicklungsaufgabe. Die qualitativen Forschungsergebnisse illustrieren den Einfluss unterschiedlicher Ausbildungsumgebungen und -methoden auf die Kompetenzentwicklung von Auszubildenden. Mit Einordnung der Studie in die lerntheoretische Diskussion werden Optionen aufgezeigt, wie potentielle Einflussfaktoren des Arbeitskontextes auf berufliches Lernen konkreter untersucht werden können.

Jürgen Howaldt
Die plurale Arbeitswelt der Zukunft als Herausforderung für die sozialwissenschaftliche Arbeitswissenschaft*

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Pluralisierung der Erwerbsarbeit und ihrer ambivalenten Auswirkungen auf die Arbeitssituation der Beschäftigten - so die zentrale These des Aufsatzes - ist die Entwicklung eines neuen Leitbildes "guter" Arbeit notwendig geworden. Die sozialwissenschaftliche Arbeitswissenschaft kann hierzu aufgrund ihrer Analysefähigkeit einen wichtigen Beitrag leisten, in dem sie - ansetzend an den Widersprüchen der neuen Arbeitsformen - die Begrenzungen und Voraussetzungen analysiert, die es den arbeitenden Subjekten erst ermöglichen, die Chancen der neuen pluralen Arbeitswelt zu nutzen. Dazu muss sie jedoch ihre Forschungsschwerpunkte und -konzepte überdenken. So muss sie ihre noch immer deutlich wahrnehmbare Fokussierung auf die industrielle Arbeit und den damit verbundenen Hintergrundannahmen lösen und ihren theoretischen Bezugsrahmen weiterentwickeln. Wachsende Bedeutung erlangen insbesondere neue Formen sozialwissenschaftlicher Wissensproduktion, die eine Neudefinition des Verhältnisses von Analyse und Gestaltung in der sozialwissenschaftlichen Arbeitswissenschaft ermöglichen und damit zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Disziplin beitragen.

Kurzbeitrag

Nicola Schmidt
Berufliche Neuqualifizierung als Schlüssel zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt? Fragen an Erfolg und Qualität von Bildungsmaßnahmen am Beispiel Nordhausen

Tagungsbericht

Beschäftigungsstabilität im Wandel?
(Peter Bleses, Oldenburg)

Rezensionen

Lothar Funk, Simon Green (eds.)
New Aspects of Labour Market Policy,
Conference Volume of the Third INFER- Workshop on Economic Policy
(besprochen von Michael Jonas, Wien)

Paul Fuchs-Frohnhofen (Hg.)
Arbeitsorientierte Modernisierung.
Konzept, Umsetzung, Praxisbeispiele
(besprochen von Barbara Bierfreund, Bottrop)

Joke Frerichs
Lernerfahrungen - Erfahrungslernen. Zum Wissensbedarf von Zielgruppen gewerkschaftlicher Bildungsarbeit
(besprochen von Albert K. Petersheim, Neubiberg)

Rolf Dobischat, Hartmut Seifert (Hg.)
Lernzeiten neu organisieren. Lebenslanges Lernen durch Integration von Bildung und Arbeit
(besprochen von Rudolf Tippelt, München)

Nico Stehr
Wissenspolitik. Die Überwachung des Wissens
(besprochen von Gerd Peter, Dortmund)

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