Gertrud Kühnlein, Norbert Wohlfahrt:
Lean administration/lean government - ein neues Leitbild für
die öffentlichen Verwaltungen?
Die krisenhaft zugespitzte Haushaltssituation in den öffentlichen Verwaltungen der Bundesrepublik hat - unter dem Stichwort “lean government/lean administration” - eine Debatte um die Effektivität der Verwaltungsorganisation ausgelöst. Dabei weisen die bisher in den bundesdeutschen Kommunalverwaltungen praktizierten Restrukturierungsmodelle eher auf ein sehr verkürztes Verständnis des Leitbilds “schlanke Verwaltung” hin, das sich vorrangig an im Bereich der Privatwirtschaft erprobten Rationalisierungsstrategien orientiert. Notwendig wäre dagegen eine Diskussion um die zukünftige Arbeitsteilung von öffentlicher Verwaltung und politischem System und - auf dieser Basis - eine Neubestimmung der zu bewältigenden kommunalen Aufgaben und einer modernen Personal- und Organisationsstruktur.
Kurt Landau, Regina Brauchler, Wolfgang Brauchler,
Wolfgang Ballé, Ulrich Blankenstein:
Prognose arbeitsbedingter Erkrankungen
Diese Studie hat das Ziel, die Eignung arbeitsanalytischer Verfahrensweisen zur Prognose möglicher arbeitsbedingter Schädigungen zu überprüfen. Mit Hilfe der Erkenntnisse aus Arbeitswissenschaft, Arbeitsmedizin und Entscheidungstheorie wurde ein umfassendes belastungsanalytisches (130 Items) und epidemiologisches (355 Items) Instrumentarium zum Nachweis und zur Prognose arbeitsbedingter Schädigungen erarbeitet und dessen Funktionsweise exemplarisch an 348 Probanden in 59 verschiedenen Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten im Tagebergbau überprüft.
Christian von Ferber:
Fehlzeiten und Krankenstand - Forschungsansätze und offene
Probleme
Krankenstands- und Fehlzeitenforschung ist angewandte Forschung, die aktuellen Interessenlagen folgt. Sie ist überwiegend Sekundärdatenforschung, die die von Krankenkassen und Personalverwaltungen für ihre Zwecke erhobenen Daten für wissenschaftliche Fragestellungen nutzt. Diskontinuitäten und Wandel im Interesse an der Auswertung von Krankenständen und Fehlzeiten haben einen kumulativen methodischen und theoretischen Erkenntnisfortschritt in der Fehlzeiten- und Krankenstandsforschung verhindert. Die für Außenstehende unerwartete Aktualisierung der interessenbezogenen Bewertung von Krankenständen und Fehlzeiten in der sozialpolitischen Diskussion hat die Forscher überrascht und in Verlegenheit versetzt, weil sie ihnen Antworten auf Fragen aberwartet, die den Forschungsstand überfordern.
Michael Schlese, Florian Schramm:
Arbeitsmarkt und Wohlfahrt in Ostdeutschland
Wir untersuchen das Verhältnis zwischen Arbeitsplatzunsicherheit und Arbeitseinstellungen in Ostdeutschland seit 1990. Mit Hilfe der ersten drei Wellen des Sozioökonomischen Panels (SOEP) ist es möglich, die Verteilung und die Struktur der Arbeitsplatzunsicherheit in Ostdeutschland im Zeitverlauf zu beschreiben. Außerdem können die Wirkungen unsicherer Beschäftigungsverhältnisse auf die individuellen Erwartungen und die Zufriedenheiten der Betroffenen untersucht werden. Die Anwendung eines Lisrel-Modells ermöglicht es, von einzelnen Variablen ausgehend verallgemeinernde Aussagen zu machen, wobei Meßfehler berücksichtigt werden. Wir betrachten die Arbeitszufriedenheit als ein Wohlfahrtsmaß. Wenn man darunter die Schaffung gleicher Lebensqualität versteht, kann die Wiedervereinigung nicht als erfolgreich betrachtet werden. Darüber hinaus erwarten wir Konsequenzen für die Integration der Beschäftigten in Ostdeutschland. Der Wiederaufbau dürfte durch die Arbeitsplatzunsicherheit, die eine Unzufriedenheit mit der Arbeit verursacht, negativ beeinflußt werden.
Frieder Naschold:
Nationale Programme zur Innovationsentwicklung
Die folgenden Ausführungen skizzieren zunächst (1.) ein Portfolio unterschiedlicher Profile von Entwicklungsprogrammen im 6-Länder-Vergleich und unterwerfen diese dann einem internationalen “bench mark”-Test. Vor diesem internationalen Vergleichshintergrund werden drei thematische Komplexe herausgegriffen, die in der gegenwärtigen Diskussion zur Reform der Arbeit und zur Reform solcher Entwicklungsprogramme eine besondere Rolle spielen: (2.) die spezifischen Instrumente solcher Innovationsentwicklungen, (3.) die dominierende Thematik der Gruppenarbeit sowie (4.) die Strategie der Netzwerkbildung. In seinem Buch “The paradigm that changed the workplace” hat von Eijnatten (1993) eine Ideengeschichte der Arbeitsplatzentwicklung in Westeuropa präsentiert. Empirische Evaluationsstudien haben in Ländern wie Schweden und Norwegen, im Vergleich zu Deutschland (Naschold 1992; Naschold u.a. 1993; Davies u.a. 1993), die Vorbedingungen, Prozesse und Wirkungsweise solcher Entwicklungsprogramme eingehend überprüft. Für Japan und die USA hat R. Cole (1989) ähnliche Befunde auf konzeptioneller und empirischer Ebene zusammengetragen. Bei dem gegebenen Stand der Forschung erscheint es somit gerechtfertigt und auch notwendig, ein vorläufiges Resüme hinsichtlich der Themen, kausalen Mechanismen und Ergebnisse der internationalen Arbeitsplatzentwicklungs-”Bewegung” zu ziehen hinsichtlich der Identifizierung der nationalen Programme und der Art ihrer Artikulation innerhalb gegebener internationaler Trends.
Theo Wehner, Klaus-Peter Rauch:
Evaluation von Gruppenarbeit in der Automobilindustrie
Bevor (ausschließlich quantitative) Befunde (qualitative Ergebnisse sind einer weiteren Arbeit vorbehalten) aus Pilotprojekten zur Gruppenarbeit in der Automobilindustrie vorgestellt werden und ein Exkurs zur formativen interventionsorientierten Evaluation (das der Gruppenarbeit angemessenste Modell) vorgenommen wird, skizzieren wir den eigenen Standpunkt zum Konzept der Gruppenarbeit: Die Reaktivierung und Nutzung von Erfahrung, nicht planbarem Produktionswissen und die Überwindung brüchig gewordener Schnittstellen halten wir für den Auslöser des Konzeptes. Zusätzlich halten wir konsensuelle Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse für das zentrale Bestimmungsstück von Gruppenarbeit. Die mit allen Betroffenen diskutierten empirischen Ergebnisse zeigen, daß momentan eher die Organisations- und Führungsstruktur als die eigentliche Arbeitsaufgabe im Zentrum des Interesses steht. Dabei zeigt sich, daß zwar nur eine mittlere Zustimmung zur Einführung von Gruppenarbeit vorhanden ist, aber hohe Identifikation mit den Konzernzielen des Konzeptes. Darüber hinaus läßt sich erkennen, daß im Laufe des Einführungsprozesses die Zentrierung auf spezifische Problembereiche zunimmt, was aber auch zur Folge hat, daß nicht die Arbeitszufriedenheit per se steigt, sondern der Anteil derer, die zwar nicht mit den realen Bedingungen zufrieden sind, jedoch davon ausgehen, daß sie sie selbst verbessern können.
Matthias Kleinschmidt, Ulrich Pekruhl:
Kooperation, Partizipation und Autonomie: Gruppenarbeit in deutschen
Betrieben
In einer repräsentativen Beschäftigtenbefragung wurden über 1600 Arbeiter, Angestellte und Beamte im öffentlichen Dienst, in der Industrie und im Dienstleistungsgewerbe nach Formen der Kooperation im Arbeitsprozeß gefragt. Es konnten acht Typen der Arbeitsorganisation gefunden werden, die sich durch die Dimensionen Kooperation, Partizipation und Autonomie charakterisieren lassen. Insgesamt 6,9% der deutschen Beschäftigten arbeiten nach dem Organisationsprinzip der Gruppenarbeit. Allerdings lassen sich hinsichtlich der Selbstbestimmungsmöglichkeiten und der Beteiligungschancen der Gruppenmitglieder sehr unterschiedliche Arten von Gruppenarbeit ausmachen.
Christian von Ferber:
Erkenntnisfortschritte in der Arbeits- und Streßforschung
seit Beginn des HdA-Programms
Für die Abschätzung des Erkenntnisfortschritts in der arbeitssoziologischen Forschung werden in Weiterführung von R.K.Merton 4 Beurteilungsdimensionen herangezogen : Generierung von Theorien mittlerer Reichweite, Paradigmenwechsel, Verknüpfung von sozialpolitischer Normsetzung und Implementationsforschung, Generierung neuer Feldzugänge. Die Streßforschung bildet ein Schlüsselthema für die soziologische Analyse arbeitsbedingter Erkrankungen und für die betriebliche Gesundheitsförderung. In allen vier Beurteilungsdimensionen können wesentliche Erkenntnisfortschritte durch das HdA-Programm festgestellt werden. Die Frage : Hat das HdA-Programm zum Fortschritt in der Arbeits-, insbesondere der Streßforschung beigetragen, kann daher eindeutig positiv beantwortet werden.
Praxisbericht
Klaus Lewandowski:
Qualifizierung als Mitarbeiterbeteiligung
Tagungsbericht
Forum Naturwissenschaft und Technik: Probleme Computergestützter
Gruppenarbeit
(Von Stefan Lutz, Berlin)
Petra Frerichs, Margarete Steinrücke:
Sie tun, was von ihnen verlangt wird, und das auch nicht immer...
Der Frage, ob sich im Zusammenleben von Paaren, die verschiedene Positionen im sozialen Raum (Bourdieu) einnehmen, signifikante Unterschiede bei der geschlechtlichen Arbeitsteilung im Haushalt abzeichnen (und zwar sowohl bezüglich des Volumens an Haus- und Familienarbeit als auch der Bedeutung der männlichen Beteiligung an dieser), wird hier mit ersten Ergebnissen eines empirischen Forschungsprojekts zu “Klasse und Geschlecht” nachgegangen. Eingebettet wird das Thema sowohl in den Kontext sozialer Ungleichheit als auch in die Diskussion um die Neuverteilung von “Arbeit” zwischen den Geschlechtern.
Heike Bruch, Birgit Kuhnert:
Projekte als Kernelement einer ganzheitlichen Flexibilisierungsstrategie
Unter “turbulenten” Umfeldbedingungen entscheiden das Vermögen zur schnellen Anpassung und die Neuerungsfähigkeit zunehmend über den Markterfolg von Unternehmungen. In diesem dynamischen Bedingungsrahmen kommt strukturellen und interaktionellen Faktoren eine wachsende Bedeutung zur Realisierung der Wettbewerbspotentiale zu. Insbesondere Projekte bieten durch die spezifische Form der Zusammenarbeit Chancen zum Aufbau strategischer Wettbewerbsvorteile. Zur Realisierung der Flexibilitäts- sowie der projektimmanenten Organisationsund Personalentwicklungspotentiale bedarf es jedoch adäquater Unterstützungsleistungen. Zudem muß sich das Management den “neuartigen Rahmenbedingungen” mit veränderten Denkund Handlungsmustern stellen.
Erich Latniak, Dieter Rehfeld:
Betriebliche Innovation und regionales Umfeld
Vor dem Hintergrund der sich verändernden Anforderungen an die Produktion (zunehmende Flexibilität, höhere Produktivität etc.) wird die Frage gestellt, über welche Wege Orientierungen für betriebliche Innovationsprozesse vermittelt werden können. In diesem Zusammenhang wird die Frage untersucht, inwieweit das regionale Umfeld des Betriebs als unterstützender und orientierender Rahmen für solche Prozesse dienen kann. Durch Betriebsbefragungen, die das Institut Arbeit und Technik durchführte, wurde ermittelt, daß das regionale Umfeld gerade diese Funktion erfüllen kann. Gleichzeitig zeigen aber die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung der nordrhein-westfälischen Betriebe, daß die Nutzung der aufgebauten Beratungs- und Transferinfrastruktur gegenüber konventionellen Informationsquellen eher gering ausgeprägt ist. Anhand von Erfahrungen aus Projekten, die sich gerade auf die Kooperation von betrieblichen und regionalen Akteuren richteten, werden die Chancen und Restriktionen einer Mobilisierung dieser Infrastruktur für die genannten Ziele herausgearbeitet.
Gerd Schienstock:
Globale Konzerne: Netzwerkstrukturen, Organisationsstrategien
und Arbeitsbeziehungen
Lange Zeit zeigten die Sozialwissenschaften relativ wenig Interesse an den Globalisierungsstrategien großer Konzerne. Bestärkt wurden sie dabei durch die These, daß in zunehmenden Maße kleine und hochspezialisierte Unternehmen zu zentralen wirtschaftlichen Akteuren werden. Eine wachsende Zahl von Fusionen und Betriebsübernahmen zeigt allerdings, daß globale Unternehmen keineswegs pathologische Ausnahmeerscheinungen darstellen. Vielmehr sind sie die treibende Kraft, die hinter der Herausbildung einer neuen internationalen Wirtschaftsordnung steckt. Die globalen Unternehmen haben die nationalen Regierungen als aktive Gestalter der neuen Wirtschaftsordnung weitgehend abgelöst. Zentrale Elemente dieser neuen Wirtschaftsordnung sind Organisations- und Marktnetzwerke. Neue Kooperationsformen mit Zulieferbetrieben und organisationsinterne Dezentralisierung bedeuten allerdings keineswegs einen Machtverlust der Zentralen. Diese sichern ihren dominierenden Einfluß auf das Organisationsgeschehen vielmehr durch indirekte Kontrollstrategien wie interne Leistungsvereinbarungen, Budget- und Gewinnvorgaben und ein intensives Berichtswesen. Eine solche indirekte Steuerung unterhöhlt weitgehend die Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer. Institutionelle Arrangements, die einen gewissen Machtausgleich zwischen Kapital und Arbeit innerhalb globaler Konzerne herbeiführen könnten, sind mit den freiwillig vereinbarten Konzernbetriebsräten allerdings allenfalls in Ansätzen zu erkennen.
Alfred Heese:
Der Arbeitsdirektor im Strukturwandel der Stahlindustrie
Dieser Beitrag befaßt sich mit dem Arbeitsgebiet des Arbeitsdirektors in einer Zeit großer struktureller Veränderungen in einer besonders schwierigen Branche der Stahlindustrie. Es soll hier dargestellt werden, wie der Arbeitsdirektor auf die existenzbedrohende Krise bei Stahl in der Montanmitbestimmung reagiert hat. In einem ersten Abschnitt werden die gewaltigen strukturellen sowie die aktuellen konjunkturellen Änderungen in der Stahlindustrie verdeutlicht. Der zweite Teil beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Aufgabenschwerpunkten der Arbeitsdirektoren im zeitlichen Ablauf. In einem dritten Teil werden die Ziele und Aufgaben in der gegenwärtigen krisenhaften Phase der Stahlindustrie näher beleuchtet.
Tagungsbericht
Bericht über die Tagung “Frauen erobern Europa!?
(Von Christine Zeuner, Dortmund)
Friedhart Hegner:
Zusammenhänge zwischen "Lean Production", "Kaizen"
und "Totalem Qualitätsmanagement"
Seit 1990 wird auch in den bundesdeutschen Firmen viel über „lean“ und „TQM“ (Totales Qualitätsmanagement) gesprochen. Teilweise wird auch schon erfolgreich danach gehandelt. Ausgelöst wurde das überwiegend durch die vielzitierte M.I.T.-Studie „The machine that changed the world“. Zwei andere amerikanische Bestseller haben die Diskussion inzwischen erweitert: die Studie von Imai über „Kaizen“ und das Buch von Hammer und Champy „Reengineering the corporation“. Die Mehrzahl der Fachleute ist sich einig: Die aufgezeigten Defizite sowie die Wege zu ihrer Überwindung sind ein weiterer Beleg für die Notwendigkeit seit langem geforderter betrieblicher Veränderungen. Das doppelte Motto für diese Managementaufgaben lautet:
Zu leisten ist eine optimale Abstimmung zwischen den Zielen und Wegen bzw. Prozessen.
Jürgen Howaldt:
KVP-Aktivitäten in Deutschland
In einer schriftlichen teilstandardisierten Befragung von Betriebsräten der Automobilindustrie und ausgewählter Automobilzulieferer wurde eine erste Bestandsaufnahme über Stand und Perspektiven von Aktivitäten des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP) angezielt. Neben einer generellen Tendenz der Einführung solcher Aktivitäten in den unterschiedlichen Abteilungen der Betriebe konnte eine Vielfalt ihrer konkreten Ausformungen festgestellt werden. Die Aufnahme dieser Aktivitäten durch Betriebsräte und Beschäftigte erweist sich als positiv, obgleich diese mit einer Reihe von Problemen konfrontiert werden. Im Vergleich zu japanischen Vorbildern fällt dabei die ungenügende Verankerung von KVP im betrieblichen Qualifizierungs- und Entlohnungssystem auf.
Bernd Frick:
Betriebsverfassung und betriebliche Schwerbehindertenbeschäftigung
Der Beitrag untersucht die Frage nach dem Einfluß betrieblicher Arbeitnehmervertretungen auf die Umsetzung des Schwerbehindertengesetzes (SchwbG). Anhand bislang unzugänglichen Datenmaterials läßt sich zeigen, daß das Sanktionspotential der Betriebsräte eine zwar unvollkommene, aber dennoch effiziente Rechtsbefolgung sicherstellen kann, Zum einen ist der Anteil Schwerbehinderter an den Beschäftigten, die sogenannte „Istquote“, in Betrieben mit einer Arbeitnehmervertretung signifikant höher als in solchen ohne Interessenvertretung, und zum anderen ist das Entlassungsrisiko Schwerbehinderter in hohem Maße davon abhängig, wie sehr sich der Betriebsrat für eine Weiterbeschäftigung der kündigungsbedrohten Person(en) einsetzt.
Silvia Krömmelbein, Alfons Schmid:
Erste Erfahrungen mit Langzeitarbeitslosigkeit in den neuen
Bundesländern am Beispiel Thüringens
Das Problem der Langzeitzeitarbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern gewinnt zunehmend an Bedeutung und damit die Notwendigkeit arbeitsmarktpolitische Maßnahmen für diese Zielgruppe zu konzipieren. Dafür ist es erforderlich, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Personengruppen sowie ihre soziale und psychische Lage zu identifizieren. In diesem Aufsatz werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Struktur der Langzeitarbeitslosigkeit zwischen Ost und West herausgearbeitet (sekundärstatistische Analyse) und anhand einer Primärerhebung - die in Thüringen im Auftrag des Arbeitsministeriums durchgeführt wurde - finanzielle, psyschische und soziale Problembereiche der Betroffenen erfaßt.
Martin Kunkel:
Arbeits- und sozialpolitische Initiativen der Europäischen
Kommission
Die Verwirklichung des europäischen Binnenmarktes setzt einen verstärkten Integrationsprozeß auf dem Gebiet der Arbeits- und Sozialrechtpolitik der EU-Mitgliedstaaten voraus. Zu den wichtigen sozialpolitischen Initiativen der Europäischen Union gehören in diesem Zusammenhang die Richtlinien zur Arbeitszeitgestaltung, über die Entsendung von Arbeitnehmern und zur Einrichtung Europäischer Betriebsräte. Als Instrument einer präventiven Arbeitsmarktpolitik spielt auch der Europäische Sozialfonds eine wichtige Rolle durch seine Beteiligung an den Kosten von Maßnahmen zur beruflichen Bildung, an Beihilfen zur Einstellung in neugeschaffene stabile Arbeitsplätze sowie an Maßnahmen zur Existenzgründung. Die Europäische Kommission hat ihre Vorstellungen in Bezug auf die wirtschaftspolitische Grundrichtung für eine gemeinschaftliche Anstrengung der Mitgliedstaaten und der Union in ihrem Weißbuch „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung“ niedergelegt. Es werden darin Fragen zur Anpassung der Bildungssysteme, zur Umsetzung von Wachstum in Beschäftigung und zur Abgabenbelastung der Arbeit diskutiert.