Zeitschrift Arbeit, Jahrgang 1993

Heft 1 - Heft 2 - Heft 3 - Heft 4

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Heft 1/1993

André Büssing:
Arbeitslosigkeit - Differentielle Folgen aus psychologischer Sicht

Die differentiellen psychophysischen und sozialen Folgen von Arbeitslosigkeit werden dargestellt. Dabei wird von einem Prozeß der Arbeitslosigkeit ausgegangen, der durch eine Kumulation sozialer Risiken gekennzeichnet ist. Die Folgen von Arbeitslosigkeit werden vor dem Hintergrund der latenten Erfahrungsdimensionen von Arbeit und deren herausragender Bedeutung für die persönliche Entwicklung und Gesundheit sowie im Hinblick auf die widersprüchliche Bedeutung von Erwerbsarbeit untersucht (“Leiden an der Arbeit” und "Leiden ohne Arbeit”). Die Ergebnisse der Forschung zeigen: nicht nur die Risiken, arbeitslos zu werden, sondern auch die psychophysischen und sozialen Risiken im Arbeitslosigkeitsprozeß sind ungleich verteilt. Dazu wird mit Bezug auf die Ergebnisse der Forschung eine Zusammenstellung solcher Moderatorvariablen dargestellt, die wesentlich die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Bewältigung dieser Risiken im Arbeitslosigkeitsprozeß bestimmen. Auf die Funktion von vier dieser Variablen - Dauer der Arbeitslosigkeit, finanzielle Lage, Arbeits- und Berufsorientierung, soziale Unterstützung - wird näher eingegangen.

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Hermann Novak:
Die Herausforderung der betrieblichen Berufsbildung durch neue Informationstechnologien

Die Veränderungen an den Schnittstellen zwischen Produktion und Verwaltung, hervorgerufen durch den Einsatz der Informationstechnologien, bewirken nicht nur einen Anforderungswandel, sondern stellen für die Berufsbildung eine immense Herausforderung dar. Es entstehen neue fachliche und methodische Qualifikationen wie “Prozeßwissen”, “Zusammenhangswissen” und “Denken in Systemen”. Andererseits wird die traditionelle Trennung in Arbeiter und Angestellte fraglich und zwangsläufig brüchiger, was auch zu einem überdenken der Ausbildung der zukünftigen Fach- und Sachbearbeiter führen muß. Die Grenzziehungen zwischen den kaufmännischen und gewerblich-technischen Berufsfeldern werden objektiv fließender. Berufsbildung muß daher neue soziale Begegnungsfelder zur Unterstützung der Umbrüche organisieren. Lernstationen in Ausbildungswerkstätten, in Bildungszentren und im Produktionsprozeß ermöglichen nicht nur das Erlernen der neuen Qualifikationen im Umfeld der Informationstechnologien, sie bieten die Chance zum Aufbau von neuen Erfahrungsfeldern.

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Heiner Minssen:
Lean production - Herausforderung für die Industriesoziologie

Mit der Realisierung von lean production finden derzeit auch in den industriellen Sektoren, die bisher einem tayloristischen Rationalisierungsparadigma folgten, arbeitsorganisatorische Umstrukturierungen mit dem Ziel einer Aufgabenintegration statt. Dies geschieht in Formen, die nicht den in der Industriesoziologie gängigen Annahmen über die Entwicklung von Arbeit entstprechen. Zugleich werden Fragen neu aufgeworfen. Dies wird in dem Artikel diskutiert am Beispiel der manageriellen Kontrolle von Arbeitskraft, der Veränderung der Qualifikationsanforderungen und der Notwendigkeit, den Betrieb stärker als ein soziales System zu interpretieren, in dem unterschiedliche Akteure an Entscheidungen beteiligt sind.

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Reinhard Mohn:
Neue Ziele in der Welt der Arbeit

Der Beitrag setzt sich mit den in unserer Wirtschaftsordnung überkommenen Zielvorstellungen der Faktoren "Kapital", "Führung" und "Arbeit" auseinander. Seine Analyse lautet: Das Kapital nimmt seine Steuerungsaufgabe ungenügend wahr. Das in den Führungskräften und Mitarbeitern vorhandene Leistungs- und Kreativpotential wird unzureichend erschlossen. Die Repräsentanten der Wirtschaft, der Politik sowie der Gewerkschaften haben keine überzeugenden Konsequenzen aus den veränderten Arbeitsprämissen der Wirtschaft gezogen. Für den internationalen Wettbewerb sind wir in unserem Land nur unzureichend vorbereitet. Vor dem Hintergrund dieser Analyse wird eine kooperative und partnerschaftliche Unternehmenskultur gefordert, deren Ziel nicht in erster Linie "Gewinnmaximierung", sondern vielmehr der "bestmögliche Leistungsbeitrag des Unternehmens für die Gesellschaft" sein sollte. Mit der Rangfolge "1. Führung, 2. Mitarbeiter, 3. Kapital" nimmt der Autor eine Neubewertung der Wirkungsfaktoren als Voraussetzung für den Unternehmenserfolg vor, die er im einzelnen begründet.

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Tagungsbericht

Betriebliche Gesundheitspolitik auf dem Prüfstand
(Von Andreas Renner, Dortmund)

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Ökologie-Dialog als voraussetzungsvolles Unternehmen
(Von Martin Birke, Köln)

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Heft 2/1993

Gerd Peter:
Anforderungen an den Arbeitsschutz der Zukunft

Wer wolle es bestreiten - wir leben in einer Zeit des Überganges, der Transformationen von Gesellschaften in die Moderne sowie einer sprunghaften Erweiterung des realen Wirtschaftshandelns im Weltmaßstab. Daß derartige Übergänge oft als Krisen empfunden werden, ist eine Sache, daß sie auch Chancen bedeuten eine andere, bedarf aber der Überzeugungsarbeit. Was in einer solchen Epoche Zukunft nicht sein wird, ist eine einfache Verlängerung der Gegenwart (Volkholz 1992). Vielmehr tritt der offene Horizont Zukunft stärker hervor, damit aber auch die große Verantwortung für das, was wir gegenwärtig tun, welche Entscheidungen wir jetzt, in diesem Augenblick treffen. Auch der Arbeitsschutz in Deutschland ist von diesem Transformationsprozeß erfaßt und muß sich weiterentwickeln und behaupten. Dies gilt für die betriebliche wie außerbetriebliche Ebene gleichermaßen. Für die Entwicklung angemessener Bewältigungsstrategien nun ist es von nicht geringer Bedeutung, welches Bild man sich vom Arbeitsschutz macht, ob man also mehr das System Arbeitsschutz vor Augen hat, das unterschiedliche Funktionen durch verschiedene Leistungsbezüge erfüllt, oder ob man mehr die alltägliche Arbeitsschutzpraxis mit ihren vielen Einzelaktivitäten sieht, ob man mehr an Arbeitsschutz als Beruf, als professionelle Spezialistenaufgabe denkt oder mehr an das Gesundheitsbewußtsein der einzelnen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Um dieser Kompliziertheit und Vielschichtigkeit des Arbeitsschutzes konzeptionell Rechnung zu tragen, haben wir schon vor Jahren vorgeschlagen, Arbeitsschutz als Institution, als eine Institution der Arbeit zu fassen. Institutionen sind stabile soziale Einrichtungen und Strukturen, die zwischen systemischen Prozessen und der Vielheit alltäglichen Handelns angesiedelt sind, die diese verknüpfen, für die nötige Abstimmung sorgen, für Verhaltensstabilität und den nötigen Leistungstransfer. Rechtsvorschriften und Geldzahlungen, sicherheitstechnische Spezialisierung und Weiterentwicklung des Gesundheitsbewußtseins, vertrauter Umgang im Arbeitsalltag und konflikthafte Auseinandersetzungen in Ausschüssen und auf Tagungen, das alles macht Arbeitsschutzhandeln in diesem institutionellen Gefüge aus (Pröll 1991).

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Ursula Ammon:
”Genomanalyse” in der Arbeitswelt - Entwicklungsperspektiven und arbeitspolitische Regelungsbedarfe

“Genomanalyse” in der Arbeitswelt ist bisher allenfalls ein randständiges Thema in der sozialwissenschaftlichen bzw. arbeitssoziologischen Diskussion. Soweit die Gentechnik als übergreifendes Thema behandelt wird, erfolgt dies vorrangig unter risikotheoretischen Aspekten, wobei sowohl die Subjektperspektive potentieller Betroffener und Nutzer als auch institutionelle und kulturelle Kontexte keine Rolle spielen. Mit dem Bemühen um eine realistische Abschätzung von Entwicklungs- und Anwendungsperspektiven der Gendiagnostik in der Arbeitsmedizin will der folgende Beitrag den Blick auf Handlungsbedarfe und -optionen lenken, die über eine deterministische, reaktive Strategie des (generellen) Verbots der Gendiagnostik hinausweisen.

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Uli Kowol:
Technikentwicklung und Innovationsarbeit

Ziel dieses Beitrages ist es, den Anteil der Facharbeiter an der Technikentwicklung, ihre vielfältigen Kooperationen mit den Ingenieuren, Technikern und Konstrukteuren zu markieren, und hier - an der Schnittstelle zur Technikgeneseforschung - ein Defizit der industriesoziologischen Forschung zu thematisieren: Die Arbeitenden sind nicht nur Opfer einer blinden Mechanik ökonomischer Rationalität und/oder einer Herrschaftsdynamik industrieller Organisationen, sondern sie sind auch - in unterschiedlicher Weise - aktive Akteure im Prozeß der Generierung neuer Techniken. Vor diesem Hintergrund werden die in der Industriesoziologie entwickelten Konzepte von “Innovationsarbeit” überprüft und in einer eigenen Konzeption präzisiert. Anhand der Unterscheidungen von Produkt- und Prozeßinnovationen einerseits, von Einzel- und Serienfertigung andererseits, werden erste empirische Ergebnisse aus einem laufenden Forschungsprojekt exemplarisch dargestellt. Abschließend sollen Überlegungen zu möglichen Perspektiven der Innovationsarbeit bei flexibler Automatisierung vorgetragen werden.

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Gerd Bender:
Was ist Wertanalyse - und was macht sie für die Industriesoziologie und gesellschaftstheoretisch so interessant?

In der Diskussion um “systemische Rationalisierung” wird als ein Charakteristikum dieses neuen Typs von Rationalisierung die Synchronisation bzw. Vernetzung der betrieblichen eilprozesse zum Zwecke der Effizienzsteigerung und der Verkürzung der ‘Durchlaufzeiten’ des eingesetzten Kapitals bezeichnet. Eine soziologische Untersuchung der “Wertanalyse” kann interessante Hinweise auf die Voraussetzungen dieser Synchronisierungsprozesse und die ‘Logik’, die ihnen unterliegt, zutage fördern. Insbesondere die in den letzten ca. 15 Jahren entwickelten wertanalytischen Methoden verweisen auch auf Mechanismen, die von zentraler Bedeutung bei der Entwicklung von neuen Techniken in Unternehmen sind - und damit auch für eine industriesoziologische Analyse von Technikentwicklung. Nach einer Beschreibung der Grundlagen der wertanalytischen Methode(n) werden diese Thesen erläutert.

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Paul Kellermann:
Arbeit - Geld - Arbeit

Vier axiomatische Perspektiven richten sich auf ein Skandalon: Daß trotz zunehmender Probleme, Krisen, Katastrophen und Desaster, die ausschließlich durch organisierte Arbeit gemildert werden können, Millionen von Menschen aus organisierter Arbeit ausgeschlossen sind. Die Axiome sind: Alles, was Menschen zur Sicherung ihres Lebens brauchen, müssen sie sich erarbeiten; grundsätzlich haben Menschen Bedürfnisse und zugleich das Vermögen, sich die Mittel zur Stillung der Bedürfnisse zu erarbeiten; die Entsprechung von Bedürfnissen und Arbeitsvermögen ist durch Geld ideologisch gespalten; daß Millionen von Menschen in Not leben, ist hauptsächlich Folge der politischen Unfähigkeit, gesellschaftlich erforderliche Arbeit zu organisieren. Da jede gesellschaftliche Entwicklung von orientierendem Handeln bestimmt wird, kann angesichts zunehmender Not nur geschlossen werden: Die vorherrschenden Handlungsorientierungen von Personen und Institutionen, die - gewollt oder ungewollt - Lebenslagen von gesellschaftlichen Systemen bestimmen, sind einem not-wendigen Handeln gegenüber unangemessen. Insbesondere ist die politisch-ideologische Wahrnehmung der Funktionen von Geld als Mittel zur Organisation gesellschaftlich erforderlicher Arbeit zu Lasten steigender Bevölkerungskreise unterentwickelt. Statt die symbolische Bedeutung von Geld für Leistungsanspruch und Leistungsversprechen konsequent zur gesellschaftlichen Organisation von erforderlicher Arbeit zu nutzen, wird Geld als unmittelbare Leistung mißverstanden. Doch Geld stillt keine Lebensbedürfnisse - es läßt sich nicht essen; es heilt auch keine Wunden, weder in Gesellschaft, noch in Natur.

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Åke Sandberg:
Volvo am Scheideweg

Das Volvo-Werk in Uddevalla gilt in bezug auf "Flexibilität, Einbeziehung der Kunden" und vor allem die Realisation "qualifizierter Teamarbeit" als "europäische Alternative zum japanischen Modell" der >lean production< in der Automobilindustrie, ja geradezu als Paradigma für die Möglichkeit einer "Versöhnung" von Rationalisierung und Humanisierung der Arbeit. Der Einfluß dieses Modells auf die europäische und selbst auf die japanische Industriekultur ist nicht gering einzuschätzen. Mit der Veröffentlichung des Beitrages von Åke Sandberg, dem Direktor am Schwedischen Zentrum zur Erforschung des Arbeitslebens (ALC), der in einer engagierten arbeitspolitischen Stellungnahme über die Gründe und Hintergründe sowie über mögliche Alternativen zu dem Stillegungsbeschluß berichtet, wollen wir unsere Leser zur Diskussion der wissenschaftlichen wie praktischen Konsequenzen der aktuellen Entwicklung auffordern. Weitere Beiträge zu diesem Thema sind geplant.

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Tagungsbericht

“... soweit es der Konsens von Wissenschaft und Praxis gestattet!” - Gewerkschaften und Gesundheitsförderung
(Von Andreas Renner, Dortmund)

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Neue Verkehrsformen in Köln Bericht über eine verkehrspolitische Konferenz des DGB
(Von Judith Levold, Köln)

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Heft 3/1993

Frank Bauer, Gabi Schilling:
Zur Reform des bestehenden Normalarbeitsverhältnisses

Das Normalarbeitsverhältnis ist seit langem Gegenstand kontroverser Diskussionen: Von Arbeitgeberseite wird es als ein Symptom institutioneller Sklerose dargestellt, das eine Mitverantwortung für die dauerhaft hohe Arbeitslosigkeit habe. Es wird ihm vorgehalten, es stabilisiere individuelle Schutzrechte, die letztlich den Beschäftigten schaden, deren Rechte doch geschützt werden sollen. Es wird sogar als ideologisch motivierter Kampfbegriff, der “von gewerkschaftlicher Seite und von am linken Rand angesiedelten Wissenschaftlern” stammt, denunziert und begrifflich auf folgenden Satz reduziert: es ist “nur insofern ‘normal’, wie es nach wie vor weit verbreitet ist” (Dichmann 1989, 48). Ein aus feministischer Perspektive formulierter Kritikpunkt lautet, das Normalarbeitsverhältnis sei der Ausdruck einer patriarchalischen Organisation der Erwerbsarbeit, es sei für Männer gemacht, würde deren obsolete Vorrechte schützen und so dazu beitragen, daß Frauen vom Arbeitsmarkt ferngehalten würden (Kurz-Scherf 1990, Bäcker/Stolz- Willig 1990). Das Normalarbeitsverhältnis wird im Zuge der Individualisierungsdebatte als ein zu starres Korsett betrachtet, das die Entfaltung eines individualistischen Lebensstiles behindere (Beck 1986).

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Rudolf Schiffmann:
Die Wahrnehmung eigener Tätigkeiten in Arbeitsgruppen als Ergebnis von Selbstverpflichtung, Gruppenkohärenz und Gruppenerfolg

Die vorliegende Arbeit untersucht konzeptuell und experimentell die Wahrnehmung eigener Tätigkeit in Arbeitsgruppen abhängig von Selbstverpflichtung (Commitment), Gruppenkohärenz und -erfolg. Auf konzeptueller Ebene wird gezeigt, daß vorliegende sozialpsychologische Theorien und Befunde einseitig sind, da sie entweder gruppen- oder identitätszentriert sind. Es wird ein Konfliktmodell vorgeschlagen, nach dem Gruppe und Identität gegeneinander gerichtete Motivationen beinhalten. Gruppenkräfte werden insbesondere durch Zusammenhalt und Erfolg der Gruppe bereitgestellt, Identitätskräfte werden vor allem durch Selbstverpflichtungen verkörpert. Ein Laborexperiment diente zur Prüfung von aus diesem Modell abgeleiteten Hypothesen. 79 Psychologiestudentinnen und -studenten leisteten als Versuchspersonen in einem Planspiel einen Beitrag zur Teamarbeit einer psychologischen Beratungsstelle. Unabhängige Variablen waren die Selbstverpflichtung an Psychologie, Kohärenz und Erfolg des Teams. Der wahrgenommene Eigenanteil am Gruppenprodukt wurde hypothesengemäß von der Wechselwirkung von Selbstverpflichtung und Kohärenz bzw. Erfolg des Teams bestimmt. Aus diesen Befunden werden Konsequenzen für die Erforschung von Arbeitsgruppen gezogen, und zwar hinsichtlich menschlicher Tätigkeit auf individueller, Gruppen- und Organisationsebene. Des weiteren haben die Resultate Implikationen für Gruppenarbeit, insbesondere für die Moderation in Qualitäts-Zirkeln.

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Werner Kruck:
”Marktwirtschaftliche Selbststeuerung” und "gemeinwirtschaftliche Selbsthilfe”

Die Soziale Marktwirtschaft wurde in der Bundesrepublik praktisch von Ludwig Erhard eingeführt, der sich in wesentlichen Punkten auf die Lehre seines Doktorvaters Franz Oppenheimer bezieht. Von diesen Ursprüngen abweichend “sind in der Wirtschaftstheorie Paradigmata dominant geworden, die kein Verständnis für die Wirtschaftspolitik Ludwig Erhards erwarten lassen” (Wünsche). Die ökonomische Strategie der Deutschen Einheit leidet nun nach Auffassung des Verfassers vor allem unter dem Verlust der Fähigkeit, Wirtschaftspolitik unter soziologischen Aspekten zu betreiben. Der Beitrag zeigt von der praktischen Seite, daß die Motive der Akteure vielfach nicht berücksichtigt wurden und dem Scheitern der Politik ein Rückschritt der Wirtschaftswissenschaft vorangegangen ist. Abschließend werden die Potentiale gruppenwirtschaftlicher Selbsthilfe behandelt.

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Volker Volkholz:
Für eine phantasieanstiftende Sozialwissenschaft

Berichtet werden Erfahrungen der Sozialwissenschaften in den Forschungsprogrammen “Humanisierung des Arbeitslebens” und “Arbeit und Technik”. Argumentiert wird:

  1. Die Sozialwissenschaften sind erfolgreiche Disziplinen.
  2. Viele ihrer Ergebnisse und Ansätze sind aber inzwischen verallgemeinert, also auch von Dritten (Betriebe, Ingenieure) angeeignet worden.
  3. Es besteht also ein Bedarf an neuen Leistungen:

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Josef Schmid, Louise Dye, Rainer Freriks, Peter Hauptmann, Barbara Ostendorf, Rainer G. Saurwein, Beate Seitz:
Grundfragen und aktuelle Themen der Industriesoziologie

Ausgehend von der industriesoziologischen Grundfragestellung nach den Wechselbeziehungen von Technik und Arbeit gibt der Beitrag einen Überblick über die aktuelle wissenschaftliche Diskussion. Es werden neue Forschungsergebnisse vorgestellt, die die zunehmende Diffusion neuer Technologien in der Produktion belegen. Vor diesem Hintergrund wird ein Aufriß jüngerer Arbeiten zu den Auswirkungen der neuen Techniken und zu den Problemen ihrer Einführung gegeben. Darüber hinaus werden auch solche Beiträge berücksichtigt, die politische Rahmenbedingungen betrieblichen Handelns thematisieren, da sie eine wichtige Ergänzung der industriesoziologischen Perspektive darstellen. Es wurde bewußt der Versuch unternommen, die Breite der Diskussion zu erfassen, so daß eine Beschränkung hinsichtlich der Vollständigkeit von Einzeldarstellungen und der Komplexität der Ausführungen unerläßlich war. Abschließend werden Probleme und Entwicklungstrends der Forschung zu Technik und Arbeit thematisiert.

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Tagungsbericht

Zukunft der Gewerkschaften: Rettung der “alten” Organisation oder soziale Bewegung(en) von unten
(Von Helmut Martens, Dortmund)

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Psychische Faktoren im betrieblichen Alltag
(Von Andreas Renner, Dortmund)

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Heft 4/1993

Michael Schwarz:
Ist die "schlanke Fabrik" umweltfreundlicher?

In der immer mehr ausufernden lean-production-Debatte bleibt - von einigen argumentativen Kurzschlüssen am Rande einmal abgesehen - weitgehend ausgeblendet, wie das neue Produktionskonzept unter ökologischen Gesichtspunkten einzuschätzen ist. Von einer skeptischen Position hinsichtlich Neuartigkeit, Realitätstüchtigkeit und Verbreitung von lean-production ausgehend, wird gezeigt, daß eine einzelwirtschaftliche Umsetzung dieses Konzepts der notwendigen ökologischen Modernisierung der Produktion eher im Wege steht als sie zu fördern. Andererseits ist eine umweltfreundliche Produktion jedoch immer auch eine “schlanke” Produktion. Im Hinblick auf eine Ökologisierung der Produktion unabdingbar sind in jedem Falle arbeitspolitische Veränderungen im Rahmen eines erst noch zu entwickelnden umweltorientierten Managements und Co-Managements.

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Harald Zwerina, Hans-Walter Bodmann, Peter Knauth, Wolffried Stucky:
Erkennung von Sehzeichen in Strukturvarianten auf dem Bildschirm

Die Arbeit liefert einen Beitrag zu dem Themenkomplex “ergonomische Gestaltung visueller Wahrnehmungsbedingungen”. Gegenstand der Betrachtung sind auf dem Bildschirm dargestellte Sehzeichen. Untersucht wird, wie verschiedene Strukturen, die durch bestimmte Anordnungsvarianten von Schriftzeichen entstehen, auf die Wahrnehmungsleistung, die Akzeptanz und andere subjektive Reaktionen sowie das Blickverhalten wirken und welche Wechselwirkungen dabei entstehen. Besondere Berücksichtigung finden dabei gestaltpsychologische Aspekte (vgl. Zwerina 1992).

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Walter Heering, Klaus Schroeder:
Ostdeutsche Arbeitsbeziehungen zwischen ökonomischer Transformationskrise, neuer arbeitsrechtlicher Normierung und alten Sozialbeziehungen

Die sozialen und politischen Probleme des ökonomischen Transformationsprozesses in Ostdeutschland spiegeln sich auf der betrieblichen Ebene in besonderer Schärfe wider. Die bruchlose Übertragung des westdeutschen Arbeitsrechts ohne Berücksichtigung ostdeutscher Erfahrungen droht derzeitig die betrieblichen Akteure zu überfordern. Empirische Studien belegen die Gefahr einer Aushöhlung formeller Regelungen durch informelle Beziehungen, die den Betriebsalltag in der DDR prägten. Damit einher geht eine Stärkung betriebszentrierter Interessenpolitik, die auch für den Westen seit längerem gefordert wird; diese Diskussion erhält insoweit neue Impulse.

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Rüdiger Klatt:
Kommunikation im betrieblichen Sozialsystem

Der Aufsatz versucht, für die oft problematisch verlaufenden Kommunikations- und Interaktionsprozesse innerhalb eines Betriebes einen neuen soziologischen, interpretativen Rahmen auf dem Hintergrund sozialphänomenologischer, systemtheoretischer und konstruktivistischer Prämissen zu entwickeln. Dieser zielt auf die Unterscheidung unterschiedlicher Kommunikations- und mithin Rationalitätstypen im Sozialsystem ‘Betrieb’. Der Episodenrationalität situationsspezifischer Kommunikation z.B. wird die Zähl- und Meßbarkeitsrationalität indirekter, (z.B. über Kommunikationsmedien oder Schrift codierter) Kommunikation gegenübergestellt. These ist, daß diese Prozesse der Generierung unterschiedlicher, selbstorganisierender Sinnhorizonte und Symbolwelten mit je spezifischen eigenen zeitlichen, sachlichen und sozialen Grenzen zu »Eigenwerten« (Routinen) betrieblicher Kommunikation führen, die den Bestand des Betriebes zugleich ermöglichen und gefährden. In einer handlungs- und praxisorientierten Perspektive könnten die hier vorgestellten ersten Überlegungen zu einer Aufklärung über die Existenz unterschiedlicher »Sinnprovinzen« (Schütz) innerhalb des Betriebes beitragen. Der Aufsatz versteht sich auch als methodische Vorstudie zu einer Ergänzung und Verkettung sozialphänomenologischer Arbeits- und Betriebssoziologien mit neueren systemtheoretischen und konstruktivistischen Forschungen.

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Jürgen Bruno Klauk, Herbert Schnauber, Joachim Zülch:
Systematik durch einen systemischen Ansatz

Der Artikel zeigt, wie systemtheoretisches Gedankengut bei der Analyse von Problemzuständen in einer Unternehmung praktisch genutzt werden kann. Nach einer kurzen Skizzierung der zugrundeliegenden theoretischen Hintergründe wird ein Weg vorgestellt, die Auswahl von Interventionen in dem soziotechnischen Gebilde “Betrieb” auf eine rationale Grundlage zu stellen. Bei dem hier untersuchten Betrieb lagen die Schwerpunkte sinnvoller Interventionsmaßnahmen im personell-organisatorischen Bereich, dabei insbesondere in dem Problemfeld “geringe Mitarbeiterqualifikation”. Am Ende des Beitrages werden Konsequenzen für das Managerhandeln diskutiert.

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Tagungsbericht

Prozeßautomation und
qualifizierte Produktionsarbeit
(Von Martina Riezler, Dortmund)

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