Zeitschrift Arbeit, Jahrgang 1995

Heft 1 - Heft 2 - Heft 3 - Heft 4

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Heft 1/1995

Mechtild Oechsle:
Erwerbsorientierungen und Lebensplanung junger Frauen

Der Beitrag gibt einen Überblick über den Stand der Forschung zu weiblichen Erwerbsorientierungen und beschreibt anhand der empirischen Ergebnisse einer Studie zur Lebensplanung junger Frauen die Ausdifferenzierung weiblicher Erwerbsorientierungen im Kontext der jeweiligen Lebensplanung. Es wird die These vertreten, daß die Entwicklung von handlungsleitenden Orientierungen gegenüber Erwerbsarbeit für Frauen eine spezifische Konstruktionsleistung darstellt. Sie umfaßt nicht nur die individuelle Entwicklung von Orientierungen gegenüber Erwerbsarbeit, sie ist zugleich die Konstruktion neuer, kultureller Modelle für die Relation zwischen Erwerbsarbeit und privatem Lebensbereich.

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Magdalene Deters:
Sind Treue und Vertrauen männliche Beziehungsmodelle?

Vertrauen spielt in offenen Arbeitsprozessen und für die Steuerung flexibilisierter Strukturen in modernen Unternehmen eine wichtige Rolle. Die Bedeutung von Vertrauen liegt in der Reduktion sozialer Komplexität, wodurch die Berechenbarkeit sozialen Handelns in unsicheren Situationen erleichtert wird. Aus diesen Festellungen ergeben sich Fragen in bezug auf implizite und explizite personale und strukturelle Voraussetzungen, die Prozessen der Vertrauensbildung förderlich sind. Damit einher geht die Vermutung, daß aufgrund impliziter Erwartungen an soziale Eigenschaften und Verhaltensweisen davon abweichende soziale Gruppen selektiert werden. Vertrauen charakterisiert sich als Selektionsmechanismus. Dies betrifft in Arbeitsorganisationen vor allem - so die These - hochqualifizierte Frauen. Soziale Schließungen gegenüber Frauen in professionalisierten Arbeitsbereichen stehen insofern in einem engen Zusammenhang mit der Bedeutung von Vertrauen in Arbeitsprozessen. Unter diesem Blickwinkel sind insbesondere die beruflichen Chancen von Frauen in professionalisierten Arbeitsbereichen und modernen Unternehmen von Interesse.

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Edelgard Kutzner:
Gestaltungspotentiale un- und angelernter Arbeiterinnen im Prozeß der Arbeitsstrukturierung

Anhand eines betrieblichen Beispiels wird gezeigt, wie durch kollektives Handeln einer Gruppe von Frauen Gestaltungspotentiale sichtbar und für arbeitsorganisatorische Verbesserungen nutzbar gemacht werden können. Die Entwicklung der Arbeitsorganisation wird analysiert als sozialer Aushandlungsprozeß, an dem die Frauen aktiven Anteil haben. Dieser insgesamt offene Entwicklungsprozeß, so die These, kann auch Perspektiven der Neuordnung des Geschlechterverhältnisses im Betrieb bieten. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fällen von Arbeitsstrukturierung i. S. von job enrichment (Arbeitsbereicherung) handelt es sich im untersuchten Fall um eine arbeitsorganisatorische Innovation „von unten“ (bottom-up). Arbeitsbereicherung, Qualifizierung und Lohnerhöhung wurden durch kollektives Handeln der Frauen gegen den Widerstand von Vorgesetzten durchgesetzt. Im Verlaufe dieses Veränderungsprozesses entwickelte sich ein bestimmtes solidarisches Verhalten, das es gerechtfertigt erscheinen läßt, die Arbeiterinnen als „Gruppe“ zu bezeichnen.

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Ingo Bode:
Solidarität und Beruf

Die Gestaltung und Veränderung berufsbezogener Solidaritätsmuster ist grundlegend für die Handlungslogik von Beschäftigtengruppen und die Formen ihrer Interessenartikulation im Bereich der Arbeitsbeziehungen. Das Beispiel der französischen Krankenschwestern zeigt, wie sich vor dem Hintergrund sozialer und organisationaler Entwicklungen im Pflegebereich sowie spezifischer institutioneller Rahmenbedingungen neue Spielräume zur Interessenformierung ergeben können - und zwar durch eine Transformation des im Pflegeberuf lange Zeit dominanten Solidaritätstypus. In den Arbeitskonflikten von 1988 und 1991 erreichten die Krankenschwestern substantielle Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen. Langfristig aber ergeben sich Probleme.

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Jutta Steinke:
Gewerkschaften und lokale Arbeitspolitik in Ostdeutschland

Im Ergebnis des bisherigen gewerkschaftlichen Organisationsaufbaus in Ostdeutschland und angesichts knapper Ressourcen und oft sehr großflächiger örtlicher Organisationsgliederungen (DGB-Kreise und Verwaltungsstellen der Mitgliedsgewerkschaften) entwickeln sich - unter manchen Schwierigkeiten - zum Teil neue Formen der Kooperation im Verhältnis von DGB und Mitgliedsgewerkschaften. Will man sie entfalten, so besteht die Notwendigkeit einer Neubestimmung der Zuständigkeiten des Dachverbandes sowie auch seines Verhältnisses zu den Mitgliedsgewerkschaften. Sollte es dem DGB in den neuen Ländern gelingen, sich auf lokaler und regionaler Ebene stärker zu etablieren und sich im Kreis der bedeutenden regionalen Akteure durch Sachverstand Gehör zu verschaffen, so könnte dies ein Signal auch für die Organisation in den alten Bundesländern werden, wo es im Augenblick so scheint, daß die Weichen anders gestellt werden.

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Tagungsberichte

„Aufbrüche - Umbrüche“ Perspektiven der Frauenerwerbstätigkeit in NRW
(Von Martina Riezler, Dortmund)

Berufsausbildung in den östlichen Bundesländern oder: die „endlose Übergangssituation“ im Osten
(Von Susanne Eichler, Dortmund)

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Heft 2/1995

Thomas Schwager, Ivars Udris:
Der mühsame Weg zur Gruppenarbeit

Die Einführung von Gruppenarbeit in einem Montagebetrieb des Fahrzeugbaus wird in einer qualitativen Fallstudie anhand von 15 Einzelinterviews und drei Gruppendiskussionen mit den beteiligten Montageleitern, Inselleitern und Montagearbeitern rekonstruiert. Die Fragestellung lautet: Welches sind die Chancen der Mitarbeiter, sich auf die Gruppenarbeit einzulassen und sich neue Qualifikationen anzueignen, und welches sind die Barrieren, die sie daran hindern? Fünf Monate nach Einführung der Gruppenarbeit zeigt sich, daß die Mitarbeiter in ihrem Denken noch stark von der alten Organisationstruktur geprägt sind. Die Vorgesetzten, die Insel- und Montageleiter, fühlen sich von der Neuorganisation überfordert, während die Mitarbeiter der untersten Stufe erst wenig über die Gruppenarbeit wissen. Die Chancen zur Gruppenarbeit liegen in der persönlichen Herausforderung, die Umorganisation zu bewältigen. Die Barrieren sind der Aufbau eines funktionierenden Informationssystems und die Identifikation mit den neuen Arbeitsrollen. Probleme zeigen sich vor allem im Reorganisationsprozeß, der einer “top-down”-Strategie folgte - unter Vernachlässigung partizipativer Spielregeln.

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Annika Lantz:
Gruppenarbeit in der schwedischen Industrie

Vorliegende Literaturrecherche gibt einen systematischen Überblick über schwedische Erfahrungen (1970-1993) mit neuen Produktionsformen, insbesondere der Einführung von Gruppenarbeit in der industriellen Produktion. Die Analyse von 261 schwedischen Veröffentlichungen über Arbeit in Gruppen zeigt, daß die Mehrheit der Studien sich auf Arbeitsaufgaben, Produktionstechniken und Aspekte der Arbeitsorganisation konzentrieren. Aus sozialpsychologischer Perspektive heraus kann festgestellt werden, daß anderen wichtigen Faktoren, die für das Zusammenspiel innerhalb von Arbeitsgruppen von Bedeutung sind, weniger Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Wie einzelne Rahmenbedingungen dieses Zusammenspiel beeinflussen, und was diese Interaktion charakterisiert, wird nicht systematisch in der empirischen Forschung über Arbeit in Gruppen im industriellen Bereich behandelt.Die Ergebnisse dieser Literaturübersicht weisen auf das Bedürfnis nach interdisziplinären Ansätzen für die Erforschung der Auswirkungen von Arbeit in Gruppen im industriellen Bereich hin. Sozialpsychologische Theorien sollten fähig sein, einen Beitrag zur Beschreibung und zum Verständnis der aufgezeigten komplexen Interaktion zwischen Rahmenbedingungen und dem Zusammenspiel innerhalb von Gruppen zu leisten.

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Helmuth Rose:
Erfahrungsgeleitete Arbeit und Kooperation als Leistungspotentiale gruppenorientierter Produktionsstrukturen

In der Diskussion um die Erhöhung von Produktionsflexibilität und Entwicklungspotentialen gewinnen Konzepte für neue Formen der Arbeitsorganisation mehr und mehr an Gewicht. Im Kern geht es dabei um den Einsatz von Gruppenarbeit in Verbindung mit der Neuverteilung „höherwertiger“ Aufgaben. Diese Kerngedanken können durch Erkenntnisse um „computergestützte erfahrungsgeleitete Arbeit (CeA)“ wesentlich bereichert werden. Individuelle Erfahrungsnutzung und interpersoneller Erfahrungsaustausch schaffen vor allem Leistungspotentiale für die Bewältigung „kritischer“ Arbeitssituationen in der Produktion. Da diese im Zuge des Ausbaus komplexer Prozeßketten voraussichtlich anwachsen werden, wird auch die Bedeutung der „erfahrungsbasierten“ Leistungspotentiale in Zukunft zunehmen. Finden sie in der Folge eher Berücksichtigung, ergeben sich neuartige Anforderungen und Leitbilder für eine integrierte Arbeitsgestaltung und Technikentwicklung.

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Wolfram Schindler, Ernst Hartmann, Paul Fuchs-Frohnhofen:
Handlungsorientierte und facharbeitergerechte Gestaltung von Arbeitsabläufen

Die innerhalb der Arbeitspsychologie formulierte Handlungstheorie wurde implizit häufig im Zusammenhang mit der Gestaltung von CNC-Steuerungen herangezogen, um Kriterien für die Technikgestaltung zu entwickeln und Technik zu evaluieren. Der explizite Bezug wurde selten klar herausgestellt. Dem deduktiven Weg in Form von aus der Handlungstheorie abgeleiteten Gestaltungskriterien wurde kaum der induktive Weg, z.B. in Form von Facharbeiterbefragungen direkt gegenübergestellt. Dies, sowie die Integration in eine deduktiv/ induktive Vorgehensweise bei der Technikgestaltung, soll mit dem vorliegenden Beitrag geleistet werden.

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Francesco Garibaldo:
Die Diskussion um das Total-Quality-Konzept. Reflexionen aus Italien

In den vergangenen Jahren ist in Italien die Auseinandersetzung um den Charakter des Total- Quality-Konzeptes zunehmend in den Mittelpunkt der industriesoziologischen Diskussion gerückt - vor allem im Zusammenhang mit den in den FIAT-Werken erfolgten. Reorganisationsprozessen. In diesem Beitrag soll der ausgeprägte politische Charakter der Einführung von Total-Quality-Konzepten nachgewiesen werden. Im Mittelpunkt des Wandels der Organisationsstrukturen stellt sich das Problem der Enthierarchisierung und damit der Überwindung des traditionellen Systems sozialer Kontrolle. In der Praxis lassen sich diesbezüglich zwei Ansätze unterscheiden: In einigen wenigen Fällen wird versucht, diesen Prozeß mittels der kollektiv verhandelten Einführungen auf Selbstregulierung basierenden Arbeitsorganisation konsequent voranzutreiben; in der überwiegenden Mehrheit der Betriebe jedoch versucht das Management, den Prozeß der organisatorischen Neustrukturierung in unilateraler Weise und unter weitgehender Beibehaltung des Systems sozialer Kontrolle zu steuern.

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Tagungsberichte

„Lean Management - Apokalypse für qualifizierte Angestelltenarbeit oder Chance für soziales Management „
(Von Martin Malberg, Dortmund)

Die Arbeitswissenschaften auf der Suche nach Wirksamkeit in der Qualitätsdiskussion
(Von Andreas Renner, Düsseldorf)

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Heft 3/1995

Bernd Hofmaier, Claudius H. Riegler:
Staatlich geförderte Unternehmensentwicklung in Schweden

Gegen den Hintergrund der schwedischen Reformbewegung im Arbeitsleben wird eines der größten schwedischer Programme - auch international gesehen - beschrieben. Der "Schwedische Fonds für das Arbeitsleben" finanziert z. Z. 24.000 sogenannte Arbeitsplatzprogramme von unterschiedlichem Umfang. Gemeinsam für diese Programme ist deren Integration von drei Schwerpunkten - Verbesserungen der Arbeitsbedingungen im engeren Sinn, arbeitsorganisatorische Veränderungen und Maßnahmen zur Rehabilitierung von Langzeitkranken. Das übergreifende Ziel ist Dezimierung der sozialen Kosten und Verbesserung der Produktivität. Anhand von Fallstudien im Rahmen des Evaluierungsvorhabens, werden einige Prinzipien für die erfolgreiche Durchführung der Programme in der Elektro/nik/ industrie beschrieben.

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Josef Schmid, Ulrich Widmaier:
Strukturen und Typen der Fertigung im Umbruch

angesichts des umfassenden Strukturwandels verhalten. In der Literatur werden vielfältige Produktionsformen zwischen Taylorismus und Post-Taylorismus als Folge der Umstrukturierungsprozesse konstatiert. Auf der Grundlage von Daten und Analysen der Panel-Erhebung des Bochumer SFB 187 wird eine Fertigungstypologie entworfen, mittels derer sich unterschiedliche Produktionskonzepte in Gruppen einteilen lassen. Dabei wird besonders der Einfluß von Betriebs- und Losgröße auf die betrieblichen Strukturen und Strategien deutlich. Bei der Frage nach einem geeigneten theoretischen Ansatz für die Analyse des betriebsstrukturellen Wandels vertreten die Autoren eine institutionalistische Perspektive zwischen den klassischen Ansätzen der Betriebswirtschaftslehre und der sozialwissenschaftlichen Verhaltenstheorie.

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Jürgen Schmidt-Dilcher:
Zur Reanimation von Betriebssoziologie

Die deutsche Industrie- und Betriebssoziologie ist in ihrem „Zugriffshabitus“ traditionell auf empirische Fakten ausgerichtet, welche unmittelbares gesellschaftstheoretisches Verallgemeinerungspotential zu versprechen scheinen. Dies versperrte ihr auch schon in der Vergangenheit den Einblick in den Gesamtzusammenhang konkreter Betriebe. Angesichts des aktuell stark erhöhten Veränderungsdrucks auf Produktionsstätten jedoch macht sich das immer noch stark eingeschränkte industriesoziologische Erkenntnisinteresse hinderlich für Forschungsvorhaben bemerkbar. An einem Fallbeispiel wird das strukturkonservierende Auseinandertreten neuer systemintegrativer Imperative (hier: Produktion in flexiblen Fertigungsinseln) einerseits und der gewachsenen Sozialintegration andererseits illustriert. Um solche Erscheinungen in ihren Ursachen und ihrer Reichweite besser erklären zu können, plädiert der Beitrag für einen Ausbau betriebssoziologischer Kapazitäten der Disziplin. Diese hätten sich vor allem der Analyse von Zusammenhängen und eventuellen Widersprüchen zwischen systemintegrativen Voraussetzungen und Erfordernissen betrieblicher Restrukturierung einerseits und etablierten (mikro)politischen Handlungskonstellationen sowie deren kultureller Fundierung andererseits zu widmen.

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Wolfgang Kapp:
Stufen der Institutionalisierung von Mitbestimmung in Ostdeutschland

Aufgrund ihrer langjährigen Bewährung ist die betriebliche Mitbestimmung in Westdeutschland in Bewußtsein und Verhalten der Beteiligten zu einer kaum mehr hinterfragten Selbstverständlichkeit geworden. Der betriebliche Mitbestimmungsalltag in den neuen Bundesländern entwickelt sich jedoch unter einem Spannungsverhältnis inhomogener Deutungsmuster, Anforderungen, Erwartungen und Handlungshorizonte. Wir sehen betriebliche Mitbestimmung als eine Institution der Arbeit an und behaupten, daß in Ostdeutschland weiterhin ein institutioneller Entwicklungsprozeß im Gange ist, dessen Ergebnis nicht abzusehen ist. Vorwiegend am Beispiel einer Betriebsfallstudie (zwei weitere kontrastive Fallstudien werden mit herangezogen) zeichnet dieser Aufsatz die Entwicklungsphasen nach. Zur Erklärung werden die Alltagsstrukturen untersucht: in ihrer theoretischen Bedeutung bei der Konstitution institutioneller Wirkstrukturen und anhand beobachteter betrieblicher Alltagssituationen. Es wird deutlich, daß sich innerbetriebliche Beziehungen zur Regulierung von Arbeit und ein Rationalitätsmilieu als Ausdruck gemeinsam erweiterter Bewußtseinshorizonte nebeneinander strukturell ausgeprägt haben. Der sporadisch stattfindende Dialog konnte jedoch bisher nicht institutionalisiert werden.

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Tagungsberichte

„Wirtschaftsstandort Neue Bundesländer- Bildungsstandort Neue Bundesländer: Brauchen wir eine neue Ausbildungskultur?“
(Von Michael Mohri, Köln)

„Public schemes promoting active involvement of employees in innovation“
(Von Erich Latniak, Gelsenkirchen)

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Heft 4/1995

Henning Keese:
Die Einführung teilautonomer Gruppenarbeit: Probleme und Gestaltungshinweise

Gruppenarbeit ist eine der häufigsten betriebssoziologischen und arbeitswissenschaftlichen Themenstellungen und wird von Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerseite positiv bewertet. Im Hintergrund bleiben sowohl betriebspraktische Probleme als auch gruppensoziologische Erkenntnisse, die u.a. aufgrund des gruppeninternen Selbstregulierungsprinzips auf erhebliche Schwierigkeiten der Planung, Einführung und Konsolidierung von Gruppenarbeit eingehen. Nach einer Analyse der Auswirkungen der Einführung von Gruppenarbeit werden Aufgaben und Funktionen des Gruppenmanagements vorgestellt. Durch Gruppenmanagement werden die Selbstregulierungspotentiale der Gruppenarbeiter und der Gruppe, die Entwicklung von Vereinbarungen und Strukturen der gruppeninternen und -externen Kooperation und Prozesse der Konfliktbewältigung in Zusammenhang mit Gruppenarbeit gefördert und unterstützt.

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Hartmut Hirsch-Kreinsen:
Neue Rationalisierungskonzepte: Grenzen und Chancen für die Betriebsratspolitik

Der Beitrag setzt sich mit den widersprüchlichen Konsequenzen neuer Rationalisierungskonzepte für Betriebsräte auseinander und resümiert die bisherige Diskussion zu diesem Thema. Fraglos ist zunächst von einer Erosion traditioneller Machtpositionen der Betriebsräte auszugehen. Freilich ist dieser generelle Befund zu differenzieren. Zumindest in relevanten Teilbereichen der Produktion mit hohem Automatisierungsgrad sowie in Produktionsprozessen nicht-tayloristischen Formen der Arbeitsorganisation lassen sich neue Macht- und Einflußpotentiale der Betriebsräte ausmachen. Ihre Umsetzung in konkrete Politik bleibt allerdings prekär und erfordert neue Handlungskonzepte der betrieblichen Interessenvertretung.

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Rüdiger Klatt:
Moderne Betriebsratsarbeit im Großbetrieb

Der Aufsatz soll anhand einer Intensivfallstudie, die nach der Methode der konstruktivistischen Hermeneutik durchgeführt wurde, die Chancen und Grenzen einer sich modernisierenden Betriebsratsarbeit in Großbetrieben aufzeigen. Zum einen beleuchtet die Studie schlaglichtartig die Rolle des Betriebsrates als relativ autonome Instanz zur Gestaltung, Vermittlung und (Re-) Integration ausdifferenzierter, innerbetrieblichen Sonder-Diskurse, die sich u.a. entlang der funktional differenzierten, selbstreferentiellen Subsysteme in Großbetrieben bilden, zum anderen die Gefahren, die aus dieser Neudefinition der Betriebsratsarbeit entstehen können: Eine zu weitgehende Entkopplung und Verselbständigung der Betriebsratsarbeit birgt das Risiko des Akzeptanzverlustes in der Belegschaft in sich, das im vorliegenden Fall zum Scheitern des Betriebsrates geführt hat.

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Joke Frerichs:
Zum Begriff des Politischen in den industriellen Beziehungen

Ausgehend von theoretischen Überlegungen (Habermas; Luhmann; Beck; Negt/Kluge) zum Verhältnis von Politik und Ökonomie unter Aspekten der Steuerungskapazität und Rationalität politischer Systeme, werden einige der für die Gestaltung betrieblicher Produktionsprozesse entwickelten Politikansätze (Arbeitspolitik, Mikropolitik) skizziert. Im Anschluß daran wird unter Bezug auf betriebliche Partizipationsprozesse der Versuch unternommen, diese daraufhin zu überprüfen, inwieweit sie einen Beitrag zur Überwindung vorhandener Kompetenz- und Legitimationsdefizite in den industriellen Beziehungen im Betrieb zu leisten vermögen.

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Hermann Kotthoff:
Betriebsräte und betriebliche Reorganisation

Einige mir zentral erscheinende Aspekte der institutionellen Konfiguration des Betriebsrats stehen im Mittelpunkt. Davon ausgehend werden zwei Thesen vertreten: erstens, daß die Erwartung „alternativer Gestaltungskonzepte“ ein entschieden überhöhter Anspruch an den Betriebsrat ist, der zu fortwährenden Enttäuschungen führen muß, und daß umgekehrt die verbreitete Geringschätzung „folgenorientierter Schutzpolitik“ gerade angesichts der aktuellen Herausforderungen kontraproduktiv ist. Zweitens, daß die Bedeutung der Stellvertreterfunktion des Betriebsrats durch die neuen beteiligungsorientierten Organisationskonzepte nicht ab-, sondern zunehmen wird, und daß deshalb eine Reduzierung seines Funktionsverständnisses auf die Moderation ein zweifelhafter Rat ist. Modernisierung des Betriebsrats bedeutet daher primär: in der neuen Organisationswelt neue Wege für die Reproduktion seiner alten institutionellen Stärke zu finden.

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Tagungsberichte

„Alternative Strategien zur Bewältigung von ordnungspolitischen Veränderungen im ÖPNV“
(Von Wolfgang Will, Bremen)

Betriebliche Frauenförderung - ein Ansatz regionaler Frauenpolitik
(Von Martina Riezler, Dortmund)

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