Wolfgang Bonß:
Zwischen Erwerbsarbeit und Eigenarbeit. Ein Beitrag zur Debatte
um die Arbeitsgesellschaft
Der Beitrag steht im Kontext der soziologischen Debatte um Arbeitsgesellschaft und Zukunft der Arbeit; sein Thema ist die sich verändernde Bedeutung der Arbeit als Vergesellschaftungsinstanz. Hierbei wird zunächst nachgezeichnet, wie die ursprünglich negativ bewertete Arbeit mit dem Übergang zur Moderne positiviert und in Gestalt der Erwerbsarbeit zu einer zentralen Vergesellschaf-tungsinstanz avanciert. Am Beispiel Deutschlands werden dann empirische Befunde zur Entwicklung von Erwerbsbeteiligung, Arbeitsformen und Strukturwandel der Normalarbeit präsentiert, die z.T. für eine veränderte Relevanz der Erwerbsarbeit im 21. Jahrhundert sprechen. Angesichts des Wandels der Produktionsstruktur, des sich verändernden Erwerbsarbeitsvolumens, der Flexibilisierung der Arbeits-organisation und der veränderten Einstellung zur Erwerbsarbeit so die abschließende These spricht zwar nichts für ein Ende der Arbeitsgesellschaft, aber viel für eine Relativierung der Erwerbsarbeit bei gleichzeitiger Aufwertung anderer Arbeitsformen.
Gerd Mutz:
Pluralisierung und Entgrenzung in der Erwerbsarbeit, im Bürgerengagement
und in der Eigenarbeit
Nicht nur in der Erwerbsarbeit, auch jenseits der Erwerbsarbeit in den Tätigkeitsfeldern des Bürgeren-gagements und in der Eigenarbeit haben sich Prozesse der Pluralisierung und Entgrenzung durchgesetzt. Dieser Wandel verlangt in der Praxis der Individuen nicht nur eine aktive Tätigkeitsgestaltung, sondern auch eine individualisierte Sinnbildung: Individuen können und müssen nicht nur immer wieder entsprechend sich wandelnder Arbeitsbedingungen entscheiden, zu welcher Zeit und an welchem Ort sie welcher Tätigkeit nachgehen, sie müssen auch den jeweiligen Sinngehalt der Tätigkeiten individuell bestimmen und neue Sinnmuster entwerfen. Die Bildung neuer Sinnmuster ist nicht mehr überwiegend durch die Sozialform der Tätigkeiten selbst determiniert, sondern abhängig von dem sozialen Feld, in dem diese Tätigkeiten durchgeführt werden sowie durch individuelle Motive, der biographischen Situation, der sozialen Lage usw. bestimmt. Dabei ist es empirisch eine offene Frage, in welcher Weise derartige Sinnmuster gebildet werden.
Ramón Reichert:
Volunteering und Bürgerarbeit in
Gemeinwohl-Konzepten. Überlegungen zur unbezahlten Arbeit
Im Dritten Sektor werden allgemein bisher nicht erschlossene Beschäftigungsmöglichkeiten vermutet. Schlagworte wie Neues Ehrenamt, Bürgerarbeit oder Volunteering kennzeichnen die Suche nach brachliegendem Humankapital. Als Musterbeispiel des organisierten Volunteering gelten die USA. Aber auch innerhalb der Europäischen Union wurde im letzten Jahrzehnt die Bewirtschaftung des Engagementpotentials als arbeitsmarktpolitisches Regulativ forciert. Am Beispiel der aktuellen Diskussionen über den Beitrag zivilgesellschaftlicher Arbeit zur Erhaltung der demokratischen Ordnung wird untersucht, wie die Selbstregulationsfähigkeit von Individuen und Gruppen mit ökonomischer Profitmaximierung und gesellschaftspolitischen Zielen verknüpft werden. Der Beitrag geht davon aus, dass in den Debatten um den Stellenwert sozialer Anerkennung von unbezahlter Arbeit gleichermaßen ein neues Subjekt der Arbeit konstruiert wurde, darin wirtschaftli-cher Wohlstand und persönliches Wohlsein miteinander gekoppelt sein sollen. Im Zentrum der Untersuchung steht die Untersuchung der Genese und der argumentativen Rechtfertigung der Beziehungen zwischen dem Abbau sozialstaatlicher Leistungen und dem zunehmenden Appell an Eigenverantwortung und Selbstsorge.
Theo Wehner, Carsten Ostendorp, Anja Ostendorp:
Good practice? Auf der Suche nach Erfolgsfaktoren in gemeinwohlorientierten
Freiwilligeninitiativen
Der vorliegende Text ist ein arbeitspsychologischer Forschungsbeitrag zum International Year of Volunteering. Durchgeführt wurde eine qualitative Organisationsanalyse bzw. -beschreibung. Dabei handelte es sich um Organisationen, die aufgrund von Eigeninitiative gemeinwohlorientierte Aufgaben übernommen und freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbezogen haben. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass sich vier Beschreibungsdimensionen (sinnerzeugende ureigene Idee; Sensibilität gegenüber Zeitfragen; Sensibilität für innere soziale Prozesse; produktiver Umgang mit Hindernissen) herauskristallisieren lassen. Gelingt es den jeweiligen Organisationen, diese vier Beschreibungsdimen-sionen gut auf einander abzustimmen und eine Balance zwischen Beständigkeit (Vermittlung der ureigenen Idee) und Wandel über die Zeit hinweg (Austausch und Nähe zur Basis) herzustellen, dann kann von Good Practice gesprochen werden. Good Practice meint, dass es der Organisation bzw. Initiativen gelungen ist, Sinnprägnanz herzustellen: Sinnprägnanz in einem Ausmaß, wie es marktorientierten Unternehmen nicht gelingt.
Kurzbeitrag
Jürgen Howaldt:
Kompetenznetzwerk Netzwerkmanagement gegründet
Tagungsbericht
"Internet für alle": Chancengleichheit im Netz
(Olaf Katenkamp, Dortmund)
Karin Gottschall:
Flexible Erwerbsbürgerschaft auch für Frauen? Herausforderungen
der Arbeitsmarkt-, Familien- und Bildungspolitik in Deutschland
Ausgangspunkt des Beitrags ist die jüngere politische Orientierung am Leitbild 'flexibler Erwerbsbürgerschaft'. Sie wird in einigen europäische Länder bereits seit längerem in Form einer aktivierenden Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik realisiert. Für die Bundesrepublik, so die hier vertretene These, stellt die Orientierung an einer 'Beschäftigungsfähigkeit für alle' eine besondere Herausforderung dar. Denn die sozialstaatlichen Rahmenbedingungen sind auch im wiedervereinigten Deutschland nach wie vor vorrangig an der Arbeitsmarktteilhabe eines männlichen Familienernährers und weniger an der Beschäftigungsfähigkeit von Frauen bzw. von Eltern orientiert. Der Beitrag diskutiert strukturelle Rahmenbedingungen und Reformoptionen in den Bereichen Arbeitsmarkt-, Familien- und Bildungspolitik und fragt abschließend nach dem demokratischen Potential flexibler Erwerbsbürgerschaft
Simone Meller, Antje Ducki:
Tätigkeitsbezogene Begeisterung in der Erwerbsarbeit: Theoretische
Überlegungen und empirische Exploration
Vorgestellt wird eine theoretische Auseinandersetzung mit den Entstehungsbedingungen von Begeisterung in der Erwerbsarbeit. Begeisterung wird als spezielle Wohlbefindens-Emotion definiert und gegen Zustände wie Freude und Flow abgegrenzt. Begeisterung als emotionaler Ausdruck für persönliches Sinnerleben und Selbstverwirklichung entsteht, so die Hauptthese, wenn eine Person in der (Arbeits-)Tätigkeit die Realisierung zentraler eigener Ziele und Motive erlebt. Handlungsspielraum, Neuartigkeit der Aufgabe, Ergebnisfeedback und ein mittlerer bis hoher Schwierigkeitsgrad sind notwendige aber nicht hinreichenden Arbeitsbedingungen für die Entstehung von Begeisterung. Auf Seiten der Person sind darüber hinaus eine komplexe Motivstruktur, Bewusstheit, Kompetenzen, die Fähigkeit zur stabil-flexiblen Handlungsregulation und eine seelisch-körperliche Leistungsfähigkeit erforderlich, damit sich Begeisterung einstellen kann. Die zentralen theoretischen Annahmen wurden in einer ersten empirischen Überprüfung mittels problemzentrierter Interviews weitgehend bestätigt.
Gertrud Kühnlein:
Vom Lernziel Selbstbestimmung zum Lernziel "Selbstdressur"?
Mentaltrainings - eine neue Dimension betrieblicher Weiterbildung
Mentale Trainings gewinnen in der betrieblichen Weiterbildungslandschaft immer stärker an Bedeutung. Ihre Attraktivität speist sich vor allem aus dem Versprechen, dass durch eine gezielte mentale Beeinflussung konkret überprüfbarer, rascher Nutzen für den Betrieb erzielt werde. Interessant ist diese Entwicklung unter zwei Gesichtspunkten: Zum einen spiegelt sich darin der derzeit vorherrschende Trend zur Ökonomisierung des Weiterbildungsgeschehens wider. Zum anderen liegt darin ein besonders heikler Aspekt der modernen Entdeckung des "Produktionsfaktors Mensch". Es geht darum, möglichst viele Beschäftigte (nicht nur als Arbeitskraft, sondern) als ganze Menschen so für das Unternehmen zu aktivieren, dass sie weitgehend selbstverantwortlich und selbstkontrolliert mit den steigenden Anforderungen an ihre Leistungsbereitschaft umzugehen verstehen.
Peter Kalkowski:
Neue Steuerungsinstrumente - Überwindung der Bürokratie
oder Bürokratie im neuen Gewand? Zur betrieblichen Arbeitsregulation in
der Telekommunikation
Turbulente Unternehmensumwelten drängen auf einen Wechsel der Managementparadigmen. Im Rekurs auf Ergebnisse einer empirischen Untersuchung in Telekommunikationsbetrieben wird festgestellt, dass neue Steuerungs- und Führungsinstrumente dabei eine Schlüsselrolle spielen und sie in dieser Branche intensiv genutzt werden. Es zeigte sich jedoch, dass die Möglichkeiten, die mit diesen Instrumenten für einen nicht bürokratischen, diskursiven Koordinationsmodus und für eine Ausweitung der Beschäftigtenpartizipation entstehen, nicht ausgeschöpft werden. Hat aber Bürokratie in erster Linie nur ihr Gewand gewechselt und werden die neuen Steuerungsinstrumente überdies dazu verwendet, wirtschaftliche Risiken auf abhängig Beschäftigte zu verlagern, handelt es sich eher um einen Formwandel der Bürokratie und der Paradigmenwechsel steht noch aus.
Erich Latniak, Steffen Kinkel, Gunter Lay:
Dezentralisierung in der deutschen Investitionsgüterindustrie.
Verbreitung und Effekte ausgewählter organisatorischer Elemente
Der vorliegende Beitrag geht auf der Grundlage einer repräsentativen Erhebung der Frage nach, wie breit und kohärent Dezentralisierungsmaßnahmen in der deutschen Investitionsgüterindustrie umgesetzt wurden. Dabei wird zwischen operativer und strategischer Dezentralisierung unterschieden. Es zeigt sich, dass das Ausmaß der Diffusion in hohem Maße davon bestimmt wird, was sich hinter modischen Etiketten wie Gruppenarbeit, Hierarchieabbau, Aufgabenintegration oder Segmentierung verbirgt. Gleichzeitig wird deutlich, dass umfassende und kohärente Dezentralisierung in der Industrie bislang eher die Ausnahme ist. Einseitig die strategischen Dezentralisierungsansätze betonende Dezentralisierungsmuster sind dagegen weiter verbreitet. Abschließend wird gezeigt, dass die Dezentralisierung sowohl Auswirkungen auf die betriebliche Leistungsfähigkeit wie auch auf die Personalseite hat.
Abstracts (English)
Wilfried Kruse:
Lisbon take off? Zum Bedeutungsgewinn von Arbeitspolitik im Europäischen
Wettbewerbsmodell
Eva Senghaas-Knobloch (Hg.):
Macht, Kooperation und Subjektivität in betrieblichen Veränderungsprozessen
(besprochen von Wilhelm Eberwein, Bremen)
Ulrich Pekruhl:
Partizipatives Management. Konzepte und Kulturen
(besprochen von Bernd Röttger, Recklinghausen/Braunschweig)
Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung
u.a. (Hg.):
Jahrbuch sozialwissenschaftliche Technikberichterstattung 2000. Schwerpunkt:
Innovation und Arbeit
(besprochen von Eva Senghaas-Knobloch, Bremen)
Rüdiger Weißbach:
Strategien betrieblicher Informatisierung und die Diffusion von ISDN
(besprochen von Sigita Urdze, Dortmund)
Uwe Schaarschmidt, Andreas W. Fischer:
Bewältigungsmuster im Beruf. Persönlichkeitsunterschiede in der Auseinandersetzung
mit der Arbeitsbelastung
(besprochen von Antje Ducki, Hamburg)
Wilfried Glißmann, Klaus Peters:
Mehr Druck durch mehr Freiheit. Die neue Autonomie in der Arbeit und ihre paradoxen
Folgen
Klaus Pickshaus, Horst Schmitthenner, Hans-Jürgen
Urban:
Arbeiten ohne Ende. Neue Arbeitsverhältnisse und gewerkschaftliche Arbeitspolitik
(besprochen von Helga Ballauf, München)
Elke Holst:
Die Stille Reserve am Arbeitsmarkt
(besprochen von Johann Fuchs,Nürnberg)
Michael Jonas:
Brücken zum Elfenbeintum. Mechanismen des Wissens- und Technologietransfers
aus Hochschulen
(besprochen von Lothar Hack, Hasbergen)
Renate Hürtgen, Thomas Reichel (Hg.):
Der Schein der Stabilität. DDR-Betriebsalltag in der Ära Honecker
(besprochen von Irene Dölling, Potsdam)
Harald A. Mieg, Ute Woschnack:
Die berufliche Identität von Umweltdienstleistern: Altes, neues oder
ohne Berufsbild?
Der Bereich umweltbezogener Dienstleistungen scheint ein Paradebeispiel für den raschen Wandel von Berufen und Berufsbildern zu sein. Dieser Beitrag untersucht die Folgen für berufliche Identität auf der Grundlage einer Markt- und Berufs-Befragung der Schweizer Umweltdienstleister (N=406). Untersucht wird, ob die berufliche Identität eher von professions-soziologisch fassbaren Bedingungen abhängt (Professionalisierungsgrad der Berufsgruppe), oder eher von der psychologisch fassbaren individuellen Expertise (Berufserfahrung). Berufliche Identität wird hier im Sinne Haußers (1995) operationalisiert, und zwar als berufliches Selbstkonzept, beruflicher Selbstwert und berufliche Kontrollüberzeugungen. Wie sich zeigt, ist der Einfluss auf die berufliche Identität sehr viel deutlicher bei der spezifischen Berufsgruppenzugehörigkeit als bei der individuellen Expertise.
Gerd Möll, Heike Jacobsen:
Kooperation statt Konfrontation? Neue Formen der Zusammenarbeit zwischen
Konsumgüterindustrie und Einzelhandel und ihre betrieblichen Funktionsbedingungen
Zwischen Konsumgüterindustrie und Handelsunternehmen sind traditionell und strukturell konfliktäre Beziehungen angelegt. Seit Anfang der 90er Jahre werden unter dem Stichwort "Efficient Consumer Response" (ECR) jedoch partnerschaftliche Wege der Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Handel propagiert. Eine Verwirklichung dieser Vision impliziert eine Abkehr von der bislang durch harte Auseinandersetzungen und starkes Misstrauen geprägten Geschäftspraxis. Gleichzeitig definiert sie einen Bedarf an unternehmensinternen Umstrukturierungen. Dieser Aufsatz geht den Fragen nach, welche arbeitspolitischen, organisatorischen und strategischen Veränderungen und Voraussetzungen auf betrieblicher Ebene mit dieser Umstellung verbunden sind, und warum die Aussicht auf beiderseitige Gewinne durch mehr Kooperation bislang im Alltagshandeln von Industrie und Handel keine stärkere Resonanz gefunden hat.
Bärbel Bergmann, Falk Richter:
Berufliche Handlungskompetenz bei erwerbstätigen Männern und Frauen
Trotz der zunehmenden Angleichung der Lebenspläne von Frauen und Männern wird in der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung von einer geschlechtsspezifischen Segregation des Arbeitsmarktes gesprochen. Am Beispiel einer Gelegenheitsstichprobe von 920 Erwerbstätigen in Vollzeitarbeitsverhältnissen wird gefragt, ob Geschlechtseffekte existieren in der Lernhaltigkeit der Arbeitssituation als einem Prädiktor arbeitsimmanenter Kompetenzentwicklung, in der Beschaffenheit beruflicher Handlungskompetenz, die über das Selbstkonzept mit Hilfe standardisierter Analyseinstrumente erfasst wird, und bezüglich des Anteils von Personen mit Führungsfunktion. Die Befunde enthalten kleine, aber signifikante Geschlechtseffekte in den Ausprägungen des Selbstkonzepts beruflicher Kompetenz zugunsten der Männer und sie belegen, dass Männer häufiger Führungsfunktionen ausüben. Es gibt keine Geschlechtseffekte bei der Einschätzung der Lernhaltigkeit der Arbeitssituation.
Hans A. Frambach:
Zum Verständnis von Arbeit im historischen Wandel. Eine Untersuchung
aus nationalökonomischer Perspektive
Bei dem Begriff der Arbeit handelt es sich um eine grundlegende Kategorie des menschlichen Daseins, die in der Gegenwart nahezu ausschließlich in ihrer ökonomischen Dimension, d. h. als Erwerbsarbeit, wahrgenommen wird. Analysiert wird, wie sich das Verständnis von Arbeit im Zeitablauf herausgebildet hat. Verfolgt werden vor allem zwei Ziele: 1. Eine Rekonstruktion des Verständnisses von Arbeit im ökonomischen Denken seit den ersten Schrifttümern bis in die Gegenwart; 2. die Begründung der Herausbildung eines auf die westliche Hemisphäre bezogenen dominanten instrumentell-ökonomischen Arbeitsverständnisses.
Kurzbeiträge
Norbert Reuter, Wilfried Kurtzke:
Aktive Arbeitsmarktpolitik in den neuen Bundesländern - eine Auseinandersetzung
mit der Fundamentalkritik
Olaf Katenkamp, Ulrich Grüneberg, Michael Niehaus,
Gerd Peter, Gerd Röhrl:
Einführung von Wissensmanagementsystemen in Wirtschaft und Wissenschaft
- eine aktuelle Bestandsaufnahme
Tagungsberichte
1. Tagung Innovation Arbeitsgestaltung - Zukunft der Arbeit
(Ulrike Schierholt, Dortmund)
Dimension eines Transfers zwischen neuen Dienstleistungen und Kultur
(Martina Riezler, Dortmund)
Rezensionen
Meinolf Dierkes, Ariane Berthoin Antal, John Child,
Ikujiro Nonaka (eds.):
Handbook of Organizational Learning and Knowledge
(besprochen von Hans-Werner Franz, Dortmund)
Georg Dybe, Hans Joachim Kujath:
Hoffnungsträger Wirtschaftscluster. Unternehmensnetzwerke und regionale
Innovationssysteme: Das Beispiel der deutschen Schienenfahrzeugindustrie
Hartmut Hirsch-Kreinsen, Anja Schulte (Hg.):
Standortbindungen. Unternehmen zwischen Globalisierung und Regionalisierung
(besprochen von Martina Riezler, Dortmund)
Jörg Pfeiffer:
Strukturelle Integration von Umweltmanagementsystemen in gewerblichen Betrieben.
Entwicklungsmöglichkeiten von Umweltmanagementsystemen, Interventionsmöglichkeiten
von Interessenvertretungen und Empfehlungen für die Weiterbildung von Betriebsräten
(besprochen von Guido Lauen, Köln)
G. Günter Voß, Margit Weihrich (Hg.):
Tagaus - tagein. Neue Beiträge zur Soziologie Alltäglicher Lebensführung,
Arbeit und Leben im Umbruch.
Heide Mertens:
Das Ganze der Arbeit. Lokale Ansätze für ein bedürfnisorientiertes
Wirtschaften - Neue Arbeit für Köln-Mülheim
(besprochen von Gerd Peter, Dortmund)
Replik zur Besprechung des Buches Klaus Türk:
Bilder der Arbeit. Eine ikonografische Anthologie. Wiesbaden 2000 durch Thomas
Loer in Heft 1/2002 der Zeitschrift "ARBEIT".
(Klaus Türk)
Ilse R. Schur:
Expansion des Arbeitsmarkts im Dienstleistungssektor - Haushaltsdienste für
jedermann/-frau
Dienstleistungen als Substitut für bislang überwiegend von (verheirateten) Frauen/Müttern und Heimwerkern in privaten Haushalten geleistete Arbeit werden in Deutschland zu bezahlbaren Preisen nur auf dem Schwarzmarkt angeboten. Das ergibt sich aus der in Deutschland an den Arbeitslohn gebundenen Finanzierung der sozialen Sicherung, die den Faktor Arbeit teuer macht. Entsprechend ist die Frauenerwerbsquote in Deutschland immer noch vergleichsweise gering, während sich in anderen OECD-Ländern ein enger Zusammenhang zwischen der Höhe der Frauenerwerbsquote und der Entwicklung einfacher und professioneller haushaltsnaher Dienstleistungen nachweisen lässt. Die sich neuerdings im politischen Raum abzeichnende staatliche Förderung eines Marktes für Haushaltsdienste könnte sowohl neue und zusätzliche Arbeitsplätze für die ständig wachsende Zahl Geringqualifizierter unter den Arbeitslosen, als auch bessere Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schaffen. Damit könnte eine Dynamik eingeleitet werden, die nachhaltig zu einer Expansion des Arbeitsmarkts im Dienstleistungssektor beiträgt.
Berndt Keller:
Regulierung europäischer Arbeitsbeziehungen - Das Beispiel Europäische
Aktiengesellschaft
Der Beitrag schließt eine wesentliche Lücke in der vorliegenden Literatur zur Europäischen Aktiengesellschaft (SE), indem die bislang dominierenden, rein juristischen Beschreibungen durch eine industrial relations-Perspektive ergänzt. Nach der Einleitung zu nationalen Unterschieden der Arbeitnehmerbeteiligung wird zunächst zum besseren Verständnis der SE, vor allem der wesentlichen Probleme ihrer Regulierungsmaximen, die aktuellere Entwicklung im Sinne stilisierter Fakten analysiert. Anschließend werden die Richtlinien zu Europäischen Betriebsräten sowie zur SE verglichen, wobei trotz vorhandener Gemeinsamkeiten die offensichtlichen Hauptunterschiede im Mittelpunkt stehen. Weiterhin wird belegt, dass die SE das prototypische Beispiel für einen neuen, gegenwärtig dominierenden Modus europäischer Regulierung darstellt. Der Beitrag schlussfolgert, dass die Zukunftsaussichten europäischer Arbeitsbeziehungen nach wie vor pessimistisch zu beurteilen sind.
Alexander Stoll, Peter G. Richter:
Beeinflusst der Zentralisationsgrad einer Organisation teambezogene Einstellungen
und die Qualität der Teamarbeit? - Die Formulierung einer Hypothese
am Beispiel von Pflegeteams
Am Beispiel einer Stichprobe von 22 Pflegeteams aus fünf Organisationen in der Langzeitpsychiatrie bzw. Altenpflege wird der Frage nachgegangen, ob subjektiv repräsentierte Organisationsstrukturen team- bzw. kooperationsbezogene Einstellungsmuster beeinflussen und ob das in der Folge Auswirkungen auf die Qualität der Teamarbeit sowie die subjektive Gesundheit hat. Die subjektiv wahrgenommenen Organisationsstrukturen werden anhand der Organisationsdimensionen Differenzierung, Entscheidungszentralisation und Programmierung operationalisiert. Mit den eingesetzten Skalen lassen sich in einer explorativen Faktorenanalyse die drei Organisationsdimensionen nicht replizieren. In die weitere Analyse geht die neu formulierte Dimension Zentralisation ein. Die Messung teambezogener Einstellungen und der Qualität der Teamarbeit erfolgt über vorhandene und validierte Messinstrumente, ebenso die Erfassung der Outcome-Variable subjektive Gesundheit. In einer hypothesengenerienden Pfadanalyse kann ein Modell gebildet werden, welches die begründete Annahme zulässt, dass wahrgenommene organisationale Merkmale kooperationsförderliche Einstellungsmuster begünstigen. Diese beeinflussen ihrerseits die Qualität der Teamarbeit positiv. Die subjektive Gesundheit als Indikator für Folgen kann zu einem Teil auch durch die Qualität der Teamarbeit erklärt werden. Für die weitere Erhärtung dieses Befundes ist der Einbezug objektiver Daten zur Kennzeichnung der organisationalen Rahmenbedingungen vorgesehen.
Markus C. Pohlmann:
Der Beitrag der Organisationsberatung zur Entwicklung der Organisation
Trotz der einfach erkennbaren Vorteile von Organisationsberatung gegenüber anderen Beratungsformen ist bis heute unklar geblieben, wie genau und unter welchen Bedingungen Organisationsberatung funktioniert. Der Beitrag gibt Antworten darauf, welche Interaktionsform einen Organisationsberatungsprozess konstituiert, und inwieweit sie organisationale Strukturänderungen herbeiführen kann. Dabei zeigt er am Beispiel der ostdeutschen Beratungslandschaft auf, dass der sanfte, nicht direktive Weg der Organisationsberatung harten Gestaltungsrestriktionen ausgesetzt war. Durch Organisationsberatung konnten nicht ohne weiteres wirksame Änderungseffekte erzielt werden. Organisationsberatung erwies sich, anders als ihre Vertreter postulieren, in der ostdeutschen Strukturkrise als ebenso enttäuschungsreiche wie voraussetzungsvolle Form von Beratung. Es zeigte sich, dass Organisationsberatung nur begrenzt krisentauglich war. Dabei galt: Je professionalisierter die Organisation war, desto eher schuf sie wirksame Gestaltungsformen von Beratung und desto eher gelang es ihr, durch Organisationsberatung angeregte Strukturänderungen in der Organisation zu stabilisieren.
Abstracts (English)
Kurzbeiträge
Andreas Burzik:
Flow-Erfahrungen bei Orchestermusikern.
Eine qualitative Studie über fördernde und hemmende Bedingungen von
Glückserfahrungen im Arbeitsalltag professioneller Orchestermusiker
Michael Jonas, Marion Berner, Tabea Bromberg:
Clusterbildung oder zufällige Zusammenballung?
Aspekte regionaler Entwicklungsprozesse am Beispiel der Mikrosystemtechnik im
Raum Dortmund
Rezensionen
Günther Schmid:
Wege in eine neue Vollbeschäftigung. Übergangsarbeitsmärkte und
aktivierende Arbeitsmarktpolitik
(besprochen von
Michael Jonas, Dortmund)
Wolfgang Hindrichs, Uwe Jürgenhake, Christian
Kleinschmidt, Wilfried Kruse, Rainer Lichte, Helmut Martens:
Der lange Abschied vom Malocher. Sozialer Umbruch in der Stahlindustrie und
die Rolle der Betriebsräte von 1960 bis in die neunziger Jahre
(besprochen von Hermann Kotthoff, Saarbrücken)
Wolfram Wassermann:
Die Betriebsräte. Akteure für Demokratie in der Arbeitswelt.
(besprochen von Helmut Martens, Dortmund)
Ingo Matuschek, Annette Henninger, Frank Kleemann
(Hg.):
Neue Medien im Arbeitsalltag. Empirische Befunde Gestaltungskonzepte
Theoretische Perspektiven
(besprochen von Wiebke Hartmann-Mühlisch, Bremen)
Karl H. Hörning:
Experten des Alltags. Die Wiederentdeckung des praktischen Wissens
(besprochen von Claus J. Tully, Dirk Baier, München)