Aktuelle Ausgabe: Heft 4/2009 - Schwerpunkt "Erwerbsarbeit und Gesundheit"

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Informationen zum Heft 3/2009
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Abhandlungen

Peter Richter, Claudia Nebel, Sandra Wolf:
Jenseits von Kontrolle und Belohnung – Moderne arbeitspsychologische Ansätze zur Bewertung und Gestaltung von Arbeit

Die wachsende Ungleichheit zwischen „business class“ und „worker class“, zunehmende Einkommensunterschiede, anwachsende Mobilitätsanforderungen und eine dramatische Zunahme der Arbeitslosigkeit lassen die kurz- und langfristigen Folgen für die beschäftigte Bevölkerung nur erahnen. Der Prävention psychosozialer Risiken und der Intensivierung ressourcenorientierter Konzepte wird daher eine verstärkte Bedeutung zugeordnet werden müssen. Cross-over- und Spill-over-Effekte psychosozialer Risiken als auch Befunde zu Muskel-Skelett-Erkrankungen machen die Notwendigkeit einer integrativen Prävention deutlich. Die vorliegende Arbeit zeigt am Beispiel des JD-R Modells (Job Demands-Resources Modell) die Bedeutung persönlicher Ressourcen für die Vorhersage psychosozialer Fehlbelastungen auf und gibt Empfehlungen für eine effektive und qualitativ hochwertige Erfassung psychosozialer Risiken in der Arbeit jenseits von Kontrolle und Belohnung.

 

Rainer Wieland, Sandra Winizuk, Mike Hammes:
Führung und Arbeitsgestaltung – Warum gute Führung allein nicht gesund macht

Inzwischen hat sich der Einfluss der Führung auf die Gesundheit der Beschäftigten zu einem wichtigen Thema entwickelt. Dieser Beitrag berichtet von drei empirischen Studien (N = 877, N = 300, N = 570), in denen der Einfluss des Führungsverhaltens, der Arbeitsgestaltung und der Personeneigenschaften der Beschäftigten auf die Gesundheit der Beschäftigten im Rahmen eines arbeitspsychologischen Analyse- und Interventionsmodells analysiert wird. Die Ergebnisse zeigen: Gute Führung allein macht nicht gesund. Die psychische Beanspruchung während der Arbeit, gesundheitliche Beschwerden, Fehlzeiten und Präsentismus lassen sich auf Wechselwirkungen zwischen Führungsstil und Arbeitsbedingungen zurückführen.

 

Ulrich Pröll:
Erwerbsarbeit und Gesundheit von Selbstständigen – Forschungsergebnisse und Präventionsansätze

Etwa jede zehnte Erwerbsperson in Deutschland ist selbstständig tätig, die Mehrheit als Allein-Unternehmerinnen, die übrigen zumeist als InhaberInnen (sehr) kleiner Unternehmen. Selbstständige sind deshalb prinzipiell von doppeltem präventionsstrategischem Interesse: als „Moderatoren“ und als unmittelbare Klientel arbeitsbezogener Prävention im kleinbetrieblichen Setting. Unter diesem Fokus fasst der Beitrag Forschungsbefunde zu Belastungen, Berufseinstellungen und Gesundheit differenziert für Solo-Selbstständige und KleinbetriebsinhaberInnen zusammen. Auf der Grundlage von Forschungsergebnissen und Interventionserfahrungen aus einschlägigen Modellprojekten werden Möglichkeiten zielgruppenspezifischer Prävention aufgezeigt.

 

Sarah Mümken, Thomas Kieselbach :
Prekäre Arbeit und Gesundheit in unsicheren Zeitenn

In dem Beitrag soll auf die Veränderungen und Herausforderungen eines sich wandelnden Arbeitsmarktes eingegangen werden. Zunächst wird der Blick auf Beschäftigungsformen gerichtet, die nicht dem klassischen Normalarbeitsverhältnis entsprechen. Im Anschluss wird, nach einer begrifflichen Präzisierung von prekärer Beschäftigung, auf den Forschungsstand zum Zusammenhang von prekärer Beschäftigung und Gesundheit eingegangen. Anhand einer Fragebogenuntersuchung unter weiblichen Reinigungskräften werden die Auswirkungen von Arbeitsplatzunsicherheit auf die gesundheitliche Konstitution dargestellt. Abschließend werden die Ergebnisse und Politikempfehlungen einer vom Generaldirektorat Beschäftigung der EU-Kommission unterstützten europäischen Expertengruppe vorgestellt, die sich auf die gesundheitlichen Konsequenzen von Restrukturierungen und Ansatzpunkte der Gesundheitsförderung beziehen (HIRES-Projekt)..

 

Tim Vahle-Hinz, Eva Bamberg :
Flexibilität und Verfügbarkeit durch Rufbereitschaft – die Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden

Ein zunehmend wichtiges Anliegen von Unternehmen ist es, zeitnah auf Nachfragen zu reagieren. Erwerbstätige sollen im Rahmen von Rufbereitschaft bei Bedarf verfügbar sein. Rufbereitschaft ist eine Art Hindergrunddienst, der den Arbeitnehmer dazu verpflichtet, auf Abruf die Arbeit aufzunehmen. Sie können sich an einem Ort ihrer Wahl aufhalten, müssen diesen aber dem Arbeitgeber mitteilen oder vom Arbeitgeber jederzeit erreichbar sein. Rufbereitschaft erfolgt für festzulegende Phasen im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses (Bundesarbeitsgericht, 2000). Auf Grundlage der wenigen Literatur zur Wirkung von Rufbereitschaft, lassen sich Hinweise ableiten, dass Rufbereitschaft mit erhöhtem Stress, Beeinträchtigung des Schlafs und der psychischen Gesundheit einhergeht (Nicol/Botterill 2004). Allerdings weisen die Studien zum Teil zahlreiche Mängel auf. Sie wurden zumeist im Querschnittsdesign durchgeführt, Verlaufsstudien bilden die Ausnahme. Häufig bleibt unklar, was mit Rufbereitschaft (engl. on-call) gemeint ist. Die Verwendung dieses Begriffes ist vor allem international uneinheitlich (vgl. Carley 2007). In dem Beitrag soll in einem Review die bisherige Forschung zum Themenbereich Rufbereitschaft systematisiert werden und um eigene Forschungsergebnisse ergänzt werden.

 

Wolfgang Bödeker, Ina Kramer, Ina Sockoll:
Rentable Investition oder soziale Norm? Zur Wirtschaftlichkeit betrieblichen Gesundheitsmanagements

Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit der betrieblichen Prävention erfahren zunehmendes Interesse. Einerseits soll Unternehmen gezeigt werden, dass sich Betriebliches Gesundheitsmanagement rechnet. Andererseits sollen die durch Prävention vermeidbaren Kosten abgeschätzt und ggf. die kostengünstigsten Präventionsmaßnahmen identifiziert werden. Der ökonomische Nutzen von betrieblichem Gesundheitsmanagement gilt als wissenschaftlich eindrucksvoll belegt. Systematische Übersichtsarbeiten zeigen, dass sowohl die Krankheitskosten als auch die krankheitsbedingten Fehlzeiten um durchschnittlich 26% reduziert werden können. Auch die Abschätzung des allgemeinen ökonomischen Potenzials spricht für eine Intensivierung der betrieblichen Prävention. Durch arbeitsbedingte Erkrankungen entstehen in Deutschland jährliche Kosten in Höhe von insgesamt 44 Milliarden Euro. Davon entfallen 33 Milliarden Euro auf arbeitsbedingte Arbeitsunfähigkeit und 11 Milliarden Euro auf die arbeitsbedingte Frühberentung.

 

Michael Ertel, Ulrike Stilijanow:
Bekämpfung psychosozialer Risiken am Arbeitsplatz – Politischer Kontext und Sozialer Dialog in der erweiterten EU

In den letzten Jahren sind psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz, wie Stress, Mobbing und Gewalt in der Europäischen Union (EU) zunehmend in ihrer Bedeutung erkannt worden. Die damit verbundenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für Arbeitnehmer sowie finanzielle und soziale Kosten für Unternehmen und Gesellschaft stellen ein wachsendes Problem für die EU und deren Mitgliedsstaaten dar. Zwei wesentliche Handlungsstränge zur Bekämpfung bzw. zum Management von Stress auf der europäischen Ebene sollen in diesem Beitrag näher beleuchtet werden; zum einen die europäische Rahmen-Gesetzgebung zum Arbeitsschutz; zum anderen Aktivitäten der europäischen Sozialpartner, die im Kontext des Europäischen Sozialen Dialoges zwei Vereinbarungen (über arbeitsbedingten Stress und zu Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz) verabschiedet haben. Ein europäisches Forschungskonsortium (Projekt PRIMA-EF; siehe www.prima-ef.org) ging vor diesem Hintergrund der Frage nach, ob und inwiefern insbesondere der Soziale Dialog einen Beitrag für die Bekämpfung psychosozialer Risiken am Arbeitsplatz leisten kann und welche Empfehlungen daraus für Politik und Praxis abgeleitet werden können - auch im Hinblick auf aktuelle Herausforderungen der EU-Erweiterung.

 

Kurzbeiträge

Benedikt G. Rogge, Thomas Kieselbach:
Arbeitslosigkeit und psychische Gesundheit aus zwei theoretischen Perspektiven: Soziale Exklusion und soziologische Identitätstheorie

Martina Bohnhardt, Wolfgang Bödeker:
Anreize in der Prävention und Gesundheitsförderung – Inwieweit lässt sich Gesundheitsverhalten durch Incentives steuern?

 

Institutionen und Websites zu Prävention und betrieblicher Gesundheitsförderung

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