Petra Sabine Wagner, Günther Wachtler:
Erwerbstätigkeiten von Rentnerinnen und Rentnern. Empirische
Aspekte eines bislang unterbelichteten Phänomens der Arbeitsgesellschaft
In diesem Beitrag wird auf ein Phänomen der Arbeitsgesellschaft aufmerksam gemacht, das bei der Gestaltung der Lebensarbeitszeit bislang kaum ein Rolle spielte: die Erwerbstätigkeit von Altersrentnerinnen und -rentnern. Die strikte Trennung von Erwerbs- und Ruhestandsphase haben diese älteren Menschen für sich aus eigensinnigen Motiven außer Kraft gesetzt. So vielschichtig sich auch ihre Lebenslagen darstellen, so sehr ist den erwerbstätigen RentnerInnen doch der Wunsch nach selbstbewußter Gestaltung der eigenen Biographie gemeinsam - wie unsere Fallbeispiele zeigen. Angesichts des beständigen Anstiegs der Zahl der älteren Menschen und dem Trend zur Frühverrentung scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis der Lebensstil erwerbstätiger RentnerInnen für die eine oder andere sozialpolitische Reform entdeckt wird.
Bernd Steffensen, Jochen Barthel:
Arbeitssicherheit als organisatorisches Entscheidungsproblem.
Sicherheitsstrategien beim Lasereinsatz in der Materialbearbeitung*
Am Beispiel der industriellen Lasermaterialbearbeitung zeigen wir, daß der betriebliche Arbeitschutz bei der Entwicklung von Sicherheitsmaßnahmen mit Entscheidungsunsicherheit konfrontiert ist. Dies verdeutlicht sich vor allem beim Umgang mit Emissionsproblemen, die sich durch eine beschränkte Wahrnehmbarkeit auszeichnen. Die Vorgehensweisen, mit denen Betriebe auf solche Unsicherheiten reagieren, werden anhand dreier empirisch gewonnener Typen betrieblicher Sicherheitsstrategien vorgestellt. Hierbei vertreten wir die These, daß der Arbeitsschutz noch keine adäquaten Formen der Problembearbeitung entwikkelt hat, um sich auf die Anforderungen einzustellen, die Gefahrstoffgefährdungen beinhalten.
Maria Funder:
Industrielle Beziehungen und regionaler Strukturwandel. Das
Beispiel Ruhrgebiet im Spiegel der Literatur
Der Aufsatz greift die kontrovers geführte Debatte über die "Wende zur Meso-Ebene" und den Bedeutungszuwachs regionaler Ökonomien auf und geht der Frage nach, welche neuen Herausforderungen sich hieraus für die Akteure und Institutionen der industriellen Beziehungen ergeben könnten. Dies geschieht am Beispiel des Ruhrgebiets. Eingegangen wird auf die Herausbildung des die Region so stark prägenden Mitbestimmungsmodells und montanindustriellen Produktionsclusters. Im Zentrum steht die Suche nach Erklärungsmustern für den Verlauf des regionalen Strukturwandels. Aufgezeigt werden Erosionstendenzen montanindustrieller Strukturen und Akteursbeziehungen. Abschließend werden erste Konturen des Wandels skizziert.
Marc G. Lucas:
Die Aufgaben der Organisation in der Streßbewältigung
von Führungskräften. Ein heuristisches Modell zur Systematisierung
präventiver und interventionistischer Maßnahmen
Durch das vorgestellte Führungskräfte-Streß-Modell, welches die in der arbeits- und organisationspsychologischen Literatur meist diskutierten transaktionalen Streßmodelle unter besonderer Berücksichtigung bestehender konkreter Streßbedingungen in der Führungskräfte- Tätigkeit in ein heuristisches Modell integriert, können bislang unverbundene Bereiche von Streßtheorie und -praxis verknüpft werden. Hiermit wird eine Systematik geboten mit der das breite Spektrum vorhandener Angebote organisationaler Streßbewältigung und Gesundheitsförderung von den klassischen individuellen Streßmanagement-Seminaren bis hin zu institutionellen Maßnahmen und von präventiven bis hin zu interventionistischen Bereichen in ihren jeweils spezifischen Wirkweisen auf das Gesamtphänomen Streß eingeordnet werden können.
Eva Senghaas-Knobloch, Brigitte Nagler, Annette Dohms:
Industrielle Gruppenarbeit aus der Erlebnisperspektive. Herausforderungen
an die beruflichen Selbstbilder
Durch die Einführung von Gruppenarbeit in Industriebetrieben werden neben den eingelebten Kooperationsformen auch die beruflichen Selbstbilder und die persönlichen Strategien der Beschäftigten zur Bewältigung von Arbeitsanforderungen tangiert. In dem Beitrag werden das Forschungsdesign und erste Befunde einer aktuellen empirischen Untersuchung dargestellt, die sich als Nachfolgeuntersuchung der Bremer Studie zur betrieblichen Lebenswelt in tayloristischen Arbeitsstrukturen versteht. Von besonderer subjektiver Relevanz für die Umstrukturierungsprozesse erweisen sich für Werker und Meister die neue Gruppenverantwortung, die Offizialisierung bisher informell gehaltener Praktiken betrieblicher Zusammenarbeit und damit die grundlegende Neubestimmung der beruflichen Selbstbilder.
Praxisbericht
Michael Lacher:
Die Einführung von Teamarbeit in einem schwierigen Umfeld
Tagungsberichte
Logistikstrukturen im Wandel - Herausforderungen an das 21. Jahrhundert
(Von Ulrich Grüneberg, Dortmund)
Die Zukunft der Arbeitspsychologie - Die Sicht der jüngeren Generation
(Von Ralf Kopp, Dortmund)
André Büssing, Sandra Aumann:
Telearbeit aus arbeitspsychologischer Perspektive. Eine Analyse
von Telearbeit anhand Kriterien humaner Arbeit
Mit der verstärkten Einführung von Telearbeit werden Fragen einer humanen Arbeitsplatzgestaltung aufgeworfen. Dieser Beitrag legt die Kriterien humaner Arbeit (Schädigungsfreiheit, Beeinträchtigungslosigkeit, Persönlichkeitsförderlichkeit, Zumutbarkeit) bei der Analyse verschiedener Formen von Telearbeit (Teleheimarbeit, alternierende Telearbeit, mobile und kollektive Telearbeit) zugrunde und wirft auf Basis empirischer Ergebnisse und einschlägiger Literatur zu diesem Thema ein kritisches Auge auf diese neue Arbeitsformen. Die Einhaltung der Kriterien humaner Arbeit impliziert positive Konsequenzen sowohl etwa für Arbeitszufriedenheit und Gesundheit als auch für betriebliche Effizienz und Effektivität. Es wird gezeigt, daß Telearbeit in seinen verschiedenen Formen die Kriterien nur begrenzt zu erfüllen vermag. Abschließend wird die notwendige Erweiterung der Kriterien humaner Arbeit um Kriterien der Sozialverträglichkeit im Hinblick auf die Gestaltung neuer Formen von Telearbeit begründet.
Frieder Naschold:
Siemens "Öffentliche Netze" (ÖN) am Scheideweg.
Eine Fallstudie zur betrieblichen Erneuerung und organisatorischer Transformation
Anhand des Unternehmensbereichs Öffentliche Netze (ÖN) werden beispielhaft die Auswirkungen von völlig geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bei Siemens dargestellt. Nach einer Skizzierung der Strukturen und Strategien der betrieblichen Erneuerung und des organisatorischen Transformationsprozesses dieses Unternehmensbereichs - mit Schwergewicht bei Personal und Organisation - wird untersucht, inwieweit eine Umstrukturierung der internen strategischen Ressourcen installiert und zu einem sich selbst tragenden organisatorischen Transformationsprozeß werden kann. Als Maßnahme hierzu dient die Einführung des TOP-Programms bei ÖN. Anschließend werden Einschätzungen und Anforderungen an ein Management des Wandels in ÖN wie im Gesamtunternehmen für zukünftige Aufgaben und Herausforderungen formuliert, z.B. ob die Balance von Beschäftigungspolitik über eine feste Stammbelegschaft einerseits, von Restrukturierung andererseits, in den bisherigen Formen aufrecht erhalten werden soll.
Patrick Lorer, Peter Knauth:
Wandel und Einflußfaktoren der Fertigungsentlohnung. Eine
empirische Untersuchung in der bundesdeutschen Industrie
Ziel dieser Untersuchung war es, neue Erkenntnisse über die Einflußfaktoren
der Lohnhöhe und Entlohnungszufriedenheit in der industriellen Fertigung
zu gewinnen, um daraus Hinweise für die Gestaltung möglichst effizienter
Entlohnungsmethoden zu erhalten. Der Wandel der Entlohnungsmethoden wird anhand
von vergangenen und erwarteten Entlohnungsveränderungen dargestellt. Weiterhin
wird durch den Lohn-Leistungs-Index (LLI) der Zusammenhang zwischen Leistung
und Entlohnung quantifiziert. Einflußfaktoren auf Lohnhöhe und Entlohnungszufriedenheit
werden dargestellt, um so aufzuzeigen, daß adäquate Entlohnungsmethoden
dazu beitragen können, die Effizienz der Fertigung, das Verantwortungsgefühl
und die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter zu steigern.
Jochen Ernst:
Alterserwerbstätigkeit und Ruhestand in Ostdeutschland
Der Artikel behandelt Tendenzen der Alterserwerbsarbeit in den neuen Ländern sowie die sozialen Folgen der vorzeitigen Berufsaufgabe. Anhand von Daten der amtlichen Statistik, der Sozialberichterstattung und eigenen Erhebungen wird gezeigt, daß sich in Ostdeutschland die Erwerbschancen in den letzten Jahren zuungunsten älterer Beschäftigter entwickelten. Die Arbeitsmarktrisiken für diese Altersgruppe werden sich dabei in Zukunft weiter verfestigen. Die berufliche Frühausgliederung wird sich wegen geänderter rechtlicher Rahmenbedingungen zunehmend schwieriger und - aus der Sicht der Betroffenen - auch ungünstiger gestalten. Die sozialen Folgen der Frühverrentung in den neuen Ländern sind differenziert zu betrachten. Trotz mitunter einschneidender Veränderungen im Lebensvollzug infolge der Berufsaufgabe, beurteilen Ältere ihre soziale Situation sehr differenziert. Die Wertungen sind - im Kontext des gesellschaftlichen Umbruchs in Ostdeutschland - ambivalent und häufig instabil, wobei die gewonnenen Befunde auf sozialpolitischen Handlungsbedarf verweisen, um die möglichen negativen Folgen der Frühverrentung, vor allem im Bereich der psychosozialen Befindlichkeit, zumindest zu entschärfen.
Wieland Jäger, Sabine Pfeiffer:
"Die Arbeit ist das lebendige, gestaltende Feuer ...".
Der Marxsche Arbeitsbegriff und Lars Clausens Entwurf einer modernen Arbeitssoziologie
In der Soziologie wächst die Kritik an den arbeitsgesellschaftlichen Strukturen und Optionen der fortgeschrittenen Industriegesellschaft. In diesem Zusammenhang geht es auch um die Entwicklung eines modernen Arbeitsbegriffs, der die inhaltliche Konzentration allein auf Erwerbsarbeit überwindet. Der Artikel zeichnet diese Theoriediskussion exemplarisch an jüngeren Beiträgen von Lars Clausen nach. In der Gegenüberstellung mit dem Arbeitsverständnis von Karl Marx, einem der Begründer der Soziologie, zeigen sich deutliche Anknüpfungspunkte auf mehreren Ebenen. Entgegen allen Erwartungen lohnt also auch für die Ausarbeitung einer zeitgemäßen Soziologie der Arbeit der Rückgriff auf die nach wie vor gültige Innovationskraft und Modernität des Marxschen Denkens.
Tagungsbericht
"Wie rette ich meinen Standort?
(Von Helmut Martens, Dortmund)
Germi Temme, Ulrich Tränkle:
Arbeitsemotionen
Die Arbeitszufriedenheitsforschung weist verschiedene Unzulänglichkeiten auf: Die zur Messung eingesetzten Fragebögen wurden in der Regel nicht theoriegeleitet entwickelt. Zahlreiche Forschungsergebnisse, die mit Hilfe dieser Fragebögen erzielt wurden, sind unplausibel. Theoretisch fundiertere Modelle beschränken sich auf kognitiv-motivationale Aspekte. Wenig diskutiert wurde bislang eine Erweiterung der Arbeitszufriedenheitsforschung durch emotionspsychologische Perspektiven. Nach einer Darstellung von Forschungsarbeiten über Emotionen in Arbeitssituationen wird eine explorative Studie zu subjektiven Vorstellungen Betroffener über emotionales Erleben von Arbeit beschrieben. In den durchgeführten Interviews zeigte sich nicht nur eine große Vielfalt von Emotionen. Deutlich wurde außerdem, daß intensive emotionale Arbeitserlebnisse sehr lange in Erinnerung bleiben. Es ließen sich auch erste Hinweise für die Annahme finden, daß persönlich bedeutsame emotionale Erlebnisse bei der Arbeit zu subjektiven Theorien verarbeitet werden.
Karl Georg Zinn:
Zwanzig Jahre Wirtschaftskrise - Signal eines Epochenwandels?
Die seit etwa 20 Jahren durch dauerhafte Wachstumsreduktion und steigende Massenarbeitslosigkeit charakterisierte Krise hat alle entwickelten Industrieländer (OECD) erfaßt. Überall treten grundsätzlich gleiche sozialökonomische Probleme auf, und es dürften trotz länderspezifischer Unterschiede letztlich gleiche Krisenursachen zugrundeliegen. Wirksame Beschäftigungspolitik müßte daher länderübergreifend von der gesamten OECD, zumindest der EU in Angriff genommen werden. Die bisherigen angebotsorientierten Versuche der Krisenbekämpfung blieben wirkungslos oder verstärkten gar die Fehlentwicklungen. Diese Konstellation wird mit Rückgriff auf empirische Befunde und theoretische Überlegungen erörtert, wobei abschließend auch kurz auf die anthropologisch erklärbare Ideologiebildung im Kontext der Wirtschaftskrise eingegangen wird.
Ralf Kopp, Michael Winther:
Verzweifelt gesucht: die neue Meisterrolle
Der vorliegende Beitrag zeichnet den Transformationsprozeß der Meisterrolle entlang seiner tayloristischen und neotayloristischen Zäsuren von den 60er Jahren bis heute nach. Das Schwergewicht liegt auf der Beschreibung aktueller Entwicklungen, wie sie sich im Rahmen von umfassenden Reorganisationsprozessen darstellen. Auf Basis betrieblicher Beratungserfahrungen werden zentrale Problemfelder bei der Entwicklung neuer Profile für die Meisterrolle benannt und auf Vorgehensweisen verwiesen, die einen Beitrag zu betriebsspezifischen Lösungen leisten können. Ergänzt wird dieser Beitrag durch eine Übersicht, in der die künftigen Meisteraufgaben, Qualifizierungsbedarfe und Rollenbilder zusammengetragen wurden.
Martin Kröll:
Ein integratives Konzeptzur beruflichen Kompetenzentwicklung
Die Bewältigung des technologischen und strukturellen Wandels ist zu einer existentiellen Frage für Unternehmen geworden. Innovative kleine und mittlere Unternehmen sind herausgefordert, die Diffusion von technischen und organisatorischen Veränderungen zu beschleunigen. Den Kompetenzen der Fach- und Führungskräfte fällt dabei gleichzeitig eine limitierende und eine initiierende Rolle zu. Der einseitige Technologie-Push stößt jedoch auf veraltete Organisationsstrukturen und fehlende Kompetenzen. Um suboptimale Lösungen zu vermeiden ist es deswegen erforderlich, Personal-, Organisations- und Technikentwicklung aufeinander abzustimmen und zu integrieren. Als Folge werden Führungskräfte vermehrt gefordert sein, strategisches Weiterbildungsmanagement zu betreiben. Vermeintlich geniale bis ins letzte ausgetüftelte Pläne helfen dabei wenig. Vielmehr stellt das Weiterbildungsmanagement eine Nicht-Routinetätigkeit dar, deren Ausgangspunkte die Hemmnisse sind, die ein effektives und effizientes Weiterbildungsmanagement be- und verhindern sowie die unterschiedlichen Rollenverständnisse der Führungskräfte von Klein- und Mittelunternehmen und die damit verbundenen Organisationsmuster. Dabei gilt es, auf die Eigeninitiative zur Kompetenzentwicklung zurückzugreifen und diese zu nutzen sowie die entsprechenden erforderlichen organisatorischen Bedingungen zu schaffen.
Karin Büchter:
Betriebliche Frauenförderung durch Weiterbildung
Entgegen der von der Regierung und den Arbeitgebern in der Öffentlichkeit verbreiteten Annahme, daß eine Aufwertung innerbetrieblicher Qualifizierung mit zunehmenden beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten für Frauen einhergeht, kristallisiert sich die betriebliche Weiterbildung als Instrument der Reproduktion von Chancenungleichheit zwischen Männern und Frauen heraus. An die Stelle einer aktiven Gleichstellungspolitik durch die Vergabe notwendiger Qualifizierungschancen findet eine Remobilisierung traditioneller Legitimationsmuster für geschlechtsspezifische Ungleichheit im Beschäftigungssystem statt. Im folgenden Beitrag werden unter Rekurs auf bekannte empirische Ergebnisse diejenigen Schwierigkeiten rekonstruiert, mit denen gleichstellungspolitische Vorhaben durch betriebliche Weiterbildung zu kämpfen haben.
Praxisberichte
Wolfgang Will, Hubert Resch:
Fortbildung - ein Baustein zur Organisationsentwicklung bei der Bremer
Straßenbahn AG
Günter Neubauer, Paul Oehlke
Überlegungen zur Weiterentwicklung des arbeitspolitischen Innovationsverständnisses
im FuE-Programm Arbeit und Technik (AuT)
Tagungsberichte
Perspektiven der Weiterbildung für die Wirtschaft - Kosten und Effizienz
betrieblicher Weiterbildung
(Von Martina Riezler, Dortmund)
Soziologische Beratung
(Von Verena Zech, Köln)
Christine Fromm:
Betrieblicher Gesundheitsschutz und Soziale Selbstverwaltung
Der betriebliche Gesundheitsschutz befindet sich derzeit in einem Umbruch, der hohe Anforderungen an das Reform- und Modernisierungspotential der Selbstverwaltungen von Unfall- und Krankenversicherung stellt. Voraussetzung für eine bedarfsgerechte Modernisierung könnte eine funktionierende Selbstverwaltung als institutionalisiertes Modell der Partizipation sein. Auf der Grundlage neuen empirischen Materials wird gezeigt, wie sich strukturelle Rahmenbedingungen der Selbstverwaltung ungünstig auf die Entfaltung des Laienpotentials auswirken. In der Krankenversicherung verstärkt darüberhinaus die Strukturreform die Zentralisierung der Willensbildung, Expertendominanz und partizipatorisches Defizit. Jenseits der institutionalisierten Formen entwickeln sich aber neue Initiativen der Partizipation, die Anstöße für die Weiterentwicklung der Selbstverwaltung enthalten.
Manfred Auer:
Die Beschäftigungsproblematik älterer Arbeitnehmer
aus betrieblicher Perspektive
Der vorliegende Beitrag stellt Ergebnisse einer empirischen Untersuchung im österreichischen Bundesland Tirol über die Beschäftigungsproblematik älterer Arbeitnehmer vor. Befragt wurden Personalleiter und Betriebsräte von Betrieben sowie Personalverantwortliche des öffentlichen Sektors. Die zentralen Fragestellungen beziehen sich insbesondere auf drei Bereiche: 1. Die Altersgrenze, ab der das Alter von Arbeitnehmern zu einem Faktor für ein höheres Arbeitsmarktrisiko wird. 2. Die Gründe für bzw. gegen eine Einstellung/Freisetzung von Älteren. 3. Die Einschätzung von Lösungsansätzen auf gesetzlicher, kollektivvertraglicher, betrieblicher und individueller Ebene.
Rolf Gust:
Computerunterstütztes Lernen am Arbeitsplatz
Weiterbildung am Arbeitsplatz rückt immer mehr ins Interesse von Bildungsforschern und -planern. Mediale Unterstützung erhoffen sie sich dabei von arbeitsplatznah einzusetzenden, computerbasierten Lernprogrammen (CUL). Daran orientierte Bildungskonzepte bewegen sich im Spannungsfeld jeweiliger betrieblicher Bedingungen, den Lernvoraussetzungen der Adressaten und softwaretechnischen Umsetzungsmöglichkeiten des Lerninhaltes. Anhand neuester Fachliteratur sollen vor dem Hintergrund eines Modellversuchs zur Einführung präventiver Qualitätssicherungsmethoden die Möglichkeiten und Probleme des Einsatzes von arbeitsplatznahen, computerunterstützten Lernprogrammen in kleinen und mittleren Betrieben des Maschinen- und Anlagenbaus erörtert werden
Peter Friedrich, Annika Lantz:
Organisatorische Freiheitsgerade durch Arbeit in Gruppen. Erfahrungen
aus drei Ländern.
Ausgehend vom weltweiten Umstrukturierungsprozeß bei ABB wird untersucht, inwieweit die Gestalt der Arbeit in Produktionsgruppen sich, aufgrund lokal geprägter Vorgehensweisen und Stellungnahmen bei der Umsetzung organisatorischer Freiheitsgrade in Tätigkeitsspielräume, divergent oder konvergent entwickelt, und dadurch mehr oder weniger gute Möglichkeiten zur Kompetenzentwicklung angeboten werden. Empirische Grundlage sind Einzelinterviews mit Gruppenmitgliedern (n=49) von sechs Gruppen in vier Werken der Turbinenproduktion in Deutschland, der Schweiz und in Schweden. Die Resultate zeigen, daß obwohl in vergleichbaren Produktionsabschnitten Gruppenarbeit eingeführt wurde, der Nutzungsgrad vorhandener organisatorischer Gestaltungsfreiheiten so unterschiedlich ist, daß manche Gruppen nur über Handlungsspielraum in ihrer Arbeit verfügen, während sich in anderen Gruppen die Arbeitsaufgaben auf der Ebene der Gestaltungs- und Entscheidungsspielraums bewegen. Die Unterschiede werden durch die von der Gruppen gemeinsame entwickelte Arbeitsorientierung erklärt: Objektorientierung, passive Zielorientierung oder aktive Zielorientierung.
Paula Keller:
Arbeitsplatz oder Spielplatz? Das Verhältnis von Arbeiten
und Spielen am Arbeitsplatz von Software-Entwicklern.
Am Beispiel der Arbeit von Software-Entwicklern und Software-Entwicklerinnen wird die Aussage überprüft, daß Arbeiten und Spielen zusammengehören, daß sie in einem bestimmten Verhältnis, einem dialektischen Verhältnis stehen. Grundlage der Darstellung ist eine Einzelfallstudie. Der vorliegende Text ist ein Ausschnitt. Er enthält Überlegungen zum Vorverständnis, zum methodischen Aufbau der Untersuchung, sowie die Einzelfallstudie - die Beschreibung und Auswertung von Beobachtungen in einer kleinen Software-Firma in Berkeley/Californien. Das Ziel dieser empirischen Untersuchung ist herauszufinden, ob Software-Entwickler und Software-Entwicklerinnen beim Arbeiten spielen.
Praxisberichte
Dieter Mahlberg
Innovations- und Transferprozesse in NRW
Thesen aus Arbeitnehmersicht
Tagungsberichte
Sozialstaat und Beschäftigungsunion - Stiefkind Europas
(Von Michael Mohri, Köln)
"Armut der Kommunen - Armut in den Kommunen: Gibt es eine Zukunft für
die Soziale Stadt?"
(Von Verena Zech, Köln)